Die Ernte der Welt

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14 Und ich sah, und siehe, eine weiße Wolke. Und auf der Wolke saß einer, der gleich war einem Menschensohn; der hatte eine goldene Krone auf seinem Haupt und in seiner Hand eine scharfe Sichel.
15 Und ein andrer Engel kam aus dem Tempel und rief dem, der auf der Wolke saß, mit großer Stimme zu: Setze deine Sichel an und ernte; denn die Zeit zu ernten ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist reif geworden. 16 Und der auf der Wolke saß, setzte seine Sichel an die Erde und die Erde wurde abgeerntet.
17 Und ein andrer Engel kam aus dem Tempel im Himmel, der hatte ein scharfes Winzermesser. 18 Und ein andrer Engel kam vom Altar, der hatte Macht über das Feuer und rief dem, der das scharfe Messer hatte, mit großer Stimme zu: Setze dein scharfes Winzermesser an und schneide die Trauben am Weinstock der Erde, denn seine Beeren sind reif! 19 Und der Engel setzte sein Winzermesser an die Erde und schnitt die Trauben am Weinstock der Erde und warf sie in die große Kelter des Zornes Gottes. 20 Und die Kelter wurde draußen vor der Stadt getreten, und das Blut ging von der Kelter bis an die Zäume der Pferde, tausendsechshundert Stadien weit.

Ernte

Bild: Meitzke via pixabay, Lizenz: creative commons CC0

Das ist jetzt natürlich kein Text für schwache Nerven gewesen. Aber lasst uns das alles von vorn ansehen, eins nach dem anderen. Das grundlegende Bild, das den ganzen Abschnitt prägt, ist die Ernte. Als das niedergeschrieben wurde, lebte die Mehrzahl der Menschen auf dem Lande und kannte den Rhythmus von Saat und Ernte.

Ernte ist Freude

Die Ernte war der Höhepunkt des Jahres. Überall auf den Feldern hörte man den Klang der Wetzsteine und den Gesang der Schnitter, die die Felder abernteten. Man sah die wachsenden Stoppelfelder und die immer kleiner werdenden Streifen, die noch vom Korn bestanden waren. An den Wegen die aufgetürmten Erntewagen, der Geruch von Schweiß und Sonne, und all die Fröhlichkeit, weil nun die Arbeit eines ganzen Jahres ihre Früchte getragen hat. Erst recht die Ernte in den Weinbergen, wo man zwischendurch süße Trauben essen kann und sich freut auf den jungen Most und den ersten Wein und das Erntefest. Ernte ist eine gute Sache.

Und dieses Bild haben die Christen immer verwandt für den Tag, an dem Gott die Ernte der Welt einbringen wird. Wir haben es vorhin in der Lesung (Markus 4,26-29) gehört, wie Jesus Gott schildert als Bauern, der in Ruhe abwartet, dass sein Getreide wächst, und wenn der Tag gekommen ist, lässt er es schneiden. Gott weiß, dass er alles gut bestellt hat, er vertraut seiner Arbeit, und er sieht dem Tag entgegen, an dem er die Früchte seiner Erde ernten kann.

Es gibt natürlich auch das Gleichnis, bei dem ein böser Feind Unkraut unter den Weizen mischt, und der Bauer befiehlt dann seinen Knechten, dass sie vor der Ernte das Unkraut ausreißen sollen. Interessanter Weise fehlt das hier. Es geht um die Früchte von Gottes Welt.

Diese Welt wird Frucht bringen

Und der, der mit der Sichel kommt, ist der Menschensohn, der auf den Wolken des Himmels kommt, derjenige, dem Gott die Herrschaft über seine Welt anvertraut – dieses Bild aus Daniel 7 haben die Christen auf Jesus gedeutet. Jesus hat ja immer betont, dass er selbst nicht weiß, wann der Tag der Ernte sein wird, nur Gott weiß das, und deshalb bekommt er hier von höchster Stelle, direkt aus dem himmlischen Tempel, durch einen Engel das Signal, dass nun geerntet werden kann. Und so geschieht es.

Was Gott an Gutem gesät hat und was in der langen Zeit der Welt gewachsen ist, das wird jetzt realisiert. All die guten Werke, von denen im vorigen Abschnitt (Vers 13) die Rede war, Werke, die nicht vergehen, die gehören dazu. Gott wollte von Anfang an seine Liebe und Freude teilen. Dazu hat er die Welt geschaffen. Er wäre auch allein glücklich gewesen, weil er in sich selbst schon Kommunikation und Freude ist. Aber er wollte teilen.

Die Offenbarung weiß natürlich, dass es in der Welt schreckliche menschliche Verirrungen gibt, Gewalt, Blut und Willkür. Sie redet dauernd davon. Aber sie hält fest, dass am Ende die Früchte dieser Welt geerntet werden. Da ist viel Gutes gewachsen, und das geht nicht verloren.

Die ersten Früchte

Daran denke ich oft, wenn ich jetzt oben auf dem Hüttengelände in der Gebläsehalle bin und erlebe, wie viele Menschen da kommen und gern mithelfen oder etwas spenden wollen. Manchmal müssen wir sie auch wegschicken, weil ihre Angebote nicht mit den Notwendigkeiten zusammenpassen, oder weil wir noch überfordert sind mit so vielen guten Angeboten. Aber ich versuche dann immer, wo ich nur kann, dafür zu sorgen, dass die Menschen sich deswegen nicht schlecht fühlen, weil diese Hilfsbereitschaft etwas unglaublich Wertvolles ist. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es in unserem Land so viel Bereitschaft zum Helfen gibt. Da ist im Verborgenen etwas gewachsen, womit kaum jemand gerechnet hätte. Und jetzt zeigt es sich plötzlich.

Natürlich ist dies noch nicht die abschließende Ernte der Welt, und es gibt ja auch das Gegenteil: ganz viel Bedenken bis hin zu einer lautstarken Minderheit, die richtig Hass sät, so als ob manche es gar nicht ertragen könnten, wenn Menschen sich als freundlich, hilfsbereit und mitfühlend zeigen. Und es gibt Menschen, die fürchten, dass sie selbst zu kurz kommen, Menschen, die sich schon immer abgehängt fühlten. Aber wenn wir uns als ein solidarisches Land entpuppen, dann hilft das allen. Wenn man an einer Stelle lieben lernt, dann strahlt das in alle Lebensbereiche aus.

Wenn ich z.B. da oben durch die Halle gehe, dann nehme ich mir immer vor, Freundlichkeit zu signalisieren, Menschen wenigstens anzulächeln und zu begrüßen, auch wenn ich ihre Sprache nicht verstehe und sie nicht meine Sprache. Aber dann war ich letzte Woche im Baumarkt, um ein Spielzeugregal zu kaufen, und auf einmal ertappe ich mich dabei, wie ich da auch die Leute anlächele, obwohl ich sie gar nicht kenne. Und ich dachte: o, peinlich, was denken die jetzt von dir? Aber dann fiel mir ein: die brauchen das vielleicht genauso. Warum soll ich nicht auch im Baumarkt gute Laune verbreiten? Und dann fiel mir eine Verkäuferin auf, die auch Menschen anlächelte und Freundlichkeit verbreitete, viel gekonnter als ich, und ich dachte: schau, ich bin nicht allein.

Und ich glaube, dass das auch im Großen funktioniert: wenn wir an einer Stelle in unserem Land mehr Freundlichkeit lernen, dann haben alle etwas davon, die sie brauchen, egal, wo sie geboren sind.

Gott sät mehr, als wir denken

Natürlich löst Lächeln nicht alle Probleme, aber es geht mir darum, dass wir wahrnehmen, wieviel Gott im Verborgenen tut, unscheinbar in den Nischen, unvorhersehbar in seinen Wegen, ohne dass wir geahnt hätten, wieviel gute Saat er ausstreut, die sogar jetzt schon erste Früchte trägt. Es hängt ganz viel davon ab, dass wir diesen ersten Früchten aus Gottes Aussaat trauen, und uns an ihnen freuen, dass wir diese Pflänzchen hegen und pflegen, bei uns und bei anderen. Daraus soll die Ernte dieser Welt entstehen. Und es wäre gut, wenn auch die Verantwortlichen diese Früchte wahrnehmen und dem vertrauen, was Gott schon unter uns wachsen gelassen hat.

Mindestens als Möglichkeit ist das doch sichtbar geworden: dass wir ein gutes, gastfreundliches Land sein könnten, das zusammenhält und ein Herz voller Erbarmen hat. Wird das auch Wirklichkeit werden? Oder gibt es doch zu viele, denen das unheimlich ist, auf die freiwillige Hilfsbereitschaft zu setzen, auf Opferbereitschaft und Engagement, und erst in zweiter Linie auf Regeln, Gesetze und Kontrolle?

Ja, wir brauchen auch gute Gesetze und Regeln, wir brauchen sie dringend, aber die Stärke eines Volkes ist der Geist, der herrscht, das gute Herz, und auch wenn das für manchen naiv klingen mag: Menschen mit einem guten, liebevollen Herzen sind unser wichtigstes Kapital. Die schützen uns am Ende viel wirksamer als alle Sicherheitssysteme. Das Wichtigste ist, den Geist des Erbarmens überall zu stärken und dafür zu sorgen, dass er tätig werden kann und nicht durch zu viele Vorschriften und Kontrollen gelähmt wird. Das Wichtigste ist die einfache Regel, die Paulus im Römerbrief (12,21) formuliert: »Überwinde das Böse mit Gutem«. Wo das geschieht, da reifen die Früchte Gottes heran.

Die Weinernte und die Kelter

Und damit kommen wir zur Weinernte. Wein ist das Zeichen der Freude und des Festes. Gott vergleicht Israel immer wieder mit einem Weinstock, den er gepflanzt hat. Da reift der Wein für Gottes großes Fest am Ende der Zeit. Und so wird am Ende auch der Wein geerntet. Aber so, wie im Bild der Getreideernte auch die scharfe, schneidende Sichel ihren Platz hat, so gehört zur Weinernte das Bild von der Weinpresse, der Kelter, in der damals die Trauben zertreten wurden, damit man den Saft gewinnen kann. Und auf einmal wird dieser Saft zu Blut und strömt als tiefer Strom über das Land. Das ist ein schwieriges Bild. Was soll es bedeuten?

Das Blut Jesu

Zunächst einmal sollten wir auf die Bemerkung hören, dass die Kelter außerhalb der Stadt getreten wird. Außerhalb der Stadt wurde Jesus gekreuzigt. Und im Abendmahl ist sein Blut auch mit Wein verbunden. Ich glaube, dass wir dieses Bild von der Kelter Gottes und dem Blut nur verstehen, wenn wir Jesus und seinen Tod da mit drin haben. Immer wieder spricht ja die Offenbarung von Jesus, dem Lamm, das durch sein Blut gesiegt hat. Zur Ernte der Welt gehört das Leben und Sterben Jesu, es ist ja der entscheidende Teil der Ernte. Alles, was sich bei uns an Früchten zeigt, wächst letztlich aus dem Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu heraus. Und immer wieder sagt die Offenbarung, dass auch seine Nachfolger standhaft bleiben sollen und etwas opfern müssen, möglicherweise auch ihr Leben. So wie Jesus durch sein Leben und seinen Tod gesiegt hat, so siegen auch seine Nachfolger durch ihre Bereitschaft, Leiden in unterschiedlichem Ausmaß auf sich zu nehmen.

Am Tod Jesu zeigt sich, wieviel Bosheit und Gewalt in dieser Welt ist, und gleichzeitig sehen wir, wie völlig geschieden Gott davon ist. Die Welt, die Jesus ans Kreuz brachte, ist das totale Gegenteil der Welt, die Gott gewollt hat. Und das ist die Stelle, an der Gottes Zorn verständlich und klar wird. Gott sagt konsequent Nein zu einer Welt, in der Menschen gehasst und gekreuzigt werden. Gegen diese Welt kämpft er kompromisslos. Aber er kämpft auf seine Weise, und die können wir vielleicht nur in solchen Bildern ausdrücken wie in diesem Strom von Blut aus der Kelter.

Ist Liebe für manche unerträglich?

Auf eine schwer zu definierende Weise sind Gottes Zorn und seine Rettung miteinander verbunden. Ein Strom, der ins Land geht, ist in der Bibel eigentlich mit Segen verbunden. Aber hier ist es ein Strom von Blut, zu dem mindestens auch das Blut Jesu und mancher seiner Nachfolger gehört. Aber wenn es das Blut Jesu ist, dann bedeutet es ja Segen. Gottes Gericht geschieht gerade durch das Blut Jesu und seiner Nachfolger, also durch ihr beharrliches, kostspieliges Festhalten an dem Weg der Freundlichkeit und Gewaltlosigkeit.

Ist das vielleicht beides in einem: für die einen Rettung und Hoffnung, für die anderen Gericht und Schrecken? Ist es vielleicht so, dass die Freundlichkeit und Liebe von Nachfolgern Jesu in bösen Menschen Angst und Hass auslöst, dass sie darunter leiden, dass es für sie unerträglich ist, wenn andere mitten in dieser dunklen Welt Licht verbreiten? Ist es vielleicht so, dass es für manche Menschen ein Horror wäre, wenn sie in einem freundlichen Land mit einem guten Herzen leben müssten? Weil dann so viel von der Dunkelheit in ihnen sichtbar wird? Ist der Segen, der von Jesus aus ins Land strömt, vielleicht für manche ein tödliches Gift, das ihre Eingeweide zerfrisst und sie quält wie die Panzerheuschrecken aus Kapitel 9 der Offenbarung? Ist das möglicherweise der Grund, warum unsere Bundeskanzlerin plötzlich so viel Hass auf sich zieht mit ihren Worten »Wir schaffen das«? Weil dadurch die Angst und Lieblosigkeit von vielen so deutlich sichtbar wird?

Was feststeht

Liebe Freunde, die Erschütterungen in dieser Welt haben jetzt endgültig auch uns erreicht. Die Dinge spitzen sich zu. Wer heute Flüchtlingsheime anzündet, zündet morgen vielleicht Kirchen und Gemeindehäuser an, und übermorgen tut er möglicherweise noch Schlimmeres.

Sicher sind nur zwei Dinge: Gottes Zeit kommt, wo er seine Welt und sein Volk nach Hause bringen wird. Er kann auch aus Bosheit, Gewalt und Dummheit Gutes entstehen lassen. Das ist das eine.

Das andere ist: er möchte das zusammen mit uns tun, mit seinem Volk, das nicht wankt und irrlichtert, sondern festhält an Liebe und Zuwendung, und dafür möglicherweise einen Preis bezahlen muss. Die Offenbarung wurde dazu geschrieben, dass wir fest stehen, uns nicht erschrecken lassen, beten, klar sehen, die Geister unterscheiden, an der Nachfolge Jesu festhalten, in sein Werk der Liebe investieren, alle Menschen guten Willens bestärken und ermutigen, Gott loben, Gelassenheit und Vertrauen zeigen und ein Segen für die Welt sind.

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