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1 Kurz vor Jerusalem kamen sie zu der Ortschaft Betfage am ᅵlberg. Dort schickte Jesus zwei Jᅵnger fort 2 mit dem Auftrag: ᅵGeht in das Dorf da drᅵben! Gleich am Ortseingang findet ihr eine Eselin und ihr Junges angebunden. Bindet beide los und bringt sie zu mir! 3 Und wenn jemand etwas sagt, dann antwortet: 'Der Herr braucht sie.' Dann wird man sie euch sofort geben.ᅵ

4 Damit sollte in Erfï¿œllung gehen, was der Prophet angekï¿œndigt hatte:
5 ï¿œSagt der Zionsstadt:
Dein Kï¿œnig kommt jetzt zu dir!
Er verzichtet auf Gewalt.
Er reitet auf einem Esel
und auf einem Eselsfohlen,
dem Jungen eines Lasttiers.ᅵ

6 Die beiden Jᅵnger gingen hin und taten, was Jesus ihnen befohlen hatte. 7 Sie brachten die Eselin und ihr Junges und legten ihre Kleider darᅵber, und Jesus setzte sich darauf. 8 Viele Menschen aus der Menge breiteten ihre Kleider als Teppich auf die Straᅵe, andere rissen Zweige von den Bᅵumen und legten sie auf den Weg. 9 Die Menschenmenge, die Jesus vorauslief und ihm folgte, rief immer wieder: ᅵGepriesen sei der Sohn Davids! Heil dem, der im Auftrag des Herrn kommt! Gepriesen sei Gott in der Hᅵhe!ᅵ

10 Als Jesus in Jerusalem einzog, geriet alles in groᅵe Aufregung. ᅵWer ist dieser Mann?ᅵ fragten die Leute in der Stadt. 11 Die Menge, die Jesus begleitete, rief: ᅵDas ist der Prophet Jesus aus Nazaret in Galilᅵa!ᅵ

Kennen Sie das auch, dass man einen Wunsch hat, von dem man gar nichts erzï¿œhlen mag, einfach, weil der viel zu viel ï¿œber einen selbst sagt? Und trotzdem wï¿œre es so toll, wenn einer den Wunsch erraten und erfï¿œllen wï¿œrde.

Natï¿œrlich sind nicht alle Wï¿œnsche so persï¿œnlich, aber sie sagen schon etwas ï¿œber uns selbst, manchmal mehr, als wir selbst merken. In Wï¿œnschen geht es ja um mehr als um einen materiellen Austausch. Bei den Wï¿œnschen, die der Weihnachtsmann heute erforscht hat, waren ja sowieso schon eine ganze Menge dabei, die gar nicht materiell waren. Ich glaube, da hat sich etwas geï¿œndert - uns ist heute viel deutlicher als frï¿œher, dass es gar nicht so sehr um materielle Werte geht, sondern um Erlebnisse, um Trï¿œume, um die Art zu leben, die wir uns wï¿œnschen. Und mit manchen Geschenken kommen wir dieser Art zu leben ein bisschen nï¿œher. Zeit zum Beispiel, damit man ruhiger leben kann - das kann man eigentlich gar nicht verschenken, und Zeit ist inzwischen manchmal schon viel kostbarer als Geld. Oder ein harmonisches Zuhause mit den Menschen, die einem nahe stehen und zu denen man gehï¿œrt. Ganz viel Gedanken darï¿œber, wie sich einer das gute Leben vorstellt, liegen ja in solchen Wï¿œnschen. Oder eben ein Buch und Zeit, um es auch wirklich lesen zu kï¿œnnen. Man muss bei vielen Wï¿œnschen eigentlich nur ein ganz bisschen nachfragen, und dann zeigt sich gleich, wieviel die mit uns selbst zu tun haben.

Im Gottesdienst war zuvor der Weihnachtsmann als Marktforscher aufgetreten und hatte verschiedene Leute ï¿œber ihre Weihnachtswï¿œnsche und die dahinterstehenden Motive befragt.

Aber das gilt genauso fï¿œr die materiellen Wï¿œnsche. Man wï¿œnscht sich ja nicht einfach eine Digitalkamera, sondern eine Mï¿œglichkeit, um die schï¿œnen Momente festzuhalten und vielleicht dann noch so zu gestalten, dass ganz deutlich sichtbar wird, was daran wirklich schï¿œn war. Aber mï¿œglichst ohne den Stress mit den ganzen Einstellungen. Und genauso wï¿œnscht man sich eigentlich nicht ein Computerspiel, sondern das Erlebnis, dass man es schafft, wieder ein Stï¿œck besser zu sein, wieder eine Runde weiter und einen Level hï¿œher zu kommen. Und so sind auch Schlittschuhe nicht einfach nur Sportgerï¿œte, sondern das hat etwas mit Leichtigkeit zu tun, mit dem Erlebnis, dass es alles glatt geht, wie von selbst, und man mï¿œhelos und mit Eleganz vorwï¿œrts gleitet - ein tolles Erlebnis, das hat man eben nicht oft im Leben.

Auch hier ist es natᅵrlich wieder so, dass Frauen stᅵrker Beziehungswᅵnsche entwickeln und Mᅵnner sich eher etwas wᅵnschen, was ihre Fᅵhigkeiten stᅵrkt und erweitert. Das gehᅵrt nun mal dazu, und die Missverstᅵndnisse, die sich dadurch ergeben, sollte man nicht allzu ernst nehmen, sondern lieber mit Humor betrachten. Das ist nun mal so, dass die beiden Geschlechter das Leben mit unterᅵschiedlichen Brillen sehen, das gehᅵrt zum Reichtum des Lebens. Und es ist ja auch richtig, dass es zu Weihnachten um unsere Lebenswᅵnsche geht, um das Leben, dass wir gerne fᅵhren mᅵchten. Wenigstens zu Weihnachten wollen wir ein wenig davon erleben, und wenn das ᅵberhaupt nicht klappt, das gibt dann die berᅵhmten Weihnachtsᅵkatastrophen. Es ist kein Zufall - eines der beliebtesten Weihnachtsbᅵcher heiᅵt ᅵPannen unter Tannenᅵ. Aber wenigstens an Weihnachten erwarten wir, dass es mitten im stressigen, mᅵhsamen, oft enttᅵuschenden Leben das gute Leben gibt: eine funktionierende Familie, ungestresste Zeit und Menschen, die erkennen, was uns tief im Herzen bewegt.

Und genau in dieser Richtung liegt ja tatsï¿œchlich der Sinn von Weihnachten: wenn wir die Geburt Jesu feiern, dann erinnern wir uns daran, dass es das wahre Leben gibt mitten in Unterdrï¿œckung und Not und in beengten Verhï¿œltnissen. Es ist so alltï¿œglich und zugï¿œnglich wie ein ganz normales Menschenbaby, und trotzdem ist da so viel Freude und Glanz verborgen, wie ein riesiger Engelschor ihn verbreitet.

Mitten in dem beschï¿œdigten Leben, das wir kennen, beginnt das neue und wahre Leben - das ist die Botschaft von Weihnachten. Wir haben in unserer Traditionslinie des christlichen Glaubens leider nicht so viel Erfahrung damit, dieses Leben Tag fï¿œr Tag neu zu empfangen und zu verwirklichen. Wir haben diese Botschaft auf das eine Fest im Jahr konzentriert, und dann geht es nicht immer glatt, weil wir das Jahr ï¿œber zu wenig trainiert haben. Aber es ist schon richtig, wenn wir zu Weihnachten erwarten, dass etwas Neues unter uns geboren werden kann und in unserem Leben seinen Platz findet, so wie damals der neugeborene Jesus in der schï¿œbigen und dreckigen Krippe lag. Es ist richtig, wenn wir Geschenke machen, die etwas zu tun haben mit den Mï¿œglichkeiten, die noch in einem Leben verborgen sind. Gott hat uns das Geschenk seines Sohnes gemacht, der uns Mï¿œglichkeiten zu leben gezeigt hat, auf die wir von uns aus nie gekommen wï¿œren. Ein gutes Weihnachtsgeschenk hat etwas damit zu tun, dass wir in das Leben eines anderen neue Mï¿œglichkeiten hineinbringen, die er vorher noch gar nicht gesehen hat - vielleicht hat er sich eine Bohrmaschine gewï¿œnscht, weil er Bilder aufhï¿œngen wollte, aber jetzt bekommt er ein Malset, weil da jemand gemerkt hat, dass er mehr mit Bildern anfangen kann als sie nur aufzuhï¿œngen.

An dem Beispiel merkt man aber auch, dass das ein Risiko ist. Vielleicht habe ich mich ja getï¿œuscht, und Malen ist wirklich nichts fï¿œr ihn. Oder er kï¿œnnte es schon, aber er hat nur die Bohrmaschine im Kopf und ist enttï¿œuscht und probiert die geschenkten Farben gar nicht erst aus.

Und auch das hat Gott mit den Menschen erlebt. Die hatten sich das neue Leben aus Gott ganz anders vorgestellt, viel prï¿œchtiger und kï¿œniglicher als Jesus dann war. Und deswegen haben viele es dann gar nicht probiert mit ihm. Sie waren so fixiert auf eine andere Art von Hilfe, dass sie gar nicht verstanden haben, was Jesus wirklich bringt.

Die Geschichte, die wir vorhin als Lesung gehï¿œrt haben, die illustriert das gut: Jesus kommt nach Jerusalem, und er inszeniert das so, dass jeder an den Einzug eines Kï¿œnigs in seine Hauptstadt denken muss. Und die Menschen, die sich um ihn herum zusammenballen, die haben sicher damit gerechnet, dass Jesus jetzt die Macht in Jerusalem ï¿œbernehmen wï¿œrde.

Aber Jesus hat fï¿œr diesen Einzug in Jerusalem bewusst nicht ein Pferd genommen, wie es ein Kï¿œnig benutzen wï¿œrde, sondern einen Esel, das Reit- und Lasttier der kleinen Leute. Und mit diesem Bild sagt er: ja, ich bin ein Kï¿œnig, ich komme eurer tiefen Sehnsucht nach einer gerechten Regierung entgegen. Aber ich mache es ganz anders, als ihr es euch vorstellt. Ich benutze nicht die Methoden, mit denen sonst in der Welt Kï¿œnige ihre Herrschaft aufrichten. Ich bin ein Kï¿œnig anderer Art, ich bin es auf eine andere Art und Weise, als ihr es kennt und erwartet. Die Probleme, die die Welt zerstï¿œren, kann man nicht mit den Methoden dieser Welt lï¿œsen. Ich gebe euch keine neue Regierung, aber ich mache euch unabhï¿œngig von jeder Regierung, wenn ihr auf meine Art lebt.

Und so macht Jesus es mit all unseren Wï¿œnschen: er reagiert darauf, er kommt ihnen entgegen, aber er erfï¿œllt sie nicht so, wie wir uns das vorstellen, sondern er bringt etwas Neues in unser Leben. Er sieht unseren berechtigten Wunsch, dass sich in der Welt etwas ï¿œndert, aber er fï¿œngt damit an, uns zu verï¿œndern. Er sieht unseren berechtigten Wunsch nach einer Welt voll Schï¿œnheit und Harmonie und er fï¿œngt damit, in uns und unter uns so eine Welt zu schaffen. Er sieht unseren berechtigten Wunsch nach gelingenden Beziehungen, und er fï¿œngt an, uns beziehungsfï¿œhig zu machen. Er heilt alle Kranken, die man zu ihm bringt, aber er ist enttï¿œuscht, weil fast alle schon zufrieden sind, wenn sie wieder laufen oder sehen oder hï¿œren kï¿œnnen.

Und auch das kann man im Weihnachtsfest wiederfinden: unsere Wï¿œnsche und Erwartungen greifen fast immer zu kurz, so berechtigt sie in der Regel sind. Viel zu oft wollen wir einfach nur ein bisschen Entlastung, ein bisschen weniger Stress, ein bisschen besser soll das Leben funktionieren ? aber Jesus ist gekommen, um ein neues Leben zu bringen, das nach anderen Regeln lï¿œuft, das sich aus anderen Kraftquellen speist, wo wir nicht gerade so ï¿œber die Runden kommen, sondern aus dem Reichtum Gottes leben. Das ist viel mehr, als wir erwarten, es krempelt aber auch viel mehr um, als wir zulassen mï¿œchten. Er reagiert auf unsere tiefsten Wï¿œnsche - aber so radikal hatten wir uns das doch nicht vorgestellt. Vor allem hatten wir nicht erwartet, dass so viel an uns selbst hï¿œngt. Die Menschen damals in Jerusalem wollten einen Kï¿œnig, der fï¿œr sie die Welt in Ordnung bringt. Jesus zeigte ihnen die Kraft, um selbst in ihre Welt Segen und Frieden zu bringen. Gottes Mï¿œglichkeiten in der Hand von schwachen und fehlerhaften Menschen. Genau das bedeutet dieses Bild von der Krippe in Bethlehem: Gottes neue Welt beginnt mitten im Normalen, Alltï¿œglichen, damit normale Menschen alltï¿œglich darin beheimatet sind. Da kommt nicht nur etwas grundlegend Neues in die Welt, wir sollen auch alle daran Anteil haben. Wollten wir das wirklich, dass unsere Wï¿œnsche auf diese Weise erfï¿œllt werden, oder wollten wir lieber einen reichen Onkel, der uns genau das schenkt, was wir uns gewï¿œnscht haben, und wir mï¿œssen es nur noch auspacken.

Gott ist aber nicht der reiche Onkel, der diese Art von Geschenken macht, sondern er ist eher wie einer, der uns zuflï¿œstert: hast du Lust auf Abenteuer? Dann schleich dich heute Nacht nach der Bescherung aus dem Haus, wenn du Mut hast, ich warte auf dich, du wirst es nicht bereuen!

So, glaube ich, sind die richtigen Weihnachtsgeschenke: da lï¿œdt uns einer ein auf neue Wege und bietet uns an, dass wir die zusammen gehen. Er weckt etwas in uns, was so noch keiner gesehen hat. Er hat uns besser verstanden als die anderen, und vielleicht sogar besser, als wir selbst uns verstehen. Und das Geschenk beglï¿œckt uns, aber ein bisschen erschrocken sind wir auch. So mï¿œssten wohl die richtigen Weihnachtsgeschenke sein, und so wï¿œrden wir dann tatsï¿œchlich einander etwas weitergeben von dem Geschenk, das Gott uns allen mit Jesus gemacht hat.