Erneuerte Schöpfung

[insert_php]the_excerpt();[/insert_php]

Verfasser: Walter Faerber

Schauen Sie sich auch die Webseite des Konfirmandenjahrgangs an!

2014-04-27Konf-GD - 02Heute bündelt sich alles, was ihr in eurer Konfirmandenzeit seit 2010 miteinander erlebt habt. Sehr schnell sind diese fünf Jahre vergangen seit ihr damals in der 4. Klasse zu eurem ersten Konfirmandenjahr kamt.

Und am Anfang schauen wir uns noch ein paar Bilder an die von der ersten Konfirmandenfreizeit stammen:

2014-04-27Konf-GD - 03In Tettenborn sind wir damals gewesen, so wie auch in diesem Jahr wieder, aber damals ist schon beinahe Sommer gewesen, und wir konnten eine ganze Menge draußen machen.

2014-04-27Konf-GD - 04Zum Beispiel sind wir ins Kloster Walkenried gefahren, und sind da einer großen Schar von Hühnern begegnet, die sich freuten, dass ihr sie mit Löwenzahn und anderem Grünzeug gefüttert habt.

Walkenried war ein Zisterzienserkloster, das für die Entwicklung des Bergbaus im Harz eine große Rolle gespielt hat. Die Zisterziensermönche suchten sich immer die unbewohnten Gegenden aus, wo noch keiner gesiedelt hatte, und legten dort ihre Klöster an.

An den Ruinen kann man noch sehen, wie gewaltig groß die Klosterkirche gewesen sein muss. Sie haben damals im Mittelalter die unwegsame Wildnis in eine blühende Landschaft verwandelt, 2014-04-27Konf-GD - 05haben Wasserläufe geordnet und Bergwerke angelegt. Das Evangelium und die Gemeinschaften, die sich in seinem Namen zusammen gefunden haben, das hat eine große Rolle gespielt bei der Verwandlung Europas in eine Kulturlandschaft.

Und ihr seid mit Begeisterung in den Ruinen herumgeklettert. Wir Betreuer konnten kaum schnell genug hinterher kommen, aber dann konnten wir euch fotografieren, wie ihr in die alte Steinwand hinein geklettert wart.

2014-04-27Konf-GD - 06Hier rechts zum Beispiel Hendrik und Jonas, die heute konfirmiert werden. Und auch hier kann man gut die dicken Mauern sehen. Da haben viele, viele Menschen vor vielen Jahrhunderten lange dran gebaut, um eine Kirche für viele Menschen zu haben. Und selbst jetzt, wo die Kirche schon lange nur noch eine Ruine ist, sieht das immer noch eindrucksvoll aus. Besonders natürlich mit euch beiden davor.

2014-04-27Konf-GD - 07Dieses Bild von Amy, Manja und Emily ist dann schon wieder in Tettenborn aufgenommen worden. Da konnten wir aber auch gut in der Umgebung herumlaufen, sogar an der Stelle, wo früher die Grenze zur ehemaligen DDR war.

Und auf einem Bild, das genau auf der Grenze aufgenommen worden ist, ist auch Melina dabei, ganz rechts. So haben wir bei dieser 2014-04-27Konf-GD - 08Konfirmandenfreizeit nebenbei gleich zwei wichtige Stationen der Geschichte erlebt: das viele Hundert Jahre alte Kloster und die ehemalige innerdeutsche Grenze, die aber nun auch schon Vergangenheit ist: ungefähr 10 Jahre, bevor ihr geboren wurdet, ist sie gefallen.

2014-04-27Konf-GD - 09So sieht der Grenzweg heute aus: harmlos und friedlich. Man muss es schon wissen, um zu erkennen, dass hier einmal die bestbewachte Grenze Europas war. Und auf diesem Bild soll er auch einfach nur ein Symbol sein für den langen Weg der Geschichte, den Menschen zurückgelegt haben. Und auch ihr mit eurer im Vergleich dazu noch gar nicht so langen Lebensgeschichte seid doch schon einen Weg gegangen, auf dem ihr euch verändert habt – das sieht man schon an den Fotos, die jetzt vier Jahre alt sind. Ihr guckt heute schon wieder anders. Meistens nicht mehr so unbeschwert, sondern ernster. Ihr habt in dieser Zeit schon wieder viel mehr über das Leben erfahren.

Und so geht das uns allen, dass wir jedes Jahr mehr erfahren und hoffentlich auch mehr verstehen, und trotzdem soll in uns das unbeschwerte kleine Kind weiterleben, das mit großem Vertrauen auf die Welt zugeht und sich gar nicht so viel Sorgen darum macht, was die anderen über sie oder ihn denken. Ja, wir haben früher viel weniger gewusst als heute, aber das ist nicht peinlich, das müssen wir nicht möglichst schnell hinter uns lassen, sondern das gehört zu unserem Lebensweg dazu, und das wird natürlich auch in Zukunft so sein. Wir sind nie fertig, sondern Gott arbeitet an uns, um durch viele gute und schlechte Erfahrungen hindurch uns zu dem Menschen zu machen, zu dem er uns berufen und geschaffen hat.

Deshalb gehen wir alle unseren Lebensweg unter den Augen Gottes, der diese Welt geschaffen hat und sie auch weiter auf ihrem Weg begleitet. Er hat uns nie vergessen oder das Interesse an uns verloren, sondern er hält an seiner Schöpfung fest, und er hält an uns fest. Gott bleibt verbunden mit unserem Weg, bis diese Welt erneuert ist. Gott gibt nicht auf, bis am Ende die Welt doch noch so wird, wie er das bei ihrer Erschaffung im Sinn hatte.

Und deswegen werden wir jetzt gleich nicht nur euch und eure Konfirmationssprüche hier vorn sehen, sondern auch Bilder von euch aus dem ersten Jahr, als Zeichen für den Weg, den ihr in dieser Zeit gegangen seid. Dazu ist diese Konfirmandenzeit ja da: dass Gottes Sicht für euren Weg deutlich wird.

Das ist die Hoffnungsperspektive für die ganze Welt und für jeden von uns: wir alle sollen mit hineingehören in die grundlegend erneuerte Schöpfung, und es ist die Botschaft Jesu, die uns da hineinzieht.

Davon spricht der Konfirmationsspruch von Jonas (Lukas 21,33):

Jesus Christus spricht: »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.«

Bei diesem Spruch muss man verstehen, dass hier nicht von einer Art Weltuntergang die Rede ist. Es geht nicht darum, dass Raum, Zeit und Materie verschwinden. Sondern es geht darum, dass die Schöpfung noch einmal so umfassend erneuert wird, dass es ein ganz neuer Himmel und eine ganz neue Erde sein wird. Es wird eine Welt sein, die nicht mehr von Leid, Schmerz und Tod durchzogen ist. Es wird eine Welt sein, in der die Geschöpfe nicht mehr gegeneinander stehen, wo Menschen nicht mehr ihr Selbstbewusstsein daraus ziehen, dass sie besser oder stärker oder mächtiger sind als andere Menschen oder Tiere. Und weil wir in so einer Welt überhaupt noch nie gelebt haben, deshalb wird sie für uns neu und ungewohnt sein.

Aber es gibt jetzt schon unter uns etwas aus dieser kommenden Welt, und das sind die Worte Jesu. In seinen Worten klopft die neue Welt Gottes schon an die Tür unserer alten Welt. Wenn Jesus z.B. in der Bergpredigt davon spricht, dass wir auf Gottes Segen vertrauen sollen, den er in die Welt hineingibt, und dass wir diesen Segen nicht mit Gewalt festhalten sollen, sondern weitergeben, dass wir teilen und schenken sollen, und dass sogar die Feinde nicht ausgeschlossen sein sollen, dann atmet das alles schon den Geist der neuen Schöpfung. In den Worten Jesu kündigt sich diese neue Welt schon an, und deswegen müssen sie nicht mehr vergehen, weil sie Worte aus der kommenden neuen Schöpfung sind. Und wenn wir mit diesen Worten Jesu leben, dann kommt die neue Welt schon in unsere Gegenwart hinein und verbindet sich mit unserem Lebensweg. Und dann repräsentieren wir schon diese Alternative.

Davon redet der Konfirmationsspruch von Manja (Markus 9,23):

Wer Gott vertraut, dem ist alles möglich.

Dieser Spruch meint nicht, dass wir irgendwelche tollen Tricks beherrschen, um andere Leute zu verblüffen, dass wir auf einer Hand gehen können oder so etwas. Sondern wenn wir in Gott verankert sind, wenn wir glauben, dann verbinden sich die Kräfte der kommenden Welt mit uns und dann muss alles Dunkle vor uns zurückweichen. Jesus sagt das in einer Szene, wo er ein krankes Kind gesund macht, das sein ganzes Leben lang immer wieder in Lebensgefahr war. Und es ist Kraft Jesu, die eine grundlegende Wende im Leben dieses Kindes und seiner Familie herbeiführt. Jesus ist so stark im Leben Gottes verankert, dass es ihm möglich ist, diese Wende herbeizuführen.

Man erfährt im Verlauf der Geschichte, dass auch seine Jünger das noch nicht so hinkriegen. Und trotzdem traut er das tatsächlich auch seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zu, dass sie diese Wende zum Guten auch da bringen, wo keiner geglaubt hat, dass das möglich sein könnte. Vielleicht stehen wir ja durchaus ähnlich hilflos da wie die Jünger damals, aber über unserem Weg steht von Jesus aus diese Berufung: du sollst ins Leben von Menschen die große Wende bringen, dass sich bei ihnen die heile neue Welt Gottes ausbreitet, mit der sie nicht gerechnet haben.

Und das passiert manchmal in erstaunlichen Wundern, manchmal in dem, was wir beim Kinder-Bibel-Morgen und anderswo in Menschen hineinlegen, manchmal so, dass Menschen blühende Landschaften sehen, wo bisher nur Einöde ist wie damals die Zisterzienser. Auf vielen Wegen kommt Gottes neue Dimension in unsere Welt hinein und in eigenes Leben.

Aber jedes Mal geht es darum, dass mehr möglich ist als das, was wir schon kennen. Und davon spricht der Konfirmationsspruch von Hendrik (Hebräer 4,14):

Lasst uns also festhalten an der Hoffnung, zu der wir uns bekennen.

Diese Welt hat Hoffnung, weil es mehr gibt als das, was man sehen und anfassen, messen und zählen kann. Im Hintergrund dieser Welt arbeiten Kräfte und Zusammenhänge, die meistens vor unseren Augen verborgen sind. Das ist ein bisschen so, wie in der Physik, wo die Menschen lange gesagt haben: ich sehe doch wie die Dinge sind, 1 und 1 ist zwei und der Raum und die Zeit. das weiß doch jeder, was das bedeutet und wie es funktioniert, und dann kam Albert Einstein, dachte gründlich nach, und auf einmal stellte sich heraus, dass es in Wirklichkeit viel komplizierter ist, dass der Raum gekrümmt sein kann und die Zeit langsamer laufen kann. Und seit Einstein ist alles noch viel komplizierter geworden – was die Menschen vor hundert Jahren noch selbstverständlich als Realität angesehen haben, das ist die Oberfläche, und je weiter wir in den Hintergrund der Welt vordringen, um so unübersichtlicher wird es.

Ganz ähnlich steht im Hintergrund unserer Welt, von der wir denken, dass sie ist, wie sie ist, in Wirklichkeit die ganze unsichtbare Welt Gottes, und das ist die Hoffnung für die Schöpfung. Wir kennen die Zusammenhänge der Schöpfung erst, wenn wir sie mit ihrem Schöpfer zusammen sehen und verstehen, dass sie wie jeder von uns eine Berufung hat: eine Berufung, neu zu werden und aus dem verborgenen Segen zu leben. Das ist die Hoffnung. Hoffnung kommt aus dem Unsichtbaren, und deswegen »bekennen« wir, wie es hier heißt, wir sprechen von dem Unsichtbaren, das eine stärkere Realität ist als das Sichtbare, und das braucht ebensoviel Mut und Beharrlichkeit, wie Einstein sie aufbrachte, als er über die unsichtbaren Zusammenhänge der Welt nachdachte, die unserer Alltagserfahrung unsinnig erscheinen. Aber die Hoffnung kommt von dem, was nicht auf der Hand liegt, aus dem Verborgenen.

Und von diesem Verborgenen, das hinter der Welt und auch hinter jedem Menschen steht, spricht der Vers, den Melina heute bekommt (1. Samuel 16,7c):

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.

Auch Menschen werden angetrieben und gestaltet von dem, was nicht offensichtlich auf der Hand liegt. Wir haben alle eine verborgene Seite, die noch nicht einmal wir selbst ganz kennen. Aber Gott kennt sie. Er weiß, welche Möglichkeiten in uns stecken, aber auch welche Gefahren.

Vor allem weiß Gott, wozu er uns geschaffen hat, welchen Lebenssinn und welches Ziel er in uns hineingelegt hat. Und wir werden mit unserem Leben dann am besten zurecht kommen, wenn wir uns diesen Sinn und diese Berufung nach und nach aufdecken lassen. Das ist Glück: wenn wir dem Menschen näher kommen, zu dem wir bestimmt sind. Wenn im Herzen, im Zentrum unserer Person, die neue Welt Wurzeln schlägt, aber dann eben nicht in einer Standardversion, die für alle gleich wäre, sondern der unverwechselbare eine neue Mensch, den Gott von Anfang an für uns im Sinn hatte. Wir sollen ja nicht Einheitstypen werden, sondern in der neuen Schöpfung wird sich der ganz spezielle Reichtum unserer Person erst voll entfalten.

Und das steckt von Gott her schon in uns drin und will sich entfalten und kräftig werden, und man versteht keinen Menschen, so lange man nicht diese verborgene Seite in ihm sieht. Und in der Konfirmandenarbeit und im Kinder-Bibel-Morgen und bei vielen anderen Gelegenheiten soll dieser verborgene Mensch in uns gerufen werden, damit er stark wird und unser Leben prägt. Und so gehören wir dann auch dazu zur neuen Schöpfung, zur Zukunft, die Jesus in die Gegenwart bringt. Wir haben vorhin schon von ihr gehört und tun das jetzt noch einmal mit dem Satz für Amy:

Jesus Christus spricht: »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.« (Lukas 21,33)

Der Himmel ist heute noch die verborgenen Seite der Welt; die Ziele Gottes für unsere Schöpfung sind nicht einfach ablesbar aus dem, was wir jetzt kennen. Gott behütet im Himmel seine Vision von einer guten Erde, auf der Menschen, Tiere und alle Geschöpfe in Freundschaft miteinander leben. Er muss die beschützen, damit sie nicht ehrgeizige Menschen an sich reißen und verderben.

Aber das wird nicht immer so sein, sondern am Ende werden Himmel und Erde zusammenfinden, die Trennung dazwischen wird aufgehoben, und Gott wird unter den Menschen wohnen, wie er es schon immer vorgehabt hat. Es wird eine große Versöhnung geben, wie wir manchmal schon jetzt einen Vorgeschmack davon haben, wie Freundschaft mit Menschen und auch mit Tieren aussehen kann. Was jetzt erst hier und da aufleuchtet, das wird dann die ganze Welt prägen.

Und wir sind eingeladen, uns jetzt schon von diesen lebendigen Worten Jesu bewegen und gestalten zu lassen. Sie haben schon so viel angestoßen in der Welt und im Leben von Menschen. Im Zeichen diese Verheißung, dass alles neu werden soll, steht die ganze Schöpfung. Lange war das nur ein Versprechen, aber als Jesus auferstanden ist, da hat die neue Schöpfung begonnen. Da ist an einer Stelle die Zukunft schon kräftige Wirklichkeit in der Gegenwart geworden. Ganz anders – deshalb erkannten die Jünger Jesus zuerst gar nicht. Aber dann sahen sie seine Wunden und verstanden: er ist es wirklich, aber neu und anders, der erste Mensch, der zur neuen Schöpfung gehört, wo Himmel und Erde nicht mehr getrennt sind.

Und wir alle, ob jung oder alt, sollen uns von dieser neuen Wirklichkeit beeinflussen lassen, ihr sollen wir vertrauen, an dieses neue sollen wir uns binden, damit wir mit den Kräften der kommenden Welt Hoffnung und Heilung in diese Welt bringen.

Gott geht mit seiner Schöpfung einen langen Weg, und wir sollen in unserer Zeit und an unserem Ort dabei sein und so schon zur Welt der Zukunft gehören, die einmal Himmel und Erde, wie wir sie kennen, ablösen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir möchten hier nur Beiträge von echten Menschen haben, nicht von Robots. Zur Abwehr von Kommentar-Spam beantworte deshalb bitte die folgende Frage: