Besseres als Mammon

Predigt am 23. Juli 2017 zu Matthäus 6,24-34 (Predigtreihe Bergpredigt 10)

Verfasser: Walter Faerber

Jesus sprach: 24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. 25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?

26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? 28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. 29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.

30 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! 31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.

33 Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. 34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

Jesus macht hier im Zentrum der Bergpredigt eine deutliche Alternative auf: zu wem willst du gehören, auf wen willst du hören, wem willst du dienen? Gott oder dem Mammon? Mammon ist der sprichwörtliche Götze des Geldes, aber Geld bedeutet mehr als die Talerchen im Geldspeicher oder die Zahlen auf dem Kontoauszug: Mammon steht für Macht und für den Komfort und die Sicherheit, die durch Macht kommen. Davon kann man nie genug haben. Und deshalb ist der Mammon unersättlich.

Bild: GDJ via pixabay, Lizenz: creative commons CC0

Und gleichzeitig sagt Jesus, dass der Mammon selbst eine Macht ist. Mammon macht etwas mit seinen Anhängern. Jeder Götze formt die Menschen, die ihm vertrauen. Das, was bei uns an der Spitze der Wichtigkeiten steht, das bestimmt darüber, was wir für Menschen sind.

Das erste Gebot von allen

Schon das Alte Testament sagt: du sollst neben dem lebendigen und wahren Gott keine anderen Götter haben! Du sollst dich also nur von dem lebendigen Gott gestalten lassen, weil du sonst von Mächten geprägt wirst, die sich das Leben einverleiben und auch deine Lebenskraft aussaugen, und am Ende werfen sie dich weg und zehren von ihrem nächsten Opfer.

Ich glaube, noch keine Generation vor uns konnte so deutlich die Verwüstungen sehen, die Mammon anrichtet. Alles was wir hören und sehen über den Plastikmüll im Meer oder über den Klimawandel, über Tiere in Tierfabriken und über die Vernichtung des Regenwaldes – ich spare mir weitere Beispiele, weil wir die alle kennen: jedenfalls all diese Spuren der Verwüstung, die sich auf unserem Planeten inzwischen finden, es sind Spuren des Mammon. Mammon verwandelt Natur in Geld, er verwandelt Lebenszeit in Geld, er verwandelt Schönheit in Geld, und er verwandelt Geld in immer mehr Geld, bis am Ende die nächste Finanzkrise das Leben ganzer Völker ruiniert.

Mammon sickert überall ein

Und gleichzeitig sickert der Mammon in unser ganzes Leben ein: wir kaufen immer weniger in einem Laden, wo du die Leute kennst, wo Menschen arbeiten, die deine Nachbarn sind oder mit denen du im selben Verein bist, sondern wir kaufen immer mehr von Leuten, mit denen uns nichts anderes verbindet als dieser Kauf, dieses Geschäft. Solange du das Geld hast, ist das bequemer, aber es macht dein Leben auch ärmer. Und ohne Geld siehst du ganz alt aus.

Früher hat man einfach in die Rentenkasse eingezahlt und sich darauf verlassen, dass die nächste Generation mitmacht und eines Tages die Verantwortung übernimmt. Das waren zwar nicht mehr deine eigenen Kinder, aber immerhin war es die Generation deiner Kinder, die dann ihre Elterngeneration versorgt. Heute sollst du möglichst viel von deiner Vorsorge als Privatmensch abschließen, es ist ungeheuer kompliziert, niemand blickt durch, und du weißt nicht, wem du dich und deine Altersvorsorge da anvertraust, und ob das alles nicht irgendwann in den Untiefen des Kapitalmarktes verschwindet.

Reduziertes Menschsein

Das ist die Faszination des Götzen Mammon: er macht vieles bequemer, komfortabler, und es sieht erstmal sehr sicher aus. Aber irgendwer zahlt auch drauf dabei: die Leute, die irgendwo auf der Welt bei Hungerlöhnen für uns arbeiten, die Natur, die da reingezogen wird, und auch wir selbst, weil unsere Seele verarmt. Wir wollen doch mit den anderen nicht bloß als Vertragspartner verbunden sein, sondern als ganze Menschen, die man nicht auf Zahlen und geschäftliche Transaktionen reduzieren kann. Wir sind doch mit Menschen tiefer verbunden als durch Verträge, die man einfach kündigt, wenn die Partner nicht liefern. Wir leben mit Menschen, wir freuen uns mit ihnen, ja – sie enttäuschen uns auch: auf jeden Fall haben wir eine gemeinsame Geschichte, die man nicht auf Euros reduzieren kann.

Aber wenn der Mammon uns nach seinem Bild gestaltet, dann sehen wir tatsächlich die Welt immer mehr als ein Geflecht von Verträgen wo immer mehr vom Menschlichen auf Zahlen und Fakten reduziert wird. Dann werden unsere Bindungen zu immer mehr Menschen immer flacher. Dann fragen wir immer schneller: was bringt es mir eigentlich? Oder wie es neulich eine Bankwerbung so richtig auf den Punkt gebracht hat: unterm Strich zähl ich.

Der Mammon macht große Versprechungen, und gleichzeitig wissen wir, das er launisch ist, und man sich auf seine Versprechen nicht wirklich verlassen kann. Und wir hängen dazwischen und versuchen uns irgendwie durchzuschlängeln:

Die Klasse, die dazwischen hängt

Ich vermute, dass die meisten von uns zur globalen Mittelklasse gehören. Wie man lebt, das hängt ja heute gar nicht mehr so stark davon ab, ob man in Europa und den USA lebt, oder in Asien, Lateinamerika und Afrika. Es sollte sich herumgesprochen haben, dass die da keineswegs alle in Lehmhütten hausen. VW verkauft inzwischen mehr Autos in China als in Europa, MacDonalds ist sowieso schon längst überall, und die Shoppingcenter ähneln sich auch, nicht nur in deutschen Städten. Wie man lebt, das entscheidet sich viel stärker am Einkommen und am Bildungsstand als am Kontinent, auf dem man geboren ist.

Diese globale Mittelklasse, zu der vermutlich die meisten von uns irgendwie gehören, die hat über sich das eine Prozent der Superreichen und Mächtigen, und unter sich die Leute aus den Slums und die Kleinbauern und die Wanderarbeiter und alle, die es irgendwie nicht zu einem gesicherten Status schaffen. Wir sind nicht die, die wirklich in der Welt bestimmen, aber gegen uns kann auch keiner die Welt regieren. Und das Dilemma ist: zu wem gehören wir? Gehören wir zum Mammon, der die Superreichen ebenso produziert wie die Menschen, die nicht gebraucht werden und deswegen von ihm auch nichts zu erwarten haben? Gehören wir zum Mammon, der alternativlos aussieht, auch wenn wir über die Verwüstungen, die er anrichtet, ziemlich gut informiert sind? Oder gibt es doch eine Alternative?

Eine Macht, die sich alternativlos gibt

In der Zeit von Jesus hat keiner auch nur im entferntesten geahnt, wie der Mammon eines Tages unseren Planeten umgestalten würde. Und trotzdem hat Jesus sehr deutlich verstanden, was für eine Macht das ist. Und er hat dafür gelebt und ist dafür gestorben und auferstanden, dass wir eine Alternative haben. Diese Alternative beschreibt er in der Bergpredigt, und heute sind wir an dem Abschnitt, wo der Kern dieser Alternative beschrieben wird.

Jesus sagt: der Mammon hat den Fuß in der Tür, weil ihr euch Sorgen macht. Weil ihr glaubt, es ist nicht genug da, es reicht nicht für alle. Sorgen machen sich Menschen, seit es zwischen uns und Gott einen Riss gegeben hat. Wir haben Gott den Rücken zugekehrt, und jetzt vertrauen wir ihm nicht mehr. Und deswegen müssen wir dann an den großen Mächten in unserer Welt orientieren, obwohl wir wissen, dass die nicht wirklich vertrauenswürdig sind.

Leben ist größer

Und dann kommt Jesus und sagt: auch wenn ihr es kaum glauben mögt, aber ihr habt einen Vater im Himmel, und der hat die Welt und alles geschaffen und euch ins Leben gerufen. Ihr seid seine Geschöpfe, die er gewollt hat und die er liebt. Und wenn er euch das Leben gegeben hat, wird er euch dann nicht auch die anderen Dinge alle dazu geben? Ihr habt einen Vater, der für die Spatzen und die Blumen sorgt, und dann wird er doch mindestens ebenso freundlich auf euch schauen, die er zu seinen Ebenbildern geschaffen hat!

Leben ist so viel mehr als das, was Mammon anbietet. Leben ist Verbundenheit mit dem großen Leben, Leben ist Schönheit, Leben ist Freude, Leben ist Solidarität, Leben ist Reichtum, Leben ist Tiefe, und wenn wir das durch Shopping, Fernsehen und Spaß ersetzen, dann sind wir hoffnungslos unterfordert. Dann schöpfen wir unser Potential überhaupt nicht aus. Dann kann man uns irgendwann wirklich abschaffen und durch Roboter ersetzen. Wenn wir uns das Gespür für das volle Leben vom Mammon abtrainieren lassen, dann werden wir schutzlos und verletzlich, weil wir dann nicht mehr wissen, wozu man eigentlich leben soll. Wer nicht mehr weiß, wofür er lebt, der stirbt am nächsten Krankenhauskeim. Wenn wir nur noch in Vertragsbeziehungen leben, dann stehen wir alleine da, sobald uns das Geld ausgeht.

Leben schützt

Vor vielen Jahren habe ich mal eins meiner ersten Gespräch vor einer Taufe mit einer Familie geführt, wo der Mann gerade ziemlich viel Stress im Betrieb hatte. Da war irgendwas schiefgelaufen, und jetzt versuchten alle, einen Sündenbock zu finden, dem man die Schuld geben kann. Und dann sagte er: aber wissen Sie, als jetzt unsere Tochter geboren wurde, da war mir das völlig egal. Es hat mir überhaupt nichts gemacht, bei dieser scheußlichen Sitzung dabei zu sein. Das zu erleben, wie unsere Tochter auf die Welt kam, das hat mich unangreifbar gemacht.

Es war ganz deutlich, dass er da einfach so intensiv mit dem Leben in Kontakt war, dass ihn das Trübe und Miese gar nicht erreicht hat. Und ich denke, mit dem Leben in Kontakt zu sein, mit dem Schöpfer des Lebens zusammenzugehören, das macht uns wirklich stark. Ich glaube, das meint Jesus: wenn du dich nicht durch die Sorgen und Versprechungen des Mammons vom Leben wegholen lässt, dann hast du einen viel besseren Schutz als irgendwo sonst.

Einladung in den neuen Bund

Jesus will uns von der Faszination durch den Mammon befreien, der uns das Gespür für das gute Leben raubt. Und er will uns die Augen öffnen für den Segen, der von Gott her durch die Welt fließt, trotz aller Zerstörungen, die Mammon und seine Menschen angerichtet haben. Jesus ist die Einladung Gottes, zurückzukommen zum Vater im Himmel, der all die Zeit über an uns festgehalten hat und in dessen Herzen wir einen festen Platz haben. Gott schließt keinen Vertrag mit uns, sondern er hat einen Bund mit uns geschlossen. Den kündigt man nicht einfach mal so, wenn der Partner seine Verpflichtungen nicht erfüllt. Deshalb hat Gott sich in einen Menschen übersetzt, ist als Mensch gekommen, damit wir sehen können wie er wirklich ist, damit wir uns erinnern und zurückfinden. Und gleichzeitig zeigt uns dieser Mensch, wie das Leben aussieht, für das wir geschaffen sind. Das ist die Einladung.

Vielleicht sind wir auch die erste Generation, die ganz deutlich sehen kann, dass es nicht reicht, sich irgendwie durchzuschlängeln, ohne sich festzulegen. Das haben wir alle genug probiert, das haben schon die Generationen vor uns so gemacht, und das Ergebnis ist katastrophal. Jesus hat es schon längst gewusst: ihr könnt nicht einerseits zum lebendigen Gott gehören und gleichzeitig auch dem Mammon. Das läuft einfach nicht.

Keep out the Devil!

Ich habe neulich gelesen, wie jemand so eine Art Entschuldigungsbrief an die nächste Generation formuliert hat, in Kurzfassung klang der ungefähr so: Also, das mit dem zerstörten Planeten, das waren wir. Wir sind mit Vollgas gegen die Wand gefahren, ihr wart im Kindersitz auf der Rückbank dabei. Aber der Urlaub war uns wichtiger als eure Zukunft. Sorry.

Das beschreibt ganz gut, was passiert, wenn Menschen versuchen, sich irgendwie dazwischen durchzuschlängeln. Und es geschieht nicht, weil Menschen ihre Kinder nicht lieben würden, sondern weil man nicht frei ist, so lange der Mammon noch einen Fuß in der Tür hat, er und all die anderen gottlosen Mächte. Es ist nicht die Bosheit, sondern die Unentschlossenheit, die den größten Anteil hat an den Zerstörungen im Großen und im Kleinen.

Es soll euch zuerst und vor allem anderen um Gottes Reich auf dieser Erde gehen, sagt Jesus. Es geht um eure Prioritäten. Eure Sorge soll sich auf das große Leben Gottes konzentrieren, von dem diese Welt lebt. Das andere wird euch dann alles geschenkt. Gott sorgt für euch. Er könnte hinzusetzen: ich habe es ausprobiert, und es hat funktioniert. Die Alternative ist wirklich da. Niemand muss sich dem Mammon verschreiben. Gottes Freiheit ist mitten unter uns.

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