Menschen des Friedens werden

Predigt am 3. März 2013 (Vorstellungsgottesdienst der Konfirmandengruppe) zu Matthäus 5,43-48

Verfasser: Walter Faerber

Jesus sprach: 43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Wir haben uns bei der Konfirmandenfreizeit und jetzt hier im Gottesdienst auf die Spur des Friedens gesetzt. Frieden ist etwas unglaublich Kostbares in einer Welt, die von vielen Konflikten durchzogen ist, im Großen wie im Kleinen. Frieden bedeutet, dass man ruhig schlafen kann, dass einem nicht Sorgen oder Erinnerungen oder Angst den Schlaf rauben. Dass man in seinen Tag gehen kann und sich nicht Gedanken darüber machen muss, ob der große Rahmen meines Lebens am Abend noch heil sein wird.

Wenn ich mir Sorgen machen muss um den großen Rahmen meines Lebens, das ist unglaublich belastend. Schon wenn man in ernsthaftem Streit ist mit Menschen, die einem nahe stehen, das kann einen Schatten auf das ganze Leben werfen. Das kann enorm viel Kraft kosten, weil man da immer wieder drüber nachdenkt und grübelt, auch wenn man eigentlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. Aber wenn das ganze Netzwerk meines Lebens und meiner Beziehungen bedroht ist, das ist eine Katastrophe. Deshalb ist Krieg so schrecklich, weil er alles bedroht, was das Leben von Menschen ausmacht. Das kann alles kaputt gehen, und oft geht es dann auch kaputt. Menschen, die so etwas erleben müssen, haben es schwer, wieder Vertrauen in die Welt zu fassen.

Immer, wenn wir in den Nachrichten von Kriegen oder Bürgerkriegen irgendwo auf der Welt hören, dann heißt das vor allem, dass Menschen in eine Lage kommen, die ihr Zutrauen ins Leben massiv beschädigt. Auf einmal können sie alles verlieren, was zu ihrem Leben gehört, und manchmal geschieht das auch wirklich. Menschen kommen so in die Lage, sich zu fragen: was ist das für eine Welt, in der ich lebe? Ist die irgendwie vertrauenswürdig, oder ist das eine Welt, in der man sich auf nichts verlassen kann? Und sie fragen sich das nicht aus philosophischem, theoretischen Interesse, sondern weil es sie selbst massiv betrifft.

Wir haben vorhin ja einen Abschnitt aus der Bergpredigt gehört, über die Feindesliebe. Die Menschen, die Jesus damals zuhörten, lebten in einer Welt, in der es schwer war, Vertrauen ins Leben zu haben. Es war eine Zeit voller großer und kleiner Kriege, voller Gewalt und Massaker. Es gibt aus dieser Zeit das Geschichtsbuch eines gewissen Josephus, der die Geschichte Israels in jenen Jahren aufgezeichnet hat. Ein Freund von mir sagte mal: irgendwann konnte ich das nicht mehr weiterlesen. Immer wieder Massaker, Gewalt und Morde. Schrecklich!

Wir erleben heute das Glück, dass es in Deutschland seit beinahe 70 Jahren keinen Krieg mehr gegeben hat. Das heißt noch nicht, dass wir Frieden hätten – es gibt noch genug andere Konflikte und Unglücke, die einem den Schlaf rauben können. Frieden brauchen wir trotzdem immer wieder und immer noch. Aber wir sind nicht so flächendeckend bedroht wie die Kinder und Jugendlichen, von denen wir in dem Video vorhin gesehen haben. Und uns kommt die Gewalt in der Welt nicht so nahe wie Jesus und seinen Zuhörern.

Und trotzdem sagt er zu den Menschen, die ihm dort auf dem Berg zuhören: Liebt eure Feinde. Bittet Gott für die, die euch angreifen. Gebt den Unfrieden, der euch bedrückt, nicht weiter, sondern seid Menschen des Friedens! Seid Menschen, die aktiv Frieden verbreiten, auch wenn ihr mitten im Unfrieden lebt! Und tut das so umfassend, das selbst eure Feinde nicht ausgeschlossen sind!

Und Jesus lässt es nicht bei der Aufforderung, sondern er sagt auch, warum wir das tun sollen, und warum das sinnvoll ist. Er sagt: ihr könnt dieser Welt vertrauen, weil ihr einen Vater im Himmel habt, der sie gut geschaffen hat und sie bis heute Tag für Tag mit seinem Segen beschenkt. Auch wenn Menschen dauernd dabei sind, diesen Segen so schnell wie möglich wieder kaputt zu machen: Gott hört nicht auf, seiner Welt Leben und Segen zu schenken. Und deshalb sollt ihr es auch so machen. Und die Welt wird darauf reagieren, und die Menschen werden reagieren, und sogar eure Feinde werden davon nicht unberührt bleiben. Feindesliebe ist ein Spezialfall davon, dass wir Gottes Segen großzügig weiter geben sollen. Und das wird diese Welt verwandeln. Aber es wird auch uns verwandeln.

Jesus hat das ja zu Menschen gesagt, die viel mehr als wir Grund hatten, misstrauisch gegen Gott zu sein. Die kannten Unfrieden hautnah. Aber Jesus sagte ihnen: ihr müsst selbst Menschen des Friedens werden, dann könnt ihr mitten in Gewalt und Krieg leben, ohne daran kaputt zu gehen. Jesus hat eine Bewegung von Menschen ins Leben gerufen, die den Frieden in der Welt vermehren und dadurch selbst in ihrem Vertrauen ins Leben gestärkt werden. Und dann können sie es auch selbst besser bewältigen, wenn sie die Bedrohung durch Gewalt und Zerstörung erfahren müssen. Wir haben ja bei der Freizeit miteinander gesehen, wie diese Hilfsorganisation »Wings of Hope« arbeitet (die übrigens von der evangelischen Kirche in Bayern angestoßen worden ist). Einige von euch haben sich das noch extra im Internet angesehen und uns vorhin davon erzählt. Eigentlich geht es immer darum, in Menschen wieder neu das Vertrauen ins Leben und in die Welt aufzubauen. Und wenn das 10 Tage voller Entlastung in einem Feriencamp im Frieden sind, dann ist das auch schon viel.

Denn da erleben sie, dass es Alternativen gibt. Sie werden daran erinnert: der Unfrieden ist nicht der Normalfall in der Welt. Nein, die Welt ist dazu gemacht, dass Menschen in Frieden zusammen leben, und diesen Frieden kann man sogar mitten inmitten von Krieg und Zerstörung finden.

Wenn sich Menschen des Friedens daran machen, solche Möglichkeiten zu suchen und anderen zu zeigen, dann haben sie gute Chancen. Die Welt wird darauf reagieren. Unser Vater im Himmel hat die Welt gut geschaffen, und trotz aller Gewalt, die Menschen verüben, blüht sie auf, wenn wir sie gut behandeln. In solchen Bibelstellen wie dem 23. Psalm wird etwas spürbar von der Güte der Welt und der Güte des Schöpfers. Und Menschen, denen wir Gottes Segen und Gottes Freundlichkeit weitergeben, werden darauf reagieren, und das kann sogar Feinde verwandeln. Wir sollen sie ja nicht dafür lieben, dass sie sich feindlich verhalten, sondern damit sie eines Tages unsere Freunde sind. Das gilt für politische Konflikte im Großen und das gilt für Menschen, mit denen wir im Kleinen zusammenleben.

Wir haben miteinander überlegt, was das mit Menschen macht, wenn sie ohne Frieden leben müssen. Wenn sie miterleben müssen, wie ihr Zuhause, ihre Familie und auch sie selbst Tag für Tag in Gefahr sind. Ihr habt vorhin etwas gesagt, von einem Paket, das Menschen dann mit sich herumtragen. Und auf dem einen Bild waren ja auch solche Pakete zu sehen. Und es wird gut, wenn diese Pakete nicht mehr fest eingepackt sind, sondern wenn sie geöffnet werden. Manchmal sogar gemeinsam mit Menschen, die eigentlich Feinde sein müssten, aber jetzt Freunde sind. Und immer in der Gegenwart der Liebe und Güte Gottes.

All diese vielen großen und kleinen Pakete, die Menschen mit sich herumtragen: wenn sie in einer Umgebung des Friedens aufgemacht werden und mit der Liebe und dem Segen Gottes zusammenkommen, dann wird es gut. Dann können aus Tränen Perlen werden. Und wir sind alle berufen, zu dieser Bewegung des Friedens zu gehören, die das möglich macht, und die Jesus angestoßen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir möchten hier nur Beiträge von echten Menschen haben, nicht von Robots. Zur Abwehr von Kommentar-Spam beantworte deshalb bitte die folgende Frage: