Aus der Geschichte der Kirchengemeinde

Am 6. Dezember 2008 feierte die Gemeinde das 500. Kirchenjubiläum der St. Nikolai – Kirche. Zu diesem Anlass erschien eine Festschrift zur Geschichte der Kirche und der Kirchengemeinde. Wer sich ausführlicher mit der Geschichte der Gemeinde beschäftigen möchte, dem sei die Lektüre der Festschrift empfohlen; sie ist im Pfarramt kostenlos erhältlich. Diese Seite ist eine Kurzfassung der Festschrift.

Auch in der zum 950jährigen Bestehen Groß Ilsedes im Jahre 2003 herausgegebenen Ortschronik findet sich eine (weniger ausführliche) Geschichte der Kirchengemeinde.

Inhaltsverzeichnis:

Der Bau der St. Nikolai-Kirche (1508)

Die erste Erweiterung der Kirche (1621)

Revolution und Demokratisierung (1848/49)

Die Ilseder Hütte … und wieder ein eigener Pastor (1858-1910)

Die moderne Zeit meldet sich auch in der Gemeinde (1911-1914)

Die Gemeinde im ersten Weltkrieg (1914-1920)

Von einem Krieg zum nächsten (1920-1941)

Die Gemeinde im Nationalsozialismus (1933-1945)

Gemeindearbeit im Krieg (1940-1945)

Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg – Pastor Hennies (1947-1954)

Die Zeit von Pastor Dr. Eckert – Loslösung von der Hütte (1955-1963)

Pastor Range – Umbrüche und Neuanfänge (1963-1974)

Unruhige Zeiten (1974-1983)

Weitere Seiten zur Geschichte der Gemeinde:

Die Gemeindepastoren in der Neuzeit (seit 1899)

Alte Bilder der Gemeinde


Der Bau der St. Nikolai-Kirche (1508)

Als die St. Nikolai – Kirche am 6. Dezember 1508, dem Nikolaustag, geweiht wurde, unterstand der Ort den Rittern von Gadenstedt. Sie waren vom Kloster Fulda mit dem Ort belehnt worden, nachdem das Geschlecht der Ritter von Ilisede 1398 ausgestorben war. Die vorhandene Kapelle scheint damals verfallen zu sein. Ab 1400 gingen die Groß Ilseder nach Schmedenstedt zur Kirche.

Erst 1508 bekam Groß Ilsede wieder eine eigene Kirche. Sie war klein, aus Bruchsteinen erbaut und hatte meterdicke Mauern. Bis heute kann man diese Mauern im Mittelteil unserer Kirche erkennen. Die damals gegossene Bronzeglocke begleitete den Ort in Freud und Leid über 400 Jahre, bis sie im ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen wurde.

Bald nach dem Bau der Kirche begann die Reformation. Auch Groß Ilsede wurde evangelisch; 1561 wurde die evangelische Kirchenordnung für das Amt Peine erlassen. 60 Jahre später wurde unsere Kirche erweitert: der heutige Chorraum wurde in Fachwerkbauweise erstellt.

Dieser Kirchenbau wird unter anderem belegt durch eine Aufzeichnung über die Lieferung von Bier für die Bauleute: am 7. Mai, am 1. Juni und am 15. Juni wurden je zwei Fässer geholt.

An diese Erweiterung des Kirchenraumes erinnert noch heute eine Holztafel an der nordöstlichen Ecke der Kirche. Neben einem Vers aus Psalm 84 ist dort – in nicht leicht zu entziffernden Lettern – die Jahreszahl 1621 zu lesen. Damals bekam die Kirche auch eine zweite Bronzeglocke.

Die erste Erweiterung der Kirche (1621)

Die St. Nikolai-Kirche in Groß Ilsede wurde schließlich – über 100 Jahre nach ihrem Bau – nach Osten hin erweitert. 1621 wurde der heutige Chorraum in Fachwerkbauweise erstellt. Dieser Kirchenbau wird unter anderem belegt durch eine Aufzeichnung über sechs Fässer Bier für die Beteiligten. Davon wurden jeweils zwei Fässer am 7. Mai, am 1. Juni und am 15. Juni geholt. Damals bekam die Kirche auch eine zweite Bronzeglocke. Noch heute erinnert eine Holztafel an der nordöstlichen Ecke der Kirche an diesen Umbau. Hier findet sich auch – in altertümlichen Ziffern – die Jahreszahl 1621.

Wahrscheinlich reichte der Besitz der Pfarre nicht für die Anstellung eines eigenen Geistlichen. So wurde Groß Ilsede bis 1899 von Gadenstedt aus versehen. Wann dies begonnen hat, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Im Jahre 1625 jedenfalls muss die Verbindung bereits bestanden haben, denn in diesem Jahr hielt der Pastor Johann Prass (Prassius) von Gadenstedt und Groß Ilsede die Leichenrede auf den verstorbenen Albrecht d. J. von Gadenstedt.

Das war bereits in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der auch für Groß Ilsede viel Elend und Not bedeutete. Damals ging anscheinend eine Glocke verloren. Und um sich von Plünderungen durch Soldaten, die in Steinbrück ihren Standort hatten, freizukaufen, musste unser Ort hohe Geldzahlungen leisten. Dazu wurden Schulden aufgenommen, die die Gemeinde auch noch lange nach dem Krieg belasteten.

Revolution und Demokratisierung (1848/49)

Seit dem Mittelalter war das kirchliche Leben in der Form der »Parochie« organisiert. Alle in einem Ort lebenden Christen gehörten der Parochie an. Die zentralen Aufgaben (Gottesdienste, Amtshandlungen, Jugendunterweisung) waren dem Pfarrer (Parochus) zugewiesen. Durch ihn geschah die geistliche Versorgung der Bevölkerung. Bei der Verwaltung des kirchlichen Vermögens wirkten weitere Personen mit, in Groß Ilsede zwei Altaristen. Die Aufsicht über die Parochie führten die Kirchenkommissarien (Superintendent und Amtmann). Nur im Rahmen dieser Parochie war Religionsausübung (oder zumindest nicht-private Religionsausübung) möglich.

Im Verlauf des Revolutionsjahres 1848 wurde ein »Gesetz über Kirchen- und Schulvorstände« erlassen. Das Gesetz bestimmte in seinem § 1, dass jede evangelische Kirchengemeinde einen Kirchenvorstand haben sollte. Er bestand aus dem Pfarrer und mindestens vier von der Gemeinde auf sechs Jahre gewählten Kirchenvorstehern.

Mit diesem Gesetz wurde die »Kirchengemeinde« als öffentlich-rechtliche Körperschaft konstituiert. Waren die Angehörigen der Parochie rechtlich gesehen bisher eine von der kirchlichen Obrigkeit geleitete Menge, so wurden sie nun zu Mitgliedern einer Kirchengemeinde, die ihr Vertretungsorgan wählten. Die Aufsicht durch die Kirchenkommissarien und das Konsistorium blieb jedoch bestehen.

In Groß Ilsede fand die erste Sitzung des Kirchenvorstandes am 18. Mai 1849 statt.

Die Ilseder Hütte … und wieder ein eigener Pastor (1858-1910)

Die Gründung der Ilseder Hütte im 19. Jahrhundert führte zu einem enormen Wachstum des Ortes Groß Ilsede. Das legte eine Lösung der pfarramtlichen Verbindung mit Gadenstedt nahe. Am 1. März 1899 wurde deshalb der Beschluss über die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Groß Ilsede gefasst.

Interessant ist, dass die Ilseder Hütte dabei eine wichtige Rolle spielte. Sie war nicht nur in der entscheidenden Sitzung mit ihrer Direktionsspitze vertreten, sie übernahm auch einen erheblichen Teil der Pfarrbesoldung und verpflichtete sich, das bisherige Schulhaus auf ihre Kosten zum Pfarrhaus umbauen zu lassen.

So bekam Groß Ilsede nun nach langer Zeit wieder einen eigenen Pastor. Im Mai 1899 übernahm der Hilfsprediger Gustav Reinhold Otto Christoph Stalmann die Versehung des Pfarramts. Nach seiner Probezeit war er ab Januar 1900 der erste eigene Pfarrer von Groß Ilsede in der Neuzeit.

Die Kirchengemeinde finanzierte ihre Ausgaben, soweit sie weder durch Zins- und Pachteinnahmen noch durch Zuschüsse der Hütte oder des Konsistoriums gedeckt waren, durch eine jährliche Umlage auf die staatlichen Steuern (Einkommen-, Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Betriebssteuer). Das staatliche Groß Ilseder Steuersoll betrug beispielsweise im Jahre 1907 insgesamt 8973 Mark; darauf wurde von der Kirchengemeinde eine Umlage von 20 % erhoben, für die ein pauschaler Gesamtbetrag von 1800 Mark angesetzt wurde. Im Jahre 1908 wurde bei einem staatlichen Steuersoll von 11.801,14 Mark eine Umlage von 15 % erhoben, was 1770 Mark einbrachte.

Pastor Stalmann blieb bis Ende 1910 in Groß Ilsede. Er hatte sich in dieser Zeit sehr in Schulfragen engagiert und ging im Januar 1911 als Kreis-Schulinspektor nach Harburg.

Die moderne Zeit meldet sich auch in der Gemeinde (1911-1914)

Am 21.04.1911 kam der Hilfsgeistliche Carl Johann Philipp Hartwig nach Groß Ilsede. Er wurde am 23.08.1911 zum Pastor gewählt und am 17. September eingeführt. In seiner Amtszeit erlebte die Kirchengemeinde Modernisierungen verschiedenster Art.

Da der Glockenläuter immer wieder eine Hilfskraft zum Läuten verlangte, wurde am 3. Februar 1913 die Anschaffung einer elektrischen Läuteanlage und eines elektrischen Orgelgebläses beschlossen. Der Gesamtpreis betrug 2278,45 Mark. Dazu wurde bei der Kreissparkasse ein Kredit von 2000 Mark mit einer Laufzeit von 10 Jahren aufgenommen.

Da der Läuter bisher 200 Mark erhalten hatte und in Zukunft mehr hätte erhalten müssen, war die Belastung durch Zins und Tilgung nicht wesentlich höher. Hinzu kam allerdings die Besoldung einer Kraft, die nunmehr das Ein- und Ausschalten der Läuteanlage zu besorgen hatte. Für jährlich 100 Mark übernahm das die Witwe Schwalenberg, geb. Marquardt. Der Vertrag wurde am 25. April geschlossen. Dabei wurden auch sämtliche Anlässe, bei denen geläutet werden musste, schriftlich festgehalten.

Dennoch beschäftigte das Geläut auch später den Kirchenvorstand. Das zeigt eine kurze Notiz vom 7. Oktober 1913 zum Tagesordnungspunkt »Kirchenzuchtverfahren«. Die Formulierung lässt ahnen, dass der protokollierende Pastor mit dem Beschluss nicht unbedingt einverstanden war: »Der Kirchenvorstand beharrt auf seinem Standpunkt, den deflorierten Paaren auch fernerhin das Geläut zu bewilligen.«

Die Gemeinde im ersten Weltkrieg (1914-1920)

Die nachhaltigste Modernisierung in der Zeit von Pastor Hartwig war die Gründung der Evangelischen Frauenhilfe im Jahre 1914. Glaubt man dem späteren Pastor Böhmer, so war die Groß Ilseder Gründung die erste im Kreis Peine. Dass der Verein nicht unumstritten war, ergibt sich aus dem Rückblick der Pastorenfrau Irmgard Hartwig am 1. Jahrestag der Gründung: »Ihr wisst alle, wie heiß es herging bei der Gründung, wie lebhaft das Für und Wider im ganzen Orte besprochen wurde. Da waren unendlich viele, die ihm [dem Verein] jede Existenzberechtigung am hiesigen Orte absprachen.«

Der »kirchliche Frauenverein ‚Frauenhilfe‘ Groß Ilsede« wurde trotzdem mit ca. 70 Mitgliedern auf einer Frauenversammlung am 25. März 1914 im Freiseschen Saale gegründet.

Der bald darauf folgende erste Weltkrieg machte sich in der Kirchengemeinde besonders auf dreierlei Art bemerkbar: in patriotischen Gottesdiensten, bei der Fürsorge für Soldaten und Kriegerwitwen sowie durch die Zeichnung von Kriegsanleihen.

Da die Glocken im Jahre 1917 zu Kriegszwecken abgeliefert werden mussten, ließ der Kirchenvorstand gleich nach dem Krieg neue gießen – allerdings nicht in Bronze, sondern aus Stahl, zum Preis von 11.490 Mark, wozu noch die Kosten der Montage kamen. Die Glocken konnten am 4. Dezember 1919 in Bochum abgenommen werden.

Im Juni 1920 zeichnete sich ab, dass Pastor Hartwig Groß Ilsede im Juli verlassen würde, um die Pfarrstelle in Edemissen zu übernehmen. Im Rückblick waren viele seiner engagierten Ansätze durch den Krieg steckengeblieben. Erhebliche Finanzmittel gingen zudem als Kriegsanleihen einem ungewissen Schicksal entgegen.

Von einem Krieg zum nächsten (1920-1941)

Pastor Rudolf Karl Wilhelm Böhmer amtierte in Groß Ilsede vom 30. Januar 1921 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. November 1938. Nach seiner Pensionierung verzog er nach Hannover, fand aber seine letzte Ruhestätte auf dem Groß Ilseder Friedhof, wo sein Grab bis vor einigen Jahren noch zu finden war.

Pastor Böhmers Nachfolger wurde im November 1938 Pastor Herbert Otto Hugo Bader. Dem Ehepaar Bader wurden in Groß Ilsede zwei Söhne geboren. Da Pastor Bader nach nur 17 Monaten Gemeindearbeit am 15. April 1940 zur Wehrmacht eingezogen wurde und am 8. Februar 1942 in Russland fiel, war Groß Ilsede nun für längere Zeit ohne Pastor. Die Vertretung übernahmen die Pastoren Büchsel (Gadenstedt) und Schneider (Oberg). Der Gottesdienst wurde zunächst auf 14.30 Uhr verlegt, was sich als ungünstig erwies. Schließlich begann er um 11 Uhr.

Im Visitationsbogen vom 10. Oktober 1941 heißt es: »Es sind durchschnittlich 35 – 40 Menschen in der Kirche, darunter sehr wenig Männer. Auch Konfirmanden fehlen im Allgemeinen. … Pastor Schneider hält 14täglich eine Bibelstunde ab, zu der ein Kreis von 20 Menschen treulich kommt. Das ist die Kerngemeinde, die auch bei der Bibelwoche in Erscheinung trat.«

1945 schreibt Pastor Schneider rückblickend über den Gottesdienstbesuch: »1933 war ein kleiner Auftrieb, der aber schon 1934 wieder nachliess, als die ersten Spannungen kamen. Dann wurde der Besuch schlecht, besonders war die Wirkung auf die Jugend zu spüren. In den Kriegsjahren nahm der Besuch wieder gut zu. Dies ist in der Hauptsache zurückzuführen auf ein inneres Neuwerden einiger Kreise, die durch Zuzug von außen angeregt wurden.«

Die Gemeinde im Nationalsozialismus (1933-1945)

Über die Zeit des Nationalsozialismus in der Kirchengemeinde Groß Ilsede schrieb der Kriegsvertreter, Pastor Schneider aus Oberg, nach dem Krieg einen Bericht. Zum Verhältnis zwischen Kirche und Partei führte er aus: »1933/34 gute Beziehungen, dann kamen Spannungen zwischen Pastor und Ortsgruppenleiter. Später, besonders im Krieg, scharfe Ablehnung der Kirche durch die Partei, Angriffe in Vorträgen. Starker Druck auf die Amtswalter zum Kirchenaustritt, zT. mit Erfolg. Das Pfarramt selbst wurde nicht angegriffen.«

Die Kirchenaustritte erreichten besonders in den ersten, siegreichen Kriegsjahren bisher ungeahnte Zahlen. Insgesamt haben etwa 70 Menschen in diesen Jahren die Kirche verlassen.

Trotzdem gab es in Groß Ilsede keine größeren Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Partei. Man kann von einer Art Waffenstillstand ausgehen, der nur gefährdet war, wenn Parteigenossen antichristliche Initiativen entwickelten.

Dies war vor allem im Bereich der Erziehung der Fall. Pastor Schneider schrieb: »Die Ilseder Kinder gehören dem Schulverband Gross-Ilsede-Ölsburg an. Der dortige Rektor Röver war aus der Kirche ausgetreten und bearbeitete die Kinder in spöttischer Weise gegen Kirche, Bibel, Konfirmandenunterricht usw. Er hielt in der Umgegend die Weihereden bei Ehe- und Lebensweihen. Die anderen Lehrer standen weithin unter seinem Einfluss oder traten nicht in Erscheinung. Ein bewusst evangelischer Lehrer Freienberg in Ölsburg hielt das Gleichgewicht und erteilte sehr guten Religionsunterricht. Er starb 1945.«

Gemeindearbeit im Krieg (1940-1945)

Die Gemeindearbeit im Krieg war mühsam. Das war einerseits bedingt durch das Fehlen der zur Wehrmacht eingezogenen Pastoren, andererseits durch die allgemeinen Umstände. Die Kriegsverhältnisse wurden jedoch auch ausgenutzt, um der Kirche das Leben schwer zu machen.

So musste – angeblich aus Luftschutzgründen – das Glockengeläut stark eingeschränkt werden. Nach nächtlichem Fliegeralarm durften kirchliche Veranstaltungen erst ab 10 Uhr stattfinden; die Bevölkerung sollte »nicht durch kirchliche Veranstaltungen in der Möglichkeit zum Ausruhen für Gesundheit und Arbeitseinsatz gestört werden«. Auch Glockengeläut war dann untersagt. In Groß Ilsede wurde trotzdem auch nach Nachtalarm zum Gottesdienst und Kindergottesdienst geläutet.

Schwerer als solche Nadelstiche beeinträchtigten jedoch die Vertretungsaufgaben die Arbeit der Pastoren und Gemeinden. Pastor Schneider beschreibt beispielsweise in seinem Tagebuch den 4. Oktober 1942, einen Sonntag: »Es war wieder reichlich Dienst. ½ 10 Uhr Gottesdienst Oberg, 11 Uhr Klein Ilsede, 1 Uhr Taufe in Oberg, ½ 2 Uhr Trauerfeier für Alfred Eubling, ½ 3 Uhr Gottesdienst in Großilsede mit Taufe, 4 Uhr Trauung in Oberg. Dann spielte ich noch mit den Kindern im Garten.«

Immer wieder wird auch erwähnt, dass das Gemeindeleben sehr von einigen zugezogenen Familien profitierte, die durch berufliche Veränderungen nach Groß Ilsede kamen. Mit ihnen wurden Bibelstunden und Bibelsonntage begonnen. Auch nach Oberg bestanden Verbindungen zu ähnlichen Kreisen. »Und dann« schreibt Pastor Schneider »haben der Ernst und die Spannung des Krieges einen geeigneten Boden geschaffen, dass bei manchen Familien das Wort Gottes Fuss fasste.«

Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg – Pastor Hennies (1947-1954)

Im Februar 1947 kehrte Pastor Hennies aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und übernahm im Alter von 35 Jahren am 10. April das Groß Ilseder Pfarramt. Er machte sich sofort an die Wiederbelebung der Gemeindearbeit. Am 7. September fand ein Volksmissionstag statt, Thema des Vortrages war: »Christliches Gemeindeleben heute«. Im Oktober 1948 veranstaltete die Kirchengemeinde sogar eine mehrtägige Evangelisation, zu der auf Plakaten und durch Handzettel alle evangelischen Familien eingeladen wurden. Die Teilnehmerzahl stieg bis auf 430 Besucher am letzten Abend.

Wöchentlich wurden auch Bibelstunden gehalten. Sie endeten mit dem gemeinsamen Sprechen eines Leitwortes, bei dem sich die etwa 30 Teilnehmer die Hände reichten. Der Kreis der Bezirksfrauen scheint Pastor Hennies und seiner Frau besonders nahe gestanden zu haben und wurde vor allem bei der Fürsorge für Bedürftige mit in die Verantwortung genommen.

Freizeiten und Fahrten gehörten schon bald nach Kriegsende zur Jugendarbeit dazu. Schon lange bevor Konfirmandenfreizeiten allgemein üblich wurden, unternahm Pastor Hennies mit den Konfirmanden und den Jugendlichen Ausflüge und Radtouren.

1952 erhielt die Kirche das 1,60 Meter hohe eichene Kreuz mit einer Christusfigur aus Lindenholz, das dort noch heute hängt. Es ist eine Arbeit des Bildhauers Werner Ehlert. Die Kosten in Höhe von 420,- DM (damals eine erhebliche Summe) kamen durch Spenden von Gemeindegliedern zusammen.

Pastor Hennies verließ die Gemeinde am 1.10.1954 und ging nach Winsen/Luhe. Von 1961 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1978 war er Pastor der Kirchengemeinde Garmissen. Er starb am 9.2.2000 in Hildesheim.

Die Zeit von Pastor Dr. Eckert – Loslösung von der Hütte (1955-1963)

Nach fast einjähriger Vakanz wurde am 1. September 1955 der Pastor coll. Erwin Eckert aus Uetze auf die Groß Ilseder Pfarrstelle eingeführt.

Im Jahre 1960 kam es zu einer durchgreifende Veränderung des Kircheninneren: der bisherige Altar wurde durch einen Holztisch ersetzt, die Empore, die bis weit in den Altarraum hineinreichte, verkürzt und der bisherige Zugang zur Empore über eine Außentreppe beseitigt.

Dass der nun einheitlich in Grau gehaltene Neuanstrich gegenüber den vorherigen Rottönen ein Fortschritt war, dürfte aus heutiger Sicht zweifelhaft sein. Er entsprach jedoch dem Geschmack der damaligen Zeit.

Die Herrichtung der Kirche war nur möglich geworden durch eine Ablösezahlung der Ilseder Hütte, die sich so aus ihrer Verpflichtung zur Bezuschussung der Kirchengemeinde frei kaufte. Seit 1899 hatte sie jährlich 900,– Mark zur Pfarrbesoldung beigesteuert. Jetzt, knapp 60 Jahre später, bat sie um Ablösung dieser Verpflichtung und bot eine letzte einmalige Zahlung in Höhe der zehnfachen Jahresleistung, also 9.000 DM, an. Im März 1958 stimmte der Kirchenvorstand zu. Nach der Beendigung dieser Zahlungspflicht der Hütte war die Kirchengemeinde nun auch finanziell endgültig selbständig.

1960 erschien zum ersten Mal ein kirchliches Gemeindeblatt.

Am 31.3.1963 verließ Pastor Dr. Eckert Groß Ilsede, um die Pfarrstelle in Bad Lauterberg zu übernehmen. Am 1. September 1986 schied er aus dem pfarramtlichen Dienst aus und setzte sich in Klein Ilsede zur Ruhe. Er starb am 6. Juni 2003.

Pastor Range – Umbrüche und Neuanfänge (1963-1974)

Am 20.10.1963 wurde Traugott Range als Nachfolger von Pastor Dr. Eckert eingeführt.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit empfing ihn ein Schaden an den elektrischen Läutemaschinen im Kirchturm. Sie mussten im Sommer 1964 ausgewechselt werden. Im März 1965 beendete der »Vulkan-Großraumofen« in der Kirche seinen Dienst. Er wurde durch – damals moderne – Gasöfen ersetzt, die bis 1991 in Betrieb waren.

Im Oktober 1965 wurden die kirchlichen Verhältnisse im Südkreis Peine neu geordnet. Aus dem Kirchenkreis Solschen sowie Teilen der Kirchenkreise Sievershausen und Peine entstand der neue Kirchenkreis Ölsburg. Groß Ilsede lag damit für 34 Jahre in der Nachbarschaft der Superintendentur, bis 1999 die Kirchenkreise Peine und Ölsburg wieder zusammengelegt wurden.

Die Zeit des gesellschaftlich-kulturellen Umbruchs am Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts ließen auch in Groß Ilsede den Bedarf an Orientierung wachsen. In den Jahren 1967-1969 sollte ein evangelisch-katholisches Bildungswerk mit Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen, die rege besucht waren, diesem Bedürfnis entgegenkommen. Viele Reformideen wurden diskutiert. Pläne für einen Kirchengemeindeverband Ilsede konnten erst 1976 verwirklicht werden. Die Besucherzahlen der Gottesdienste gingen in dieser Zeit allerdings auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen zurück.

Pastor Range übernahm am 1. September 1974 eine Pfarrstelle in Braunschweig. Groß Ilsede standen nun unruhige Zeiten und mehrere Jahre mit einer unbesetzten Pfarrstelle bevor.

Unruhige Zeiten (1974-1983)

Pastor Ulrich Fischer, geb. am 7. Januar 1948, kam als Pfarrvikar im Sommer 1976 nach Groß Ilsede. Am 1. Juli übernahm er auch offiziell die Pfarrstelle.

Pastor Fischer lag die Jugend besonders am Herzen. Schon in der ersten von ihm geleiteten Kirchenvorstandssitzung wurde eine Spendenaktion zur Einrichtung eines Jugendraumes beschlossen. Im Herbst 1978 waren schließlich auch die Umbauarbeiten am Pfarrhaus abgeschlossen: außen war die Straßenfassade mit einer Verkleidung versehen und der Eingang neu gestaltet worden. Innen waren die Toilettenanlagen erneuert, eine neue Heizung eingebaut und der Anbau als Gemeinde- und Jugendraum hergerichtet worden.

Somit waren nun auch äußerlich die Voraussetzungen für die Gemeindearbeit deutlich verbessert. Aber schon Ende März 1979 verließ Pastor Fischer Groß Ilsede und übernahm die Pfarrstelle der Kirchengemeinde Bisperode im Kirchenkreis Elze-Coppenbrügge.

1980 bekam die Kirche eine neue Innenvermalung. Für mehr als ein Jahrzehnt nahm die Gemeinde nun auf grünen Bänken Platz.

Nach zweieinhalbjähriger Vakanz übernahm zum 1.9.1981 Pastor Walter Faerber die Groß Ilseder Pfarrstelle. Ab 1983 begann eine grundlegende Renovierung und Neuordnung der Gebäude, insbesondere der Kirche, die den Kirchenvorstand mehr als ein Jahrzehnt lang regelmäßig beschäftigen sollte.

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