Mehr über diesen Konfirmationsjahrgang gibt es hier ...

Hier finden Sie die Predigt von der Konfirmation am 18. April 2010.

Ich möchte euch jetzt am Anfang das Bild zeigen, das uns in den letzten Monaten immer wieder mal begegnet ist: das Bild von der Dreieinigkeit Gottes, wie es der russische Mönch und Maler Andrej Rubljow vor vielen Hundert Jah­ren als Ikone gemalt hat.

Rubljow-Ikone: Trinität

Ein Bild aus einer harten, grausamen Zeit, in der Russland immer wieder Überfälle, Unterdrückung und Krieg erleben musste. Und mitten in dieser traurigen Zeit hat Andrej Rubljow ein Gegenbild gemalt: ein Bild der Dreieinigkeit Gottes. Ein ganz ruhiges Bild: Gott, der Vater, Jesus, der Sohn Gottes und der Heilige Geist sitzen um einen Tisch herum; sie sind so gemalt, dass man um sie herum einen Kreis zeichnen könnte. Gleichzeitig bilden sie ein symme­trisches, harmonisches Dreieck. Der Kreis sagt: diese Drei bilden eine Einheit Und das Dreieck sagt: trotzdem sind es drei eigene Personen, die sich unterschiedlich sind und sich gegen­seitig respektieren.

Auf dem Bild passiert auf den ersten Blick nicht viel. Die wirkliche Dynamik findet man erst, wenn man auf die Au­gen achtet. Da gibt es einen lebhaften Austausch von Bli­cken: der in der Mitte, das ist Gott der Vater, schaut nach links zum Heiligen Geist. Der wiederum schaut nach rechts hinüber zu Jesus. Und Jesus schaut genau parallel zum Vater in der Mitte. Aber er schaut aus der Gruppe hinaus - er schaut auf den Betrachter, aus dem Bild heraus. Er nimmt den Weg in den Blick, den er gehen wird: auf die Erde, zu den Menschen.

Wir haben hier eine Dreiergruppe, die in großer Harmonie beieinander ist. Sie verständigen sich durch Blickkontakt, durch kleine Gesten der Hände. Sie sind in Übereinstimmung miteinander. Andrej Rubljow hat ein Gegenbild geschaffen, eine Alternative zu einer Welt, in der sich Menschen gegenseitig anschreien und aufeinander einschlagen und zu keiner Einigkeit finden.

Und er will damit sagen: das ist unser wahrer Ursprung, auch wenn wir es beinahe vergessen haben. Was wir auf diesem Bild sehen, das ist die Liebe, durch die alles ins Leben gerufen ist. Wir sind Geschöpfe dieser Liebe, wir sind geschaffen worden, weil Gott uns aufnehmen will in die liebevolle Gemeinschaft, die in ihm ist. Jede wirkliche Liebe will sich erweitern. Deswegen erschafft Gott die Welt: er wollte andere Wesen haben, die er beschenken kann mit der Gemeinschaft, die in ihm ist.

Um diese Gemeinschaft ist es in den fünf Jahren eurer Konfirmandenzeit gegangen. Und als Zeichen für diesen gemeinsamen Weg werden wir jetzt Bilder von euch sehen, jeweils vom Anfang und vom Ende dieser Zeit. Es sind nicht immer Super-Porträts, aber sie sagen etwas darüber, wie ihr euch verändert habt, aber auch, wie ihr euch treu geblieben seid.

Zur Predigt wurden Bilder der Konfirmanden und die Konfirmationssprüche projiziert.

Wir fangen an mit René. Sein Konfirmationsspruch fasst das zusammen, was wir eben auf dem Bild von Andrej Rubljow gesehen haben: "Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm (1. Johannes 4,16)." Wir sollen Anteil bekommen an der Gemeinschaft, die in Gott selbst ist. Wir können Gott von diesem Ziel nicht abbringen, egal was wir tun. Wir können auch nichts tun, damit er uns mehr liebt. Längst, bevor er uns ins Leben rief, hat Gott schon begonnen, uns zu lieben. Daran können wir nichts ändern. Wir können uns nur gegen diese Liebe verschließen, wir können andere Idealbilder im Herzen haben, und dann prägen sie uns und wir verhalten uns ihnen entsprechend. Und wir können uns so öffnen, dass Gottes Liebe immer wieder den Weg in unser Herz finden kann. Deswegen schaut Gott zuerst auf unser Herz: welche Gedanken und Bilder uns dort leiten.

Und so heißt es im Spruch von Maria: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an (1. Samuel 16,7c)." Gott schaut darauf, ob wir uns in unserem Herzen für die Liebe öffnen, die in ihm ist, oder ob wir uns davor verschließen. Ob wir in der Mitte unserer Person offen sind für andere, für Gott und Menschen, oder ob wir in der Mitte unserer Person abgeschlossen sind, nur an uns selbst interessiert und nur mit unserem eigenen Wohlergehen und unserer eigenen Wichtigkeit beschäftigt. Ob wir vor allem in uns selbst verliebt sind, oder ob wir Platz haben für das Gegenüber zu Gott und den Menschen. Menschen lassen sich von der äußeren Erscheinung blenden, Gott schaut auf das, was wirklich wichtig ist: ob unser Herz offen ist für die Liebe, die die ganze Schöpfung bewegt und lebendig hält. Und deswegen sagt der Spruch von Selina: "Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben (Spr. 4,23)." Wir sollen unserem Herzen die Aufmerksamkeit widmen, die es wirklich braucht und verdient. Wir sind viel zu oft mit all den Dingen da draußen so sehr beschäftigt, dass wir ganz vergessen haben, nach innen zu schauen. Wenn ihr euch erinnert an die Übungen, die wir auf der Konfirmandenfreizeit gemacht haben, da haben wir unserem Herzen die Aufmerksamkeit gegeben, die es braucht und verdient. Wenn wir unser Herz übersehen, dann übersehen wir die Lebensquelle, die tief in uns fließt, die Quelle, die von Gott kommt, und die uns Freude und Leben und Glück schenkt. Wenn ein Mensch davon gar nichts mehr weiß, dann kann er noch lange funktionieren, aber er kann sich nicht mehr freuen, er kann keine tiefen Beziehungen aufnehmen, es bleibt nur noch eine Oberfläche über, ein Zombie, und irgendwann ist er dann so ausgebrannt, dass er auch nicht mehr funktioniert. Aber wenn wir von dieser Quelle wissen und sie offen halten, dann haben wir auch in schweren Zeiten in uns Leben und Freude und können stark sein auch unter Druck und Mühe.

Ja, wir können dieses Leben dann auch weitergeben - das sagt der Konfirmationsspruch von Fabian: "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein (1. Mose 12,2)." Segen ist ein Strom, der fließen soll. Wenn Gott uns mit Segen beschenkt, dann soll der durch uns weiter fließen. Erinnert ihr euch an die Geschichte von Henri Nouwen, die wir beim letzten Konfirmandenvormittag gelesen haben, von der Gemeinschaft, in der Behinderte und nicht Behinderte zusammen lebten, und wie die ganze Gemeinschaft in Bewegung kam, als da auf einmal ein Durchbruch geschah und bei Johnny der Segen so deutlich ankam und er sich freute und dann alle anderen ebenso gesegnet werden wollten? So ist das gemeint mit dem Segen, dass er erst uns erreichen soll und dann auch andere. Der soll weitergehen, und wir sollen es wissen und wollen.

Dann wird die Zuwendung Gottes ein Licht und eine Orientierung, wie es der Spruch von Valentin sagt: "Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten (Psalm 43,3)." Es geht dabei gar nicht so sehr um Vorschriften und Richtlinien, sondern das Wichtigste ist, dass wir wissen: es gibt ein anderes Leben, ein größeres und helleres Leben, als wir es meistens leben und kennen. Den größten Teil unseres Lebens haben wir immer nur das tägliche Einerlei auf dem Schirm: Hausaufgaben und die nächste Klassenarbeit, bei den Erwachsenen die Arbeit und die Rechnungen, die bezahlt werden wollen, dann ein bisschen Entspannung beim Fernsehen oder beim Sport oder wo wir das sonst finden. Und wir haben vergessen, dass wir zu viel größeren Dingen berufen sind: Gott will uns an seinem Leben voll Reichtum und Glanz Anteil geben. Mitten in diesem Leben schon, mitten in dem ganzen Klein-Klein, hat jeder von uns einen Zugang zum großen Leben Gottes, und wenn wir das wissen, dann leitet es uns, dass wir uns nicht mit Kleinerem zufrieden geben. Wir sind dann viel weniger anfällig für Gemeinheiten und Bosheit, wenn wir wissen, dass es viel Besseres gibt.

Und dieses Bessere können wir zusammenfassen in den drei Worten "Glaube, Liebe und Hoffnung". Gleich vier von euch haben sich den Spruch ausgesucht, der davon redet. Fangen wir an bei Dietrich. "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen (1. Kor. 13,13)." Dieser Spruch redet von lauter Dingen, die man nicht sehen oder anfassen kann, sozusagen von unsichtbaren Dingen. Aber das Verrückte ist: im Grunde wissen wir alle, dass es auf die unsichtbaren Dinge ankommt. Die sind sehr real. Glaube, Hoffnung und Liebe entscheiden darüber, ob wir glücklich sind, ob wir lebendig sind. Nicht die sichtbaren Dinge sind entscheidend, sondern wovon wir im Herzen bewegt werden.

Schauen wir also weiter zu Lena und denken über Glauben nach! Glauben heißt, dass wir tief in uns verwurzelt sind in einem Zutrauen in Gott und seine Welt. Und das ist dann nicht mehr davon abhängig, ob uns gute oder schwere Dinge zustoßen. Wir wissen, dass in dieser Welt vieles schmerzhaft, zerbrochen und dunkel ist, das ist keine wirkliche Überraschung. Wichtig ist aber, zu wissen, dass es in der Welt trotz allem einen Segensstrom gibt, von dem wir bis heute leben. Wichtig ist, diesem Segensstrom zu vertrauen, mit ihm zu rechnen und ihn nicht zu verschmutzen oder zu verengen, auch wenn man manchmal denkt, dass wir für uns persönlich dann mehr rausschlagen könnten.

Und wenn wir nun zu Saskia kommen, dann denken wir an die Hoffnung: sie ist die feste Überzeugung, dass die Kraft von Gottes Leben sich am Ende durchsetzen wird. Als Gott Jesus vom Tod auferweckte, da hat er schon einmal gezeigt, dass er auch eine völlig zerstörte Geschichte wieder neu machen kann und wird. Wir stehen nicht auf verlorenem Posten, wenn wir uns am Leben orientieren und unser Herz offen halten. Jesus hat es so gemacht, und Gott hat das bestätigt. Es hat sich gezeigt, dass Jesus den richtigen Weg gegangen ist - er ist nicht enttäuscht worden.

Und wenn wir jetzt zu Andreas schauen, dann bedenken wir, dass die Liebe die größte unter den Dreien ist. Sie war von Anfang an in Gott, es ist geradezu die Beschreibung Gottes, dass er in sich Liebe ist. Aber wir erleben die Welt so anders, dauernd sieht es für uns so aus, als ob das ein frommes Märchen für Sonntage und Konfirmationen ist, wir müssen mit der Kraft des Glaubens und der Hoffnung dagegen halten, dass Liebe die wirkliche Dynamik ist, die die Welt bewegt und am Leben erhält. Wenn wir an der Liebe festhalten wollen, dann müssen wir dauernd über das hinausdenken, was wir unmittelbar erleben. So wie wir 2005 in den zehnjährigen Vorkonfirmanden schon ein bisschen von euch gesehen haben, wie ihr heute hier sitzt, und heute sehen wir in euch schon etwas von den Erwachsenen, die ihr einmal werden sollt, und in jedem Menschen können wir schon etwas sehen von dem Menschen, den Gott im Sinn hatte, als er uns schuf. Wir müssen immer in den Dingen etwas sehen, was noch nicht da ist, und dafür brauchen wir Glauben und Hoffnung, aber die Liebe ist das Größte, weil sie am Ende ganz offen alles durchströmen wird.

Es gibt eine alte Regel, die sagt: die Innenseite der Dinge ist größer als ihre Außenseite. Das was man nicht sieht ist größer als das, was man sehen kann. So ist das bei allen Dingen, die mit Gott zu tun haben.

Und das merkt man besonders am Konfirmationsspruch von Fiona: "Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen (Psalm 91,11). Man versteht die Welt nicht richtig, wenn man ihre verborgene Seite ignoriert. Den Hintergrund der Welt, wo die Engel über uns wachen, wo auch böse Mächte versuchen, Einfluss auf uns zu bekommen. Wer nur mit dem rechnet, was man messen und berechnen und manipulieren kann, der übersieht das Wichtigste. Da gibt es etwas, was wir nie in den Griff bekommen, was wir nicht kontrollieren können, aber wir können uns dem verborgenen Beistand Gottes anvertrauen. Die Engel bringen seine Fürsorge ganz nahe zu uns. Durch sie gibt es diese vielen Geschichten von Menschen, die gerade noch rechtzeitig vor etwas Schlimmem bewahrt worden sind. Und wenn wir dafür Augen bekommen, dann werden wir selbst solche Geschichten erzählen können.

In dem allen möchte Gott, dass wir ihn entdecken als unseren Freund, der immer zu uns steht. Lea hat sich einen Spruch ausgesucht, in dem das ganz konzentriert ausgesprochen wird: "Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte (Jeremia 31,3)." Gott zieht uns zu sich, unser ganzes Leben lang übt er auf uns eine Anziehungskraft aus. Wir versuchen das oft zu ignorieren, wir finden andere Erklärungen dafür, aber tatsächlich ist es die Liebe Gottes, die geduldig immer wieder unser Herz anspricht, damit wir uns an unseren Ursprung und unsere wahre Heimat erinnern. Als er uns rief, haben wir uns ins Leben rufen lassen; und Gott begleitet uns und sieht, was dieses Leben mit unserem Herzen macht: welche Entscheidungen wir fällen und welche Spuren Freude und Schmerz dort hinterlassen. Und immer wieder nutzt er alle Gelegenheiten, um uns daran zu erinnern, dass wir zur Gemeinschaft mit ihm geschaffen sind.

Dass dies unverbrüchlich feststeht, davon redet der nächste Konfirmationsspruch, der von Vanessa: "Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen (Jesaja 54,10)." Hügel und Berge sind so ziemlich das Stabilste, was wir uns vorstellen können. Und Gott sagt: eher kippen die Berge um, als dass ich meine Gnade von dir zurückziehe. Niemand kann etwas daran ändern, dass ich dich gewollt habe und an dir hänge und dich in meinem Herzen trage. Du kannst dich davor verschließen und dich um das Glück bringen, meine Liebe zu spüren, aber wegnehmen und zerstören kann meine Liebe niemand.

Und auch Yvonne hat sich diesen Spruch ausgesucht. Wir alle sind Wesen, deren Liebe begrenzt ist. Wenn wir enttäuscht oder zurückgestoßen werden, dann ziehen wir uns irgendwann zurück und verschließen unser Herz. Bei Gott ist das anders. Seine Liebe wird so oft wie keine andere zurückgestoßen, aber sie ist so klar, dass sie trotzdem nicht aufhört. Gottes Liebe war nie von unserer Würdigkeit oder unserer Antwort abhängig. Gott ist Liebe, und er bleibt sich selbst treu, indem er liebt.

Habt ihr, haben Sie gemerkt, was sich in diesen Sprüchen immer wieder durchgezogen hat? Einmal die Liebe, die Grundeigenschaft Gottes. Und andererseits das Verborgene, das was sich nicht auf den ersten Blick aufdrängt. Und das gehört zusammen. Liebe ist in unserer Welt eine verborgene Wirklichkeit. Und trotzdem ist sie realer als vieles andere. Gerade die Dinge, die man nicht auf den ersten Blick sieht oder messen und anfassen kann, alles was im Hintergrund der Welt liegt, das ist das, was bleibt und Wirkung entfaltet. Gerade so etwas Unwägbares, Unkontrollierbares wie Liebe entscheidet darüber, ob wir glückliche Menschen werden. Die Wirklichkeit Gottes in der Welt und in der Mitte unseres Herzens wahrzunehmen, das ist realistisch. Wir konfirmieren euch, damit ihr die echte Wirklichkeit kennt.

Zuletzt aktualisierte Seiten:

29.01.2012:
Mikro-Revolutionen für jeden
Predigt zu Johannes 12,34-36 am 29. Januar 2012

23.01.2012:
Über den Jordan: Ein Fluss als Symbol des Neuanfangs
Predigt zu 2. Könige 5 im Besonderen Gottesdienst am 22. Januar 2012

23.01.2012:
Naaman und Elisa
Theaterszene zum Besonderen Gottesdienst am 22. Januar 2012

15.01.2012:
Der Heilige Geist - die endgültige Alternative (Römerbrief 21)
Predigt zu Römer 8,1-4 am 15. Januar 2012

nach oben