Gott setzt das Mosaik zusammen

Predigt am 11. Dezember 2011 (3. Advent mit Adventsspiel der Vorkonfirmandengruppe) zu Lukas 1,26-38

Verfasser: Walter Faerber

Im Gottesdienst zeigte die Vorkonfirmandengruppe ein Adventsspiel, in dem verschiedene alttesttamentliche Hinweise auf Jesus und Vorläufer Jesu dargestellt wurden: Der „Immanuel“ (Jesaja 7,14), der „Knecht Gottes“ (Jesaja 53) und die Prophetie Sacharjas vom Friedenskönig (Sacharja 9,9-10).

26 Als Elisabeth im sechsten Monat schwanger war, sandte Gott den Engel Gabriel zu einer unverheirateten jungen Frau, die in Nazaret, einer Stadt in Galiläa, wohnte. 27  Sie hieß Maria und war mit Josef, einem Mann aus dem Haus Davids, verlobt. 28  »Sei gegrüßt, dir ist eine hohe Gnade zuteil geworden!«, sagte Gabriel zu ihr, als er hereinkam. »Der Herr ist mit dir.« 29  Maria erschrak zutiefst, als sie so angesprochen wurde, und fragte sich, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30  Da sagte der Engel zu ihr: »Du brauchst dich nicht zu fürchten, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden. 31  Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen; dem sollst du den Namen Jesus geben. 32  Er wird groß sein und wird ›Sohn des Höchsten‹ genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Stammvaters David geben. 33  Er wird für immer über die Nachkommen Jakobs herrschen, und seine Herrschaft wird niemals aufhören.« 34  »Wie soll das zugehen?«, fragte Maria den Engel. »Ich bin doch noch gar nicht verheiratet.« 35  Er gab ihr zur Antwort: »Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind, das du zur Welt bringst, heilig sein und Gottes Sohn genannt werden.« 36  Und er fügte hinzu: »Auch Elisabeth, deine Verwandte, ist schwanger und wird noch in ihrem Alter einen Sohn bekommen. Von ihr hieß es, sie sei unfruchtbar, und jetzt ist sie im sechsten Monat. 37  Denn für Gott ist nichts unmöglich.« 38  Da sagte Maria: »Ich bin die Dienerin des Herrn. Was du gesagt hast, soll mit mir geschehen.« Hierauf verließ sie der Engel.

Wir sind heute miteinander auf eine kurze Reise durch eine lange Zeit gegangen: die lange Zeit der Vorbereitung auf Jesus. Das muss man sich mal vorstellen – Jahrhunderte lang, ach, eigentlich ja noch viel länger, bereitet Gott den Tag vor, an dem sein Sohn geboren wird. Er hat dafür gesorgt, dass wir verstehen konnten, worum es bei Jesus geht. Das heißt, wenn Gott ins Leben von Menschen hineinkommt, dann nimmt er Rücksicht darauf, dass wir manche Dinge erst nach und nach begreifen. Er beschließt nicht einfach irgendwas, und wir müssen es dann ausbaden. Er arbeitet daran, dass wir seine Absicht auch verstehen können. Er hat im Voraus schon mal erst die eine Seite von Jesus gezeigt, dann eine andere, und noch eine andere. Immer wieder hat er schon mal Puzzleteile gezeigt, Mosaiksteine, damit die schon mal da sind, und als dann Jesus kam, da haben die Menschen verstanden: aha, so muss also das Puzzle zusammengesetzt werden, so sieht das ganze Mosaik aus!

Ihr habt uns heute in dem Theaterstück ein paar von diesen Mosaiksteinen gezeigt.

Der erste Mosaikstein: Jesus ist der Immanuel – der „Gott ist mit uns“.

Immanuel – so hat gut 600 Jahre vor Jesus mal jemand sein Kind genannt. Und er hat damit etwas ganz wichtiges von Gott verstanden: Gott ist unser Freund. Gott steht an unserer Seite. Und deshalb können wir mutig sein.

