Die Bergpredigt – im Ganzen gesehen

Predigt am 12. November 2017 zu Matthäus 5-7 (Predigtreihe Bergpredigt – Übersicht über die ganze Bergpredigt)

Verfasser: Walter Faerber

Nachdem wir uns seit dem Januar Stück für Stück durch die Bergpredigt hindurchgearbeitet haben, schauen wir nun noch einmal auf den großen Zusammenhang.

Die Bergpredigt im Matthäusevangelium

Die Bergpredigt steht im ersten Buch des Neuen Testaments, im Matthäusevangelium. 28 Kapitel hat es, und die Bergpredigt steht ganz vorn in den Kapiteln 5 bis 7. In den vier Kapiteln vorher findet sich der Stammbaum Jesu, die Geschichten von seiner Geburt und seiner Kindheit, von Johannes dem Täufer, von der Taufe Jesu und seiner Versuchung, dann beruft er seine ersten Jünger und beginnt zu öffentlich zu sprechen. Es gibt eine ganz knappe Zusammenfassung seiner Botschaft in 4,17. Da sagt er: »Kehrt um! Denn das Reich der Himmel (also die Herrschaft Gottes), ist nahe!« Und dann beginnt die Bergpredigt als konzentrierte Beschreibung des neuen Weges, den Jesus bringt. Das ist die Umkehr, von der er gesprochen hat. Umkehren bedeutet: nach der Botschaft der Bergpredigt leben.

Am Ende der Bergpredigt in 7,28 heißt es dann: »Als Jesus seine Rede beendet hatte, war die Menge tief beeindruckt …«. Das ist erst einmal ein Schluss, wie man ihn erwarten könnte. Aber wenn man weiterliest, dann stößt man in 11,1 auf einen ähnlichen Satz: »Als Jesus seinen 12 Jüngern diese Anweisungen gegeben und seine Rede beendet hatte …«. Und das Kapitel 10 enthält eine weitere Rede Jesu an seine Jünger. Lesen wir weiter, dann kommt in Kapitel 13 wieder eine längere Rede Jesu, in der er Gleichnisse erzählt, und am Ende heißt es: »Als Jesus diese Gleichnisrede beendet hatte …«. Allmählich wissen wir jetzt, worauf wir zu achten haben, und wirklich, in Kapitel 18 folgt eine weitere Rede, da geht es um das Verhalten der Jünger untereinander, und am Ende heißt es: »Als Jesus seine Rede beendet hatte …«. Und schließlich finden wir in Kapitel 23-25 noch eine Rede Jesu, wo es im weitesten Sinn um das Gericht Gottes geht. Und natürlich heißt es dann am Ende: Als Jesus alle diese Dinge gelehrt und seine Rede beendet hatte …«. Danach kommen dann die Geschichten von der Kreuzigung und Auferstehung.

Wenn wir also jetzt auf das ganze Matthäusevangelium schauen, dann finden wir dort fünf große Reden Jesu, durch die das Evangelium gegliedert wird. Die Bergpredigt ist sozusagen die Grundsatzerklärung am Anfang. Dann kommt die Rede über den Auftrag Jünger, danach die Gleichnisse, dann eine Beschreibung, dass es in der Gemeinde nicht um Macht, Ruhm und Vorrang geht, und schließlich die Erinnerung daran, dass Gott alle zur Rechenschaft ziehen wird, die sich seinem Willen widersetzen.

Und wer sich damals in der Bibel auskannte, den haben diese fünf Reden am Anfang des Neuen Testaments erinnert an den Anfang des Alten Testaments, nämlich an die fünf Bücher Mose. Und auch wenn Jesus hier auf einen Berg steigt, dann erinnert das an Mose, der auf dem Berg Sinai von Gott das Gesetz empfing. Hier wird also indirekt gesagt: Jesus ist wie Mose, er gibt seinem Volk Regeln für das Leben, aber irgendwie ist Jesus größer als Mose.

Der Aufbau der Bergpredigt

Und nun schauen wir uns an, wie diese erste Rede, die Bergpredigt, aufgebaut ist. Drei Kapitel hat sie, und sie beginnt gleich am Anfang mit den Seligpreisungen, von denen die erste heißt: »selig sind die geistlich Armen«, und das ist auch die grundlegende Botschaft: es geht darum, arm und machtlos zu sein, aber nicht, weil einem sowieso keine andere Wahl bