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In der Liebe - oder im Misstrauen bleiben? | |
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| Predigt am 22. April 2001 (Konfirmation 2001) über 1. Johannes 4,16 |
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von Walter Faerber |
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Ein Haufen Menschen läuft durch die Welt und hat das bisher noch nicht erkannt: dass Gott uns liebt. Aber das ist die entscheidende Erkenntnis. Nicht Geld regiert die Welt, sondern die Suche der Menschen nach Liebe, und wer sein ganzes Leben lang Geld zusammenrafft, der sucht in Wirklichkeit auch nur das eine: Liebe. Edle Taten und schreckliche Verbrechen, herrliche Bauten und barbarische Zerstörungen, Sucht nach Essen, Trinken und Geld, kleine Gemeinheiten und große Dummheiten, alles, was die Welt bewegt, es hat eine Wurzel: dass Menschen hören möchten, dass jemand zu ihnen sagt: gut, dass du da bist, ich freue mich über dich, wie schön, dass es dich gibt, du bist ok. Das ist etwas, was wir uns nicht selbst sagen können, das kann uns nur jemand anders sagen, und deshalb ist es so kostbar. Könnt ihr euch vorstellen, wieviele Menschen das hören möchten, und sie hören es nicht, oder sie glauben es nicht. Vielleicht warten sie ja auch darauf, dass jemand sagt: du bist ein toller Hecht, wie du das hinkriegst, kein anderer kann das so. Du bist so schlau, es ist enorm, auf was für Ideen du kommst. Du siehst gut aus, hast du schon mal gemerkt, wie sie dir alle hinterhergucken? Ich glaube, wir wissen alle, dass man so was nur sehr, sehr selten hört, aber irgendwie träumen wir alle davon, dass wir das mal über uns hören. Aber noch mehr ist es, wenn uns einer sagen würde: wie gut, dass es dich gibt. Ich freue mich so darüber. Ich will nie ohne dich sein. Und wir wünschen uns, dass der richtige Mensch das zu uns sagt. Aber wir wissen alle, dass die Liebe von Menschen ihre Grenzen hat. Keiner kann uns so bedingungslos lieben, wie wir das möchten, kein Mensch hat die Fantasie und die Kraft und Ausdauer, die wir eigentlich brauchen würden. Kein Mensch verbreitet um sich nur die Freude, die Liebe, die Begeisterung, die wir gern hätten. Irgendwann stoßen wir schmerzlich darauf, dass Menschen uns doch nicht so lieben können, wie wir es gerne haben würden. Was Menschen uns geben, das ist bestenfalls ein Abglanz von der Liebe, die ursprünglich bei Gott ist und von der manchmal ein heller Strahl in unser Herz fällt und es dort alles glänzen lässt. Eure Konfirmation ist die Einladung, euch dafür zu öffnen, dass diese Liebe Gottes euch direkt erreicht und euch so erfüllt, dass ihr nie herumlaufen müsst, um bei Menschen Liebe zu erbetteln oder zu erkaufen, weil ihr die entscheidende Liebe tief in euch selbst habt. Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, heißt es in dem Satz aus dem 1. Johannesbrief. Wer sind die »Wir«, die das sagen? Das sind die, die zu Jesus gehören. Es ist eine Kernbeschreibung der Christen: das sind die, die erkannt haben, dass Gott sie liebt. Das fängt tatsächlich oft damit an, dass einem das ganz verstandesmäßig klar wird, dass man sich sagt: was hat Jesus alles auf sich genommen, um hier bei uns zu leben! Unter fürchterlich primitiven Bedingungen geboren zu werden und unter grausamen Qualen sterben. Das hätte er nicht tun müssen. Aber er wollte uns ganz nahe sein. Liebe. Aber erkennen bedeutet in der Bibel nicht einfach, dass man sich diesen Satz aufschreibt: Gott liebt mich, und es irgendwo gut abheftet, so wie man Geometrieaufgaben abheftet und dann nie wiederfindet. Erkennen bedeutet: davon durchdrungen und erfüllt sein, von diesem Wissen und Fühlen: Gott liebt mich. Er ist mein Freund. Und dann sind vielleicht Menschen gemein zu mir, oder ich frage mich: gibt es überhaupt einen, dem ich wirklich vertrauen kann? Aber: Gott liebt mich. Oder Freunde orientieren sich anders oder sie lassen mich im Stich. Aber: Gott liebt mich. Und das kann sich dann so ausbreiten in den Kammern der Seele, dass einer schließlich davon ganz erfüllt und durchdrungen ist. Aber das schöne ist, dass wir nicht erst auf den St. Nimmerleinstag warten müssen, bis das mal genug ist. Sondern ob du das vielleicht gerade nur ahnst, dass da wirklich etwas sein könnte, oder ob du das schon seit Jahren weißt und es dich ganz erfüllt: Gott sorgt dafür, dass das in jedem Fall reicht. Wir müssen das wenige oder viele, was wir verstanden haben, nur festhalten, und es wird ausreichen, es wird mehr werden. Es gibt Menschen, die haben ihr Leben lang immer das Gefühl gehabt: da ist wer, der auf mich aufpasst, und wenn sie dann irgendwann Gott wirklich begegnen, dann sagen sie: ja, jetzt wird es mir klar, so lange begleitest du mich schon, und du warst das damals, der mir geholfen hat, als ich durch diese schlimme Zeit durchmusste und es irgendwie geschafft habe, ja genau, jetzt begreife ich. Etwas in mir hat mir immer schon gesagt, dass es dich gibt, und dass du mich kennst und an meiner Seite bist. Und andere sagen: das ist mir ganz neu, das hätte ich gar nicht gedacht, aber wie schön, dass ich dich jetzt kenne. Wieso hat mir das bisher noch nie einer gesagt? Aber jetzt möchte ich das nicht mehr verlieren. Und dann sagt dieser Vers: du bleibst in Gott, wenn du in der Liebe bleibst. Wenn du das festhältst und das nicht wieder zur Disposition stellst. Das kommt ja vor, dass Menschen von Gott wirklich angerührt sind, dass sie etwas ganz Echtes von ihm hören und erleben, und irgendwann haben sie es verloren, und sie fragen sich: wo ist das jetzt? War denn alles Täuschung? War es umsonst? Und die Antwort ist: du musst bleiben, du musst es weiter festhalten, wenn du in der Liebe bleibst, die du kennengelernt hast, dann wird Gott in dir bleiben. Und während du denkst, dass er ganz weit weg ist, lebt er in dir und sorgt dafür, dass sich die Liebe in dir weiter ausbreitet. Du musst bleiben, du musst das festhalten. Denn, wo würden wir bleiben, wenn wir nicht in Gottes Liebe bleiben würden? Wir würden im Misstrauen bleiben, in Unzufriedenheit und Ungenießbarkeit. Man kann das ganz einfach überprüfen: sind es die zufriedenen und glücklichen Menschen, die an allem was auszusetzen haben? Passiert das, dass jemand aufsteht und sagt: »was für ein herrlicher Morgen, danke für das schöne Wetter, danke, dass ich so heute so fröhlich bin, jetzt will ich mir gleich mal jemanden suchen, den ich so richtig anmeckern kann«? Es gibt ja Menschen, die wie eine Klagemauer durch die Welt laufen, die an allem was auszusetzen haben und dreimal am Tag gekränkt sind, und du musst sie mit Samthandschuhen anfassen, damit es keinen Ärger gibt. Aber haben wir das Gefühl, dass das ein Kennzeichen davon ist, dass ein Mensch besonders glücklich ist, dass er erfüllt ist von der Liebe und Freude Gottes? Nein, wer mit sich und anderen so unzufrieden ist, der zeigt ganz deutlich, wie sehr er das braucht, die Liebe Gottes, und wie gut es wäre, wenn er sein Misstrauen ablegen würde, das Misstrauen in Gott und die Menschen, dass die das doch bestimmt nicht gut mit mir meinen und dass das doch gar nicht stimmen kann, dass Gott an meiner Seite ist. Wieviel Kampf und Ärger zwischen Menschen entsteht daraus, wieviel Auflehnung, wie oft passiert das, dass einer immer wieder testet: ist es echt? Wie weit kann ich gehen, was kann ich mir alles noch erlauben, bis mein Gegenüber aufhören wird, mich zu lieben? Genau, ich habe es schon immer gewusst, dass die gegen mich sind! Auch vieles, was so aufläuft an Konflikten zwischen Eltern und Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, das hat damit zu tun, dass man testet: werden die mich auch jetzt noch mögen? Liebe Freunde, wir tun ganz viel, damit wir das nicht spüren müssen, wie sehr wir uns sehnen nach Erfüllung, nach Glück, nach Liebe und Beziehungen. Wir unternehmen ganz viel, damit wir sagen können: das ist mein gutes Recht, und das steht mir zu. Niemand möchte so gesehen werden, wie wir wirklich sind: voll Hunger nach Zuwendung und Anerkennung, voll Sorge, ob es denn wohl jemand gibt, der an uns etwas finden könnte an uns! die wir doch unsere Defizite und Engpässe mindestens immer ahnen. Deswegen: wer nicht in der Liebe bleibt, der bleibt: im Misstrauen und im Kampf um seinen Platz in der Welt. Es gibt keinen Mittelplatz dazwischen, sondern wir werden entweder auf die eine oder auf die andere Seite gezogen. Entweder wir verhärten uns und werden ungenießbarer, oder wir machen die Tür weit auf, damit Gottes Liebe hineinkommt in unser Leben und bei uns wohnt. Deswegen ist es so wichtig, dass uns Gottes Liebe nicht nur einmal anrührt. Das passiert ganz vielen Menschen, dass sie in einem besonderen Augenblick der Liebe Gottes intensiv begegnen und dass da Licht und Glanz in ihr Leben kommt. Das hat fast jeder schon irgendwann mal erlebt. Und das passiert auch bei Konfirmationen. Aber was daraus wird, das entscheidet sich daran, ob wir von uns aus darin bleiben. Das entscheidet sich daran, ob wir das festhalten und dieser Erfahrung trauen und sie zum Ausgangspunkt machen. Es hängt davon ab, ob wir dieser Erfahrung Raum geben, ob wir uns helfen lassen, zurückzukehren zu Gott und seiner Liebe. Vor dieser Frage stehen die Leute, die schon viel mit Gott erlebt haben, ganz genauso wie die, die zum allerersten Mal eine Ahnung von ihm haben. Immer wieder: willst du in dieser Liebe, in diesem Glanz bleiben, oder willst du es den grauen Alltagswolken erlauben, dass sie sich dazwischenschieben? Und wenn du schon nicht die Wolken wegschieben kannst: willst du es ihnen erlauben, dass sie dich die Sonne vergessen lassen und du dich am Ende nicht mehr sehnst nach dem Sonnenlicht? Und willst du dir nicht von anderen helfen lassen, den Platz zu finden, wo diese Sonne scheint? Es sind ja nicht immer und überall Wolken! Liebe ist ein Geschenk. Wir können es nicht erpressen oder erkaufen. Ist auch nicht nötig, weil Gott sie umsonst schenkt. Aber die Liebe festhalten und in ihr leben, das ist unser Job, und wenn der auch manchmal nur darin besteht, dass wir an Plätze gehen und zu Menschen gehen, wo Gott zu finden ist. Wenn wir unseren Job tun, macht Gott seinen. Er wird in uns leben und unser Leben mit seiner Liebe erfüllen. |
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Letzte Änderung: 22. April 2001 |
Predigt am 22. April 2001 |
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