Wir erleben das doch oft, dass wir von Menschen angegriffen werden. Nicht unbedingt militärisch, wie damals der König Ahas von zwei Nachbarkönigen angegriffen wurde. Stattdessen mit Worten. Worte können Menschen ganz schön weh tun. Aber wenn wir Jesus mit hineinlassen in dieses Situation, dann steht er uns zur Seite und sagt: keine Angst, mach dir nicht so viel Gedanken, ich bin doch bei dir. Ich bin der Immanuel.

Oder wenn wir im Augenblick erleben, wie in der Wirtschaft ganz große Turbulenzen drohen und man nicht weiß, was das noch für Folgen hat, dann ist das ein wirklich hoffnungsvoller Gedanke, dass der Immanuel mit dabei ist, an unserer Seite, und wir nicht allein sind.

Manchmal kann Gott dann aber auch heftig werden, wenn einer wie der König Ahas so ein Angsthase ist, dass er sich einfach nicht aus seiner Angst herausholen lassen will. Aber wir sollen uns merken: Jesus ist unser Freund und steht uns bei, und wir können ihn um Hilfe bitten, wenn Menschen uns in Bedrängnis bringen.

Der 2. Mosaikstein, gut 500 Jahre vor Jesus: Der Knecht Gottes.

Was macht ein Knecht? Der macht die Dreckarbeit. Deshalb ist keiner gerne Knecht. Der Knecht Gottes war einer, der ganz viel Böses ertragen hat, aber er selbst wurde nicht böse dabei. Es gibt so viel Gemeinheit und Grausamkeit in der Welt, es gibt so viele Menschen, die leiden, und keiner sieht es. Was soll damit passieren? Eine riesige Menge Schmerz wandert durch die Welt, und Menschen wissen nicht, was sie damit machen sollen, und diejenigen, denen etwas angetan worden ist, die tun es dann irgendwann selbst wieder andern an. In der vierten Klasse findet man es gemein, wenn einen die Älteren ärgern. In der achten Klasse ärgert man dann selbst andere. Wie kann dieser Kreislauf gestoppt werden?

Darum geht es beim Knecht Gottes. Er hat nicht zurückgeschlagen, er hat den Kreislauf, wo Geschlagene wieder andere schlagen, gestoppt. Er hat das alles auf sich genommen, damit andere es nicht mehr ertragen mussten.

Und so war dann Jesus. Jesus hat die innere Kraft gehabt, einen grausamen Tod zu ertragen und dabei bis zum Schluss so gut zu bleiben, wie er immer war. Das war auch für seine Freunde schwer zu verstehen. Hätten sie nicht die Erinnerung an den Knecht Gottes gehabt, ich weiß nicht, ob sie es begriffen hätten. Jesus hat alle Gemeinheit und Grausamkeit von Menschen zu spüren bekommen. Und er hat sie ertragen, ohne selbst so zu werden. So hat er das Böse besiegt. Aber er hat teuer dafür bezahlen müssen.

Schließlich der dritte 3. Mosaikstein, gut dreihundert Jahre vor Jesus: der Friedenskönig.

Der Prophet Sacharja, der davon sprach, der lebte in der Zeit von Alexander dem Großen, der in wenigen Jahren ein riesiges Reich eroberte. Und Gott machte Sacharja deutlich: ich bin nicht so. Ich will auf einem anderen Weg diese Welt regieren: ich will die Menschen nicht unterwerfen, sondern sie gewinnen. In der Welt regiert bis jetzt die Gewalt, aber ich will der Gewalt ein Ende machen. Und als dann Jesus da war, da kamen die Menschen zu ihm, weil sie merkten: da bekommen wir, was wir uns schon immer gewünscht haben. All das, was wir im Sinn hatten, wenn wir uns gute Dinge wünschten, das hat in ihm Gestalt angenommen. Und so hat Jesus die Menschen gewonnen. Er muss sie nicht zwingen oder bedrohen. Er hat ihre Herzen gewonnen. Und genau so gewinnt man wirklich Einfluss auf die Welt. Weil die menschlichen Herzen darüber entscheiden, wie Menschen die Welt gestalten.

Es ist enorm wichtig, dass diese Gedanken überhaupt in der Welt sind, denn von allein würden wir gar nicht auf die Idee kommen, uns eine Welt ohne Gewalt und Krieg vorzustellen. Gott muss erst diesen Gedanken in die Welt pflanzen, dass es auch anders gehen könnte, und dann fangen Menschen an, sich das auch zu wünschen und sich danach zu sehnen.

Und als diese drei Mosaiksteine beisammen waren: Immanuel, Knecht Gottes und Friedenskönig, und natürlich auch noch viele andere, da sagte Gott eines Tages: jetzt ist alles vorbereitet. Jetzt brauche ich nur noch einen Menschen, durch den mein Sohn in die Welt kommen kann. Und das ist die Geschichte von Maria, die wir vorhin in der Lesung gehört haben. Maria, die die Mutter von Jesus wird. Habt ihr gemerkt, wie freundlich und respektvoll Gott mit Maria umgeht? Er sagt nicht: so, ich habe beschlossen, du wirst jetzt die Mutter meines Sohnes, basta! Sondern er schickt seinen Engel und fragt: willst du das für mich tun? Gott bat Maria um ihre Zustimmung, und sie antwortete: ja, ich mache dir Platz in meinem Leben. Du darfst durch mich in die Welt kommen.

Jeder, der Kinder hat, weiß, wie so ein kleines, neugeborenes Wesen unser Leben umkrempelt. Und das ist für uns manchmal ziemlich stressig, aber wir haben dazu Ja gesagt, und am Ende schauen wir zurück und sagen: ja, es hat sich gelohnt!

Das ist ein Bild dafür, was passiert, wenn Gott in ein Menschenleben kommt. Gott will unser Leben neu gestalten, damit durch uns Segen in die Welt hineingehen kann, damit Wunden geheilt werden (zuerst meist unsere eigenen) und Freude und Hoffnung sich ausbreiten. Und so kommt Gott auch zu uns und fragt uns: ist bei dir Platz für mich? Darf ich in dein Leben kommen und es neu machen und das Mühsame und Dunkle und Schmerzliche ans Licht bringen und heilen? Ist dein Leben so voll gepackt, dass ich dort gar keinen Platz mehr habe, oder lässt du mich hinein, so wie Maria mich in ihr Leben hineingelassen hat? Das war für Maria beängstigend und begeisternd zugleich, sie erlebte ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht, und immer wieder erlebte sie Gottes Treue.

Ja, Gott ist wirklich treu. Über Jahrhunderte hat er daran gearbeitet, Jesus vorzubereiten. Er hat uns darauf vorbereitet, Jesus zu verstehen. Er hat mit großer Geduld gewartet, bis es soweit war. Und dann kam Jesus.

Er ist der Immanuel. Er ist der Knecht Gottes. Er ist der Friedenskönig. All diese Mosaiksteine kommen in ihm zusammen und ergeben das ganze Bild. Er ist an unserer Seite, er nimmt das Böse auf sich und beseitigt es, und so bringt er Frieden. Und er kommt erst zu Maria und dann zu uns und fragt: ist da Platz für mich? Jetzt, wo du alles kennst, willst du mich hineinlassen in dein Leben? Machst du mir die Tür auf?

Gott tut, was er angekündigt hat. Er bleibt über Jahrhunderte bei seiner Absicht. Man kann sich auf ihn verlassen. Und das bedeutet: genauso zuverlässig wird er auch dafür sorgen, dass eines Tages die ganze Welt Jesus König nennt und sein Friedensreich die ganze Erde umfasst.

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