Weg bei Tettenborn

Heute kommen wir an eine wichtige Station auf dem langen Weg, den wir hier miteinander gegangen sind. Beinahe fünf Jahre als Gruppe (die Konfirmandenarbeit geht in Groß Ilsede über eine Spanne von 5 Jahren mit einem Unterrichtsjahr am Anfang und am Ende - Hoyaer Modell), aber mit Einzelnen schon viel länger, wenn man den Kinder-Bibel-Morgen dazurechnet und den Krabbelgottesdienst und die Krabbelgruppe. Und alles, damit ihr Menschen mit einem klaren und starken Herzen werdet. Nicht zufällig ist jetzt im letzten Abschnitt eurer Konfirmandenzeit immer wieder das Stichwort »Herz« aufgetaucht. Gott möchte, dass wir ein festes Herz haben, das in ihm verankert ist, und in dem Gottes Leben pulsiert.

Und was macht Gott, damit wir ein festes Herz bekommen? Er schickt uns auf einen Weg. Er schickt uns in Abenteuer.

Abenteuer auf Strohballen

Große und kleine Herausforderungen. Denn Reife und Selbstverwirklichung kommen nicht ohne Bewegung und Risiko, und Abenteuer sind gut für die Seele. Und wenn unsere Seele gesund ist, dann liebt sie die Herausforderungen und die abenteuerlichen Momente. Man merkt das an Kindern, die mit lautem Jubel auf eine ungewöhnliche Erfahrung losstürzen, so wie ihr damals in Tettenborn auf diese Strohballen, und man merkt dann: die muss man jetzt lassen, das darf man nicht abbrechen! So viele Geschichten gibt es über Menschen, die sich gemeinsam auf einen Weg machen, der sie weit fort von allem Gewohnten bringt, und die anders ankommen, als sie losgegangen sind. Menschen, die auf einem gemeinsamen Weg ihr Herz entdecken, mit seinen Schwächen und seiner Größe, und die die Gelegenheit ergreifen, ein neues Bild von sich selbst zu entdecken. Ich glaube, viele von uns kennen die Geschichten über den Herrn der Ringe und die Gemeinschaft des Ringes - eine Gemeinschaft, die aufbricht, um dem Bösen die Stirn zu bieten und auf dem Weg über sich hinauswächst. Und sie kommen zurück als Menschen, die keine Furcht mehr haben.

Abenteuer auf dem Hochsitz Man könnte noch viele andere Geschichten, Märchen und Filme nennen, die dieses Thema haben. Sie zeigen uns, dass tiefe Gemeinschaft und Liebe da zu finden sind, wo wir uns zu einer gemeinsamen Entdeckungsreise aufmachen, wo wir gemeinsam Gefahren ins Gesicht sehen, wo wir ein kühnes Ziel haben und uns dabei zusammenfinden müssen. Das Urbild davon ist die Art, wie Jesus seine Jünger prägte: gemeinsam begannen sie eine Reise, die sie herausführte aus dem Bereich des Vertrauten und Sicheren und sie für immer veränderte. Unterwegs verloren sie ihre Angst vor Unzulänglichkeit und Mangel, und stattdessen entwickelten sie eine beherzte Zuversicht, die die Welt für immer verändern sollte. Aber keine Sorge, liebe Eltern, unsere Abenteuer hatten eine geringere Reichweite, auch wenn sie trotzdem viel Spaß gemacht haben. Unterwegs bei Tettenborn Aber man sieht an den Gesichtern, wie die Kinder in dieser Zeit langsam ihre Kindheit hinter sich gelassen haben. Und nachher werden wir das auf ganz unterschiedliche Weise auch bei den Einzelnen sehen. Und es gab doch auch richtige Herausforderungen, wenn ich z.B. an das Weihnachtsspiel vor vier Monaten denke: da muss man schon beherzt sein, um laut und deutlich vor über 200 Menschen seine Rolle zu sprechen.

Wir sind eben nicht nur unterwegs und draußen miteinander einen Weg gegangen, auch wenn solche Abenteuer immer mal wieder dazugehört haben, sondern noch viel mehr in den Herzen. Christen sind die Menschen des Weges, und unser Pfad liegt vor uns. Er lädt uns ein in eine neue Zukunft, in der wir gestalten und mitmachen dürfen. Und deswegen hören wir jetzt auf den Konfirmationsspruch von Hendrik:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen (Psalm 37,5)

Das heißt: überlass Gott die Führung deines Lebens. Vertraue ihm, dass er einen guten Weg für dich hat. Es gibt so etwas wie eine hörende Grundeinstellung, wo wir einfach zurücktreten, unsere eigenen Ideen an die Seite legen und Gott fragen: wie soll mein Weg aussehen? Wie hast du dir das gedacht? Welches Wort hast du über meinem Leben gesprochen? Was ist meine Berufung?

Gott hat uns ja nicht in Serie produziert, alle gleich gebaut, sondern wir sind Einzelstücke mit ganz eigenen Stärken und Schwächen und einer ganz eigenen Geschichte. Und irgendwo darin ist unsere Berufung verborgen, und wenn wir danach fragen und auf sie warten, dann werden wir in Übereinstimmung mit unserem wahren Selbst leben. Wir werden dann nicht mehr irgendetwas aus uns machen, was gar nicht zu uns passt, wir werden uns nicht mehr mit anderen vergleichen, die so viele Dinge besser können als wir, sondern wir werden dann immer mehr lernen, wir selbst zu sein, so wie Gott uns gesehen hat, als er uns ins Leben rief.

Und die Überzeugung in diesem Psalm ist: wenn wir so im Hören und achten auf Gottes Führung durchs Leben gehen, dann wird er uns auf einen guten Weg bringen. Ob wir ihn immer richtig verstehen ist dabei gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass das der aufrichtige Wunsch unseres Herzens ist: Gott, ich möchte deinen Weg gehen, ich möchte auf dich achten.

Und wenn wir das tun, dann werden wir im Rückblick sagen können, was im Konfirmationsspruch von Mathias zu hören ist:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! (Psalm 103,2)

Es gibt so viel Gutes in unserem Leben, und es ist so wichtig, dass wir das auch wahrnehmen. Damit nicht einige unerfreuliche Dinge alles andere mit einem Grauschleier überziehen. Es gibt so viele gute Dinge, die wir bald danach schon wieder vergessen haben. Und hier spricht einer zu seinem Herzen und sagt ihm: denk doch an all die guten Dinge, an all die Reichtümer, die Gott in dein Leben hineingelegt hat! Richte auf die immer wieder deine Aufmerksamkeit und freue dich daran und sage Gott danke dafür und juble über all dies Gute, was von Gott zu dir gekommen ist. Jeder Morgen ist ein Moment, um zu spüren, wie Gottes Lebenskraft durch uns hindurchströmt, jeder Tag ist ein Anlass, um sich zu freuen an dem Geschenk unserer Lebenszeit, um dankbar zu sein für das Licht, das wir sehen. Und dankbar zu sein für die Gegenwart Gottes in unserem Leben. Er begleitet uns Tag für Tag und spricht zu unserem Herzen, damit wir unseren Weg finden. Da muss man seine Seele, sein Herz immer wieder dran erinnern, dass sie ihre Aufmerksamkeit darauf richtet und daraus Freude und Kraft schöpft.

Und dann wird geschehen, was im Spruch für Larissa beschrieben ist:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seist (Josua 1,9).

Das sagt Gott zu Josua, als der das Volk Israel in das neue Land führt, das Gott ihnen schenkt. Und er sagt ihm: da liegt ein weites Land vor euch. So wie vor euch Konfirmanden das weite Land des Lebens liegt. Und Gott sagt: nur zu, das ist für euch. Vergiss nicht, dass ich dir ausdrücklich den Auftrag gegeben habe, dass du getrost sein sollst, und dass du dich voll Freude und Erwartung auf diesen Weg machen sollst. Vertrau diesem Auftrag. Vertrau deiner Berufung. Vor dir liegt keine öde Pflichtaufgabe, sondern ein Abenteuer, auf das du voll Erwartung und Neugier und Begeisterung zugehen sollst. Nimm diesen Weg vor dir als ein großes Geschenk, das du nach und nach auspackst, und immer wieder gibt es etwas Neues zu sehen. Nimm es alles in dieser erwartungsvollen Grundhaltung, mit der man ein Geschenk eines Menschen auspackt, den man wirklich gern hat. Unser himmlischer Vater hat uns kein Leben versprochen, in dem es immer nur bequem und leicht zugeht, aber an unerwarteten Geschenken und fröhlichen Augenblicken lässt er es nicht fehlen, und er fordert uns auf, die auch fröhlich einzusammeln.

Und zu dieser Grundhaltung hilft das Bibelwort, das Erik für sich ausgesucht hat:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (Psalm 23,1).

Das stammt vom König David, und der war ja ursprünglich Schafhirte, schon in eurem Alter. Und bei seinen Schafen hat er etwas ganz wichtiges gelernt: Schafe sind wirklich dumm. Sie laufen irgendwo hin, wo das Gras saftig ist, und dann wissen sie nicht weiter und machen »mäh«. Deshalb brauchen sie einen, der auf sie aufpasst. Und als er älter wurde, da hat er verstanden: irgendwie bin ich auch so. Ich brauche das auch, dass Gott immer wieder zu mir hinguckt und schaut, wo ich denn gerade bin und ob ich nicht gerade fröhlich kauend auf einen Abgrund zulaufe. Ich brauche einen, dem ich am Herzen liege und der auf mich acht gibt. Und das bist du, Gott. Ich lasse mich nicht mehr abbringen von der Überzeugung, dass du es durch und durch gut mit mir meinst. Und dann sagen wir: Gott, ich brauche das, dass du auf mich achtest, dass du mich versorgst, dass du dich um mein Wohlergehen kümmerst. Und ich weiß, dass ich dann genug haben werde, dass auch in einem Leben voller Abenteuer und ungewöhnlicher Ereignisse deine Hilfe immer zur richtigen Zeit kommt. Ich bin überzeugt, dass du meinen Weg begleitest und dass ich mich nie mehr allein und unbehütet durchschlagen muss.

Und das gilt, egal wie weit mich dieser Weg führen wird - so lesen wir es in dem Psalmwort für Karen:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten (Psalm 139,9-10).

Wir haben ja hier bei Goldenen Konfirmationen immer wieder ehemalige Konfirmanden, die von weither anreisen, die ihr Lebensweg vielleicht nach Amerika geführt hat, schon damals. Und wir wissen erst recht nicht, was noch alles auf uns wartet. Es kann sein, dass Gott uns auf einen Weg ruft, der uns wir innerlich und äußerlich ganz weit wegführt von unserem Ausgangspunkt. Und wir müssen auch davor nicht zurückschrecken, sondern wir sollen uns dann - getrost und freudig! - auf den Weg machen. Die Arme Gottes sind ausgestreckt bis an die Enden der Erde. Und es gibt keinen Ort, innerlich und äußerlich, an dem er uns nicht nahe wäre und seine rechte Hand ausstreckt um uns zu halten. Er hat uns gemacht, und er kennt uns wirklich, wie niemand sonst uns kennt, noch nicht einmal wir selbst. Und deshalb ist diese Aufmerksamkeit auf Gottes Handeln zugleich der Weg, um wir selbst zu werden, um der Mensch zu sein, an den Gott gedacht hat, als er uns erschuf.

Gott zu kennen ist deshalb die wichtigste Aufgabe für uns, und so sagt es das Wort des Propheten Jeremia, das sich Franziska ausgesucht hat:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr (Jeremia 9,22-23).

Da sagt einer: es ist klug, wenn du dich nicht zu sehr auf die ganzen Sicherheitsfaktoren verlässt, mit denen wir unser Leben normalerweise beschützen wollen. Reichtum ist gut, Stärke ist gut, Weisheit ist besonders gut, aber sie können alle nicht ersetzen, dass wir Gott kennen. Und »kennen« bedeutet in der Bibel nicht: so ein paar oberflächliche Informationen zusammentragen, sondern es ist ein kennen mit Haut und Haar, so wie man einen wirklich guten Freund kennt, mit dem man durch Höhen und Tiefen geht und mit dem man in täglichen Gedankenaustausch steht und dessen Ansichten man immer mit im Kopf hat.

Wenn du also also gerne an etwas denkst, was dir Sicherheit gibt, dann schau nicht deinen Kontostand an, sondern freu dich daran, dass Gott bei dir immer mitredet. Freu dich daran, dass du Gottes Sehnsucht nach Gerechtigkeit teilst, freu dich daran, wenn du auch in dir Gottes Erbarmen mit allen Betrübten entdeckst, freu dich, wenn Gott dein Herz so gerade und aufrichtig macht, wie er selbst ist. Das ist die beste Voraussetzung, um ein gutes Leben zu haben. Diese Welt funktioniert in Wirklichkeit immer noch nach den Regeln Gottes, und wenn wir mit ihm in Übereinstimmung sind, dann sind wir klug. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Und diese ganzen Regeln Gottes sind nicht abstrakte Regeln geblieben, sondern sie sind Person geworden, sie haben einen Namen bekommen: an Jesus können wir ablesen, wie Gott über diese Welt denkt und wie sie funktioniert. Und das hören wir im Konfirmationsspruch von Christina:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

»Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.« (Johannes 14,6)

An Jesus sehen wir, wie ein Mensch leben soll. Jesus hat nicht nur ein paar Minimalstandards erfüllt, sondern er hat ein reiches und volles Leben gelebt. Wir können an ihm ablesen, was wirkliches Leben ist. Und es ist ein Leben, in das er uns einlädt. Wir müssen uns nicht mit weniger zufrieden geben. Sein ganzes Leben, mit der Vollmacht, alles um sich herum zu segnen und zu heilen, das ist für uns. Das ist die Wahrheit für unser Leben: Wir sollen zu solchen Menschen werden, von denen ähnliche Wirkungen wie von Jesus ausgehen. Alles im kleineren Maßstab und mit geringerer Reichweite, aber die Art Leben, die Jesus lebte, die sollen wir auch kennen. Egal, wie das dann bei uns individuell gefärbt sein wird, aber auf unsere einzigartige Weise sollen wir das Leben Jesu widerspiegeln, das ist unsere Berufung. Und das ist das reichste und erfüllteste Leben, das es gibt. Wie weit wir auf diesem Weg kommen, das hängt von vielen Faktoren ab, die wir nicht immer beeinflussen können, aber dass wir uns auf diesen weg gemacht haben, dass wir aufgebrochen sind, dass wir es uns gewünscht haben, dass wir unseren Horizont so weit gespannt haben, darauf kommt es an. Das ist der Weg zum Vater im Himmel. Der ist gut für Zeit und Ewigkeit. Denn, so sagt es Jesus im Konfirmationsspruch von Sören:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

»Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht« (Lukas 21,33)

Was wir hier in dieser Welt erleben ist alles eine Vorübung. Gott wird noch einmal alles neu machen, und wir werden die Welt kaum wiedererkennen, wenn sie erneuert ist. Da wird es keine Leid und keine Enttäuschungen mehr geben, und Gott wird alle Tränen abwischen. Aber es gibt eine Verbindung zwischen der Welt, die wir kennen und Gottes neuer Welt: das sind die Worte Jesu. Und damit sind nicht abstrakte Worte gemeint, die irgendwo in einem dicken Buch stehen, sondern die Worte Jesu sollen ja in Menschen lebendig werden, sie sollen Gestalt annehmen in unserem Leben, sie sollen mit uns durch die Welt gehen. Und dann leben wir jetzt schon in der neuen Welt, sie hat in uns und unter uns angefangen, und wenn sie dann ganz da ist, dann sind wir schon mit ihr vertraut, weil wir Jesus schon hier immer gekannt haben und mit ihm gelebt haben. Und dass es dabei um einen wirklichen Lebensvollzug geht, das sagt uns der Spruch von Sara:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Lasst uns nicht lieben mit Worten und mit dem Munde, sondern mit der Tat und der Wahrheit (1. Johannes 3,18).

Wir haben viel zu lange gedacht, dass es im Glauben um eine Summe von Lehrsätzen geht, die man nachsprechen und bejahen müsste. Und deswegen hat man im Konfirmandenunterricht auch lange Zeit Wert darauf gelegt, dass man bestimmte Sätze lernt und auch halbwegs versteht, und unser Verstand ist auch wirklich ein wichtiger Teil von uns. Aber das alles ist dafür da, dass wir liebevollere und barmherzigere Menschen werden. Das alles soll uns auf einen Weg bringen, auf dem sich immer mehr von Jesus in uns sammelt. Ich sage nicht, dass wir nette Menschen werden sollen - liebevoll wird häufig so missverstanden, als ob es um Nettigkeit geht. Nein, wir sollen mit unserer ganzen Person Anteil haben an der barmherzige Art, wie Jesus Menschen angeschaut hat und wie er auf ihre Verletzungen und Wunden geschaut hat und Mitleid hatte und sie mit göttlicher Barmherzigkeit geheilt hat. Von Gott her fließt immer noch der Strom des Segens in die Welt, aber er soll von Menschen empfangen und konzentriert und anderen weitergegeben werden. Diesen Strom wahrzunehmen und aufzunehmen, das verankert uns tief im Leben und schützt uns in Gefahr. Und deshalb hören wir auf den Spruch von Benjamin:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen (Psalm 28,7).

Der entscheidende Faktor ist, worauf unser Herz hofft. Das ändert alles. Wenn wir dazu durchgebrochen sind, dass wir Gott real in unsere Lebenskalkulation einsetzen und in unsere Lebensziele aufnehmen und darauf vertrauen, dass er seine Rolle schon spielen wird, dann ist uns wirklich geholfen. Dann können wir fröhlich nach vorn schauen. Dann wird diese Zuversicht ein Schutzschirm, der gerade in kritischen Zeiten aufgespannt ist. Von so vielen Schutzschirmen spricht man im Augenblick, aber hier ist ein Schirm, der inzwischen über mehrere Jahrtausende hin immer wieder im Leben von Menschen seine behütende Wirkung entfaltet hat. Wenn wir uns öffnen für die Kräfte der kommenden Welt, dann finden wir dadurch eine Stärke, an der sich auch andere orientieren, wenn die Zeiten hart werden. Und so hören wir noch einmal auf Psalm 23, der auch für Melina der Konfirmationsspruch ist:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (Psalm 23,1).

Unsere echte Sicherheit finden wir nicht in uns, und auch nicht in äußeren Schutzmaßnahmen. Das haben Menschen immer wieder lernen müssen, dass alle äußere Sicherheit schnell schwinden kann, und wir selbst sind so abhängig von unseren Stimmungen, die uns gerade mal wieder im Griff haben. Deswegen lenkt die Bibel unseren Blick immer wieder auf dieses Gegenüber Gottes. Wir sind so geschaffen, dass wir im Kern unserer Person auf ein Du ausgerichtet sind, wir schauen aus nach einem Gegenüber, und irgendwann kommen wir darauf, dass Menschen uns gar nicht die verlässliche Sicherheit und das große, dauerhafte Glück geben können, das wir uns eigentlich wünschen. Menschen sind genauso begrenzt wie wir selbst, und wir brauchen den göttlichen Hirten, dessen freundlichen Blick wir Tag für Tag auf unserem Leben spüren. Gott, der uns geschaffen hat und uns kennt und weiß, was wir brauchen, um unsere Berufung zu finden und zu leben.

Wenn wir mit diesem Gegenüber leben, dann wird geschehen, was der Spruch von Daniel ankündigt, ebenfalls aus Psalm 23, eine Erfahrung des Königs David:

Konfirmationsgottesdienst 19.4.2009

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar (Psalm 23,6).

All die guten Dinge Gottes werden an dem kleben, der in diesem vertrauensvollen Gegenüber zu Gott lebt. Die werden ihn nicht loslassen. Gutes und Barmherzigkeit werden von selbst zu dem kommen, der ausgerichtet bleibt auf Gott, auf den, der von Anfang an zu unserem Herzen spricht und diesen Platz in unserem Herzen dafür geschaffen hat, dass wir mit ihm in lebendiger Verbindung stehen sollen. Wenn diese Verbindung steht, dann werden darüber immer neu Gottes gute Gaben in unser leben fließen; wir brauchen uns gar nicht darum sorgen, sondern sie stehen uns jeden Tag wieder zur Verfügung, wir müssen nicht sparen sondern können aus der Fülle schöpfen.

Wir haben einen gemeinsamen Weg von inzwischen einer ganzen Menge Jahren hinter uns. Aber wenn man den Blick auf ein ganzes Leben richtet, dann ist das erst ein kleines Stück. Was da angefangen hat, soll sich weiter entwickeln, es soll ein Weg werden, auf dem ihr immer sicherer vorangeht. Er soll euch zu Menschen machen, die Anteil haben an Gottes Werk in dieser Welt. Ihr sollt Menschen des Segens sein, das ist der Kern der Berufung, die für jeden auf seine eigene Weise gefärbt ist. Es ist ein Abenteuer, das keinen unverändert lässt, der da hineingeht. Da verändern wir uns und da verändert sich die Welt. Auf vielen Wegen suchen Menschen das Glück. Aber auf dem Weg mit Jesus ist das Original zu finden.