Die Botschaft der Schöpfung weitergeben

Predigt am 29. September 2013 (Erntedankfest mit Begrüßung der Vorkonfirmanden) zu Hebräer 13,15-16

Verfasser: Walter Faerber

15 Durch Jesus nun wollen wir Gott ein immer währendes Dankopfer darbringen, nämlich die Frucht der Lippen, die seinen Namen preisen. 16 Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen; denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen.

Ich vermute, dass die allermeisten von uns spontan sagen würden, dass es richtig ist, in einer dankbaren Haltung durchs Leben zu gehen. Das heißt nicht, das wir das auch immer schaffen, wir gucken stattdessen bestimmt öfter mal unzufrieden aus der Wäsche, aber grundsätzlich würden wahrscheinlich die meisten von uns sagen: ja, es ist eine gute Sache, wenn Menschen nicht maulig und meckernd auf die Welt schauen, wenn wir nicht an allem etwas auszusetzen haben und alles zu wenig und zu schlecht ist, sondern wenn wir sagen: danke! danke für mein Leben und danke für diesen Tag und danke für die Welt, danke, dass wir genug zu essen habe, danke, dass wir das Licht zum Sehen und die Luft zu Atmen haben, danke für den unglaublich blauen Himmel und das weite Meer im letzten Urlaub, danke für alle Schönheit und alle Freude!

Die Botschaft der „toten“ Materie

Irgendwie verstehen wir spontan, dass die Welt und die Dinge eine Botschaft tragen. Es ist nicht nur tote, stumme Materie, die uns umgibt, sondern sie ist verbunden mit einer Botschaft, und wenn wir sagen: danke für all das Gute in meinem Leben, dann bestätigen wir, dass die Botschaft angekommen ist.

In unserem offiziellen Denken sind die Natur und überhaupt die Dinge, die uns umgeben, einfach nur passive Stoffe, die sich nach berechenbaren Regeln verhalten. Sie hören unseren Dank nicht, sie fühlen unseren Schmerz nicht, wir können damit tun und lassen, was wir wollen. Und das tun wir ja auch und ruinieren die Welt damit. Aber irgendwo in uns drin können wir das nicht so nüchtern und kalt sehen, sondern wir sagen: wie schön, dass es das alles gibt – es tut uns gut, es ist eine reiche Welt voll Überfluss und Schönheit. Wie kann es sein, dass kalte, tote Materie unser Herz so erfreut, wie uns das immer wieder passiert, auch wenn wir nicht immer aufmerksam genug sind, um es zu spüren?

Die Schöpfung – ein lebendiges Kunstwerk

Vielleicht erinnern Sie sich an den 104. Psalm, den wir vorhin gehört haben, wie da die Schöpfung beschrieben wird nicht als ein Uhrwerk, das nach starren Regeln abläuft, sondern als ein lebendiges Kunstwerk, das immer noch ganz eng mit seinem Schöpfer verbunden ist. Gott schickt den Regen und die Sonne, er lässt das Gras wachsen für die Tiere, und alle Geschöpfe warten darauf, dass sie aus Gottes Hand ihre Nahrung bekommen, sogar die Löwen, die sich ja meistens nicht besonders harmonisch ernähren. Alles Lebendige ist mit seinem Schöpfer verbunden, alles Lebendige singt von Gott, und ich vermute, dass sogar die Steine, die uns nun wirklich tot vorkommen, auch mitbrummeln.

Und irgendwie kommt das bei uns an, auch wenn wir es uns nicht immer klar machen, und wir merken, dass es einfach passt, zu sagen: danke für all das. Die Welt ist voll von verborgenen Verbindungen, und die wirken, auch wenn wir das gar nicht bewusst registrieren.

Die Fülle weitergeben

Und in diesem Abschnitt aus dem Hebräerbrief wird gesagt: wir sollen auf diese Fülle des Lebens reagieren, indem wir sie wahrnehmen, sie weitergeben und dann in den Lobgesang der Geschöpfe einstimmen. Gott freut sich an der wunderbaren Welt, die er geschaffen hat, er steckt seine Geschöpfe mit dieser Freude an, und wir sollen dieser Freude eine klare Stimme geben. Wir sollen die Fülle des Segens weitergeben, indem wir an Gottes Freude teilnehmen und das, was wir haben, mit anderen teilen. In all den guten Dingen, die uns gegeben werden, steckt die Botschaft: ich will, dass es dir gut geht und ich will meine Freude mit dir teilen! Gott hat uns vorgemacht, dass sich seine Freude und sein Segen vermehren, wenn sie verschenkt werden. Wir sollen das nachmachen und die Gaben und die Freude wieder teilen, damit sie mehr werden.

Damals in der alten Zeit hat man den Göttern Opfer gebracht, und der Gedanke dahinter war: wir müssen die überirdischen Mächte freundlich stimmen, auch wenn wir dafür auf etwas von unseren sauer erarbeiteten Lebensmitteln verzichten müssen. Es ist teuer, aber Ärger mit den Göttern wäre noch gefährlicher, und sie sind leider anspruchsvoll. Aber hier im Hebräerbrief ist der Ton ganz anders. Da geht es darum, dass Gott uns beschenkt, und wir sollen teilen, damit die Freude sich ausbreitet. Gott will nicht, dass wir ihm zähneknirschend etwas opfern, was wir viel lieber selbst behalten würde, sondern er will, dass wir in seine Freude einstimmen. Was wir singen, das ist noch viel tiefer mit uns selbst verbunden als das, was wir nüchtern feststellen. Deswegen trauen sich viele nicht so richtig zu singen, weil man sich dabei tatsächlich öffnet und viel mehr von seiner Seele preisgibt, als wenn man ein sachliches Statement abgibt. Wenn wir mit der Schöpfung gemeinsam Gott loben und die Gaben teilen, dann ist der Segen bei uns angekommen.

Gottes Ökonomie, Gottes Wirtschaftslehre hat als Voraussetzung nicht den Mangel, sondern die Fülle. Es ist genug für alle da, nicht nur das Allernötigste, sondern auch das Schöne und Begeisternde. Gott war nicht knauserig, als er die Welt schuf. Und Mangel entsteht nur deshalb, weil Menschen Angst haben, nicht genug zu bekommen, und sich deshalb lieber so viel wie möglich unter den Nagel reißen und sagen: das geb ich nicht mehr her! Und das macht die Freude kaputt und ersetzt sie durch Sorge und Unsicherheit. Wenn sich erstmal das Misstrauen breit gemacht hat, dann müssen wir alles kontrollieren und einteilen und verteidigen. Franz von Assisi, dieser große Christ am Ende des Mittelalters, dem die Fülle Gottes so vertraut war, dass er ganz ohne Besitz leben wollte, hat gesagt: wenn wir Besitz hätten, dann brauchten wir auch Waffen, um ihn zu verteidigen. Und das wollte er nicht.

Schenken verbreitet den Segen

Gott hat die Materie und die Güter dafür geschaffen, dass sie mit einer Botschaft verbunden werden. Wenn wir etwas verschenken, dann ist das eine ganz starke Botschaft, und die verbindet Menschen durch Freude und Dank. Ich meine jetzt nicht diese Geschenke, wo man vor jedem Geburtstag wieder grübelt: was soll ich dem bloß schenken, er hat doch schon alles! Und ich meine nicht diese Dankkarten, wo man sich sagt: bloß niemanden vergessen, dass keiner beleidigt ist! Sondern ich meine Geschenke, in denen Menschen die unerwartete Freundlichkeit Gottes begegnet und ihr Leben hell macht. Manchmal hat Geld diesen Effekt, weil es Menschen von großer Sorge und Bedrückung befreien kann. Manchmal kann man einem Menschen mit einem Geschenk zeigen, dass man ihn verstanden hat. Manchmal zeigt ein Geschenk an, dass es eine tiefe menschliche Verbindung gibt.

Alle Dinge sind immer auch eine Botschaft. Sie können Misstrauen und Desinteresse signalisieren, aber eigentlich sind sie dafür da, die Freude Gottes am Lebendigen von Hand zu Hand und von Herz zu Herz weiterzugeben. Und auch in unserer Welt, in der so vieles in die Schieflage geraten ist, funktioniert das immer noch. Wir spüren instinktiv, dass die Früchte mit Segen verbunden sind. Dass die Güter, von denen wir leben, uns miteinander verbinden sollen, weil keiner allein überleben könnte. Und ein Tag wie heute ist dafür da, dass wir das aussprechen, singen und ein dankbares, fröhliches und lebendiges Herz behalten.

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