Abendmahl: ein lebendiges Zeichen

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Verfasser: Walter Faerber

In diesem Gottesdienst wurde die Konfirmandengruppe des Konfirmationsjahrgangs 2015 zum Abendmahl zugelassen.

Im Abendmahl steckt – in einem Punkt zusammengefasst – die ganze lange Geschichte Gottes mit seiner Welt und mit seinem Volk:

Von der Schöpfung an …

Es fängt an mit der Schöpfung: Brot steht für die Früchte der Erde, für den Segen, mit dem Gott die Welt erfüllt, so dass bis heute genug für alle da ist, wenn es nur gerecht verteilt wird. Die Schöpfung ist darauf angelegt, dass Menschen sie bebauen und bewahren, dass sie ihre Arbeit verbinden mit den Gaben der Schöpfung, so dass etwas Neues daraus wird: nicht mehr nur einfach Korn, sondern Brot.

Genauso beim Wein: auch da verbindet sich die ursprüngliche Frucht mit der menschlichen Arbeit und der menschlichen Erfahrung und Sorgfalt. Weinanbau ist schon fast eine Kunst, bei der Mensch und Schöpfung gemeinsam das Beste geben. Wer Wein trinkt, und auch wer Brot isst, der kann das, weil es schon lange vor uns viele Generationen von Menschen gegeben hat, die geduldig herausgefunden haben, wie das geht, dass aus Trauben Wein und aus Korn Brot wird. Nach und nach haben sie all die vielen Arbeitsschritte dafür erfunden und verbessert, und das hat dazu beigetragen, dass Essen und Trinken nicht nur Energiezufuhr ist, sondern Genuss und Freude.

Besonders der Wein ist es, der diese Seite der Schöpfung repräsentiert: Wein steht für die Freude und das Fest, für Gemeinschaft und Leichtigkeit. Er erinnert daran, dass das Leben nicht nur Mühe und Arbeit ist.

Aber all diese guten Früchte von Schöpfung und menschlicher Arbeit werden verdorben von Macht und Gewalt: Ägypten war eines der ersten frühen Großreiche, und wie all diese Reiche lebte es von der Arbeit unterworfener Menschen. Das Volk Gottes, Israel, geriet dort in die Sklaverei, wo die Freude ein Fremdwort war und aus der Arbeit Schufterei wurde.

… über die Befreiung aus ägyptischer Sklkaverei …

Aber da erlebten sie zum ersten Mal, dass der wahre, lebendige Gott seine Schöpfung und seine Menschen verteidigt gegen Unterdrückung und Verarmung. Sie riefen zu Gott um Hilfe, und er kam und befreite sie aus dem Sklavenhaus. Und anderthalb Jahrtausende vor Jesus feierten Menschen Passa, um diese Erinnerung wach zu halten: wir waren Sklaven, Menschen ohne Recht und Heimat, uns sollte alles genommen werden, aber Gott hat uns befreit.

Die großen Reiche kamen und gingen, aber Israel hielt die Erinnerung lebendig und gab sie weiter an jede neue Generation: der lebendige Gott befreit. Nur die toten Götzen, die Menschen sich ausdenken, machen Propaganda für die Unterdrücker. Und so wie Bauern und Winzer ihr Handwerk weiterentwickelten, so lernte Israel diesen Befreiergott immer besser und tiefer verstehen. Immer neue Erfahrungen machten sie mit ihm, und das Wichtigste schrieben sie auf und hielten es fest, damit es nicht vergessen würde.

… zu Jesus

Und eines Tages wurde im Volk Gottes dann Jesus geboren. Er wuchs auf und lebte mit all den Erinnerungen seines Volkes. Er fügte all die vielen Erfahrungen und die Worte von Gott zu einem Gesamtbild zusammen, so wie jemand aus vielen durcheinander liegenden Mosaiksteinen ein großes Bild macht, und auf einmal kann man die ganze Bedeutung sehen. So wurde in Jesus der lebendige Gott endgültig erkennbar. Er vertraute bis in den Tod hinein auf das gesegnete Leben, das der Schöpfer in die Welt hineingelegt hat. Und er wurde nicht enttäuscht – Gott erweckte ihn vom Tod, und deshalb ging die Bewegung, die er begonnen hatte, weiter.

Am Abend vor seinem Tod feierte er mit den Jüngern das Passafest, aber er erweiterte die alte Geschichte von der Befreiung aus Ägypten durch seine eigene Geschichte. Brot und Wein wurden jetzt zu Zeichen für den Weg Jesu: er hat sein Leben verschenkt, weitergegeben, so wie er den Jüngern das Brot und den Wein weiter gab. Überall versuchen Menschen, möglichst viel festzuhalten, am besten sogar anderen noch etwas wegzunehmen, aber Jesus hat den Segen in Fülle verschenkt. In ihm nahm Gott Gestalt an, der schenkt und gibt und segnet und nicht spart, weil sein Leben und seine Liebe unerschöpflich sind.

Das ist die Realität, die im Hintergrund der Welt an der Arbeit ist: Gottes segensreiche Fülle, und auch die großen Machtzusammenballungen, die die Welt unter ihre Kontrolle bringen wollen, haben das nicht ändern können. Sie vergiften die Erde und möchten alles Leben unter ihre in ihre Gewalt bringen, aber die Gemeinschaften, die Jesus gegründet hat, leben immer noch vom Reichtum und der Fülle, die Gott schenkt. Aber diese Fülle ist verborgen und öffnet sich nur dort, wo man miteinander teilt: den Segen, den Schmerz über die verwundete Schöpfung, und die Hoffnung auf die erneuerte Welt, die Jesus angekündigt hat.

Eine Geschichte, die immer neu gehört wird

Diese ganze Geschichte steckt drin, wenn wir Abendmahl feiern. Niemand schafft es, bei einem Abendmahl an all das zu denken und nichts zu vergessen. Und bestimmt habe ich jetzt auch noch nicht die ganze Bedeutung erzählt, bestimmt habe ich etwas Wichtiges übersehen. Aber das macht nichts. Das Mahl, das Jesus uns gab, stellt immer mal wieder einen anderen Teil dieser großen Geschichte in den Vordergrund. Es ist wie ein gutes Theaterstück, dass man auf viele verschiedene Weisen spielen kann, und immer wieder sieht man etwas Neues darin.

Im Unterschied zu einem Theaterstück sitzen wir dabei aber nicht im Zuschauerraum, sondern wir führen das sozusagen gemeinsam auf. So lassen wir immer wieder die große Geschichte Gottes mit den Menschen unter uns lebendig werden und nehmen daran teil. Wir schreiben sogar mit an neuen Kapiteln in dieser Geschichte.

Eine Geschichte, die immer noch weiter entfaltet wird

Dass wir hier mit Kelchen Abendmahl feiern, die schon seit einigen Jahrhunderten in Groß Ilsede in Gebrauch sind, erinnert uns daran, dass die Geschichte nach Jesus weitergegangen ist. Nicht unbedingt immer gut, aber dieses Zeichen des Abendmahls ist immer dagewesen und hat Menschen etwas gesagt und bedeutet. Mal hat diese Bedeutung im Vordergrund gestanden und mal jene. Das Mahl Jesu ist aus den Häusern in die Kirchen gewandert, und vielleicht wandert es demnächst wieder zurück in die Häuser der Menschen. Und die ganze Zeit über hat Jesus an Menschen gewirkt, hat sie berührt und bewegt.

Und jetzt ist es zu uns gekommen, dieses Zeichen zu entfalten, es tiefer zu verstehen und die Gemeinschaft zu werden, an die Jesus dachte, als er seine Jünger zum ersten Mal dazu einlud. Er hat damals schon darauf vertraut, dass die Gemeinschaft, deren Mittelpunkt er ist, nach seiner Kreuzigung nicht zu Ende sein würde. Er hat damit gerechnet, dass Gott ihn nicht im Tod lassen würde, und deshalb gab er den Jüngern rechtzeitig diesen Treffpunkt, wo sie ihm wieder begegnen können. Und so kam es es. Jesus ist auferstanden und lebt unter uns. Er baut weiter an diesen Gemeinschaften, wo man auch in einer Welt voller Unterdrückung und Gewalt in Freiheit vom Segen Gottes lebt und die Kunst des Gebens und Schenkens kennt, übt und weiterentwickelt.

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