Gute Entscheidungen für eine gute Zukunft

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Verfasser: Walter Faerber

25 Jesus sprach: »Macht euch keine Sorgen um das, was ihr an Essen und Trinken zum Leben und an Kleidung für euren Körper braucht. Ist das Leben nicht wichtiger als die Nahrung, und ist der Körper nicht wichtiger als die Kleidung? 26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern?
28 Und warum macht ihr euch Sorgen um eure Kleidung? Seht euch die Lilien auf dem Feld an und lernt von ihnen! Sie wachsen, ohne sich abzumühen und ohne zu spinnen ´und zu weben`. 29 Und doch sage ich euch: Sogar Salomo in all seiner Pracht war nicht so schön gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn Gott die Feldblumen, die heute blühen und morgen ins Feuer geworfen werden, so herrlich kleidet, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern, ihr Kleingläubigen?
31 Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn um diese Dinge geht es den Heiden, ´die Gott nicht kennen`. Euer Vater im Himmel aber weiß, dass ihr das alles braucht. 33 Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazu gegeben.

Als wir die Konfirmandenfreizeit in Tettenborn vorbereiteten, da hatten wir das Thema »Zukunft« im Kopf. Und wir haben dann auf der Freizeit die Gruppe ermuntert: versucht euch vorzustellen, wie die Welt aussehen wird, wenn ihr in 50 Jahren Goldene Konfirmation habt! Überlegt euch mal, wie euer Weg durch diese 50 Jahre aussehen könnte!

50 Jahre sind ja von heute aus gerechnet ein realistischer Zeitraum. Im Herbst gibt es hier bei uns in der Gemeinde wieder Goldene Konfirmation, und da kommen Frauen und Männer zusammen, die in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konfirmiert worden sind. Nicht alle leben noch, aber für die meisten sind 50 Jahre eine ganz realistische Zeitspanne, wenn man auf einen Lebensweg guckt. Und diese 50 Jahre gehen schneller herum, als man am Anfang denkt.

Und als wir in Tettenborn 50 Jahre voraus geblickt haben, also bis ins Jahr 2064, da haben wir gemerkt, dass man sich zwar ein paar Entwicklungen vorstellen kann (selbst das ist schon schwer), aber eigentlich kann man nur sagen: wohin das geht, mit der Welt und mit mir persönlich, das ist nicht vorhersehbar. Manche aus der Gruppe haben schon Vorstellungen und Erwartungen für ihr Leben, manche noch nicht, aber wenn wir ernsthaft auf so eine Zeitspanne von 50 Jahren schauen, dann kann man nur sagen: was da alles passieren wird, das ist ganz unsicher.

Das ist der Punkt, wo Josef ins Spiel kommt: sein Leben war ja von einer extremen Unsicherheit geprägt. Die Welt war damals eigentlich noch langsamer als heute, man konnte damit rechnen, dass die nächste Generation ungefähr genauso leben würde wie die heutige, es gab nicht alle paar Jahrzehnte eine Erfindung wie das Internet, die das ganze Leben neu organisiert. Aber Josef persönlich ging einen Weg voller unvorhersehbarer Wendungen, wie er eigentlich eher in unsere heutige Zeit passt. Und an ihm wird ganz besonders deutlich, wie wichtig seine Entscheidungen an den Weichenstellungen des Lebensweges waren.

Am Anfang gibt es ja einige nicht so glückliche Entscheidungen: Dass Josef seine Träume so freimütig erzählt hat, das hat ihm den Neid seiner Brüder eingetragen und ihn am Ende zum Sklaven gemacht. Man weiß nicht genau, ob es Naivität war, dass er den Brüdern seine Träume präsentierte, oder ob er sich damit wichtig machen wollte. Auf jeden Fall scheint Josef gelernt zu haben: als er erst im Brunnen saß und dann anschließend auf dem langen Fußmarsch nach Ägypten. Irgendetwas muss da mit dem unbedarften jungen Hüpfer passiert sein.

Wir kennen wahrscheinlich alle Menschen, die von einem schlimmen Ereignis in ihrem Leben nicht loskommen und immer wieder davon erzählen, was ihnen damals von Menschen angetan worden ist. Und das macht das Leben bitter. Bei Josef ist es aber anders gekommen. Er ist in dieser harten Zeit weise geworden.

Ich vermute, dass er damals Gott als seinen großen Verbündeten entdeckt hat. Jedenfalls handelt er von da ab so wie einer, der erwartet, dass Gott ihn unterstützen wird. Er schmollt nicht, sondern arbeitet auch als Sklave so gut er kann. Und in dieser schwierigen Situation mit der Frau des Potiphar, wo er sich eigentlich nur Probleme einhandeln kann, egal, was er macht, da hält er sich einfach an den Willen Gottes. Und dann wieder im Gefängnis unterstützt er die anderen Gefangenen so gut es geht, er kümmert sich um sie, er deutet ihre Träume. Er hätte das alles nicht tun müssen, aber er hatte sich entschlossen, ein Teil der Lösung zu sein und nicht ein Teil des Problems.

Josef hat offensichtlich gewusst, dass die Welt immer noch von Gottes Güte gespeist wird. Wie wir es vorhin in der Lesung gehört haben, wo Jesus sagt: macht euch keine Sorgen, euer himmlischer Vater sorgt für euch. Versucht nicht, euch mit Sorgen und Tricks eine extra große Portion zu sichern, schon gar nicht auf Kosten anderer. Es ist genug für alle da – achtet zuerst auf Gottes Willen, dann wird Er auf euch achten. Die Welt ist nicht mehr das Paradies, aber sie reagiert immer noch auf Menschen, die freundlich und unaufgeregt Gottes Segen weitergeben.

Es ist richtig, wenn man zu anderen gut ist und ihnen hilft, auch wenn Menschen nicht unbedingt immer dankbar sind. Es ist richtig, wenn man weder in Selbstmitleid versinkt noch versucht, sich auf Kosten anderer toll zu fühlen. Josef macht alles richtig. Und das zahlt sich am Ende aus. Aber trotzdem verbringt er erst lange Jahre unschuldig im Gefängnis.

Die Welt ist nicht einfach. Es kann sein, dass deine richtigen Entscheidungen dir schnell oder jedenfalls in überschaubarer Zeit helfen. Das ist zum Glück ziemlich oft so. Es kann aber auch sein, dass es lange dauert, bis du die Früchte erntest. Aber gerade weil die Zukunft unsicher ist, deswegen braucht man einen inneren Kompass, der einem unabhängig von den Zukunftsaussichten die Richtung gibt. Der einem ein Gefühl dafür gibt, was anständig ist und was schofelig. Was mies ist und was die Welt besser macht.

Welche Konsequenzen das schließlich hat, das weiß man vorher nie. Bei den allermeisten Entscheidungen üben wir wahrscheinlich für die paar entscheidenden Momente, in denen wir für uns und andere wichtige Lebensweichen stellen.

Auch in Josefs Leben hat es nur fünf oder sechs wirklich wichtige Entscheidungen gegeben, und fast jedes Mal hat er die Weiche richtig gestellt. Aber in all den vielen kleinen Entscheidungen vorher, von denen nichts in der Bibel steht, weil sie gar nicht dramatisch waren, die täglichen Fragen: wie gehe ich mit den anderen Sklaven um, bin ich freundlich oder eingebildet, bin ich positiv oder mürrisch, mach ich meine Arbeit gut, nehme ich mir was, was mir nicht zusteht, da hat er geübt, da hat er sich vorbereitet auf die paar großen Entscheidungen, wo man möglichst nicht falsch liegen sollte. In all den vielen kleinen Entscheidungen hat er ein Gespür für Gottes Willen bekommen, und das stand ihm dann auch im entscheidenden Moment zur verfügung, und als er schließlich doch noch ganz oben war, da ist ihm das nicht zu Kopf gestiegen, weil er einfach gewöhnt war, auf diesen inneren Kompass zu hören.

Viele von euch Konfirmandinnen und Konfirmanden haben in Tettenborn etwas aufgeschrieben, wie sie sich ihr Leben wohl vorstellen. Ich habe die Blätter in einen Umschlag getan, zugeklebt und in die Akte eures Jahrganges geheftet. Und ich habe draufgeschrieben, dass dieser Umschlag beim Konfirmationsjubiläum geöffnet werden soll, und da bekommt ihr eure Blätter dann zurück. Wenn nicht irgendein Nachfolger von mir mal zu aufräumwütig wird, dann könnt ihr also eines Tages zurückschauen auf heute und sehen, was aus euren Gedanken geworden ist.

Aber egal, ob es so oder ganz anders gekommen ist: am wichtigsten ist es, in allen Unsicherheiten der Zukunft einen inneren Kompass zu haben, ein Gespür für Gott und seinen Willen und Liebe zu seiner Schöpfung, die ihren Reichtum allen schenkt, die freundlich und gewaltfrei zu ihr kommen.

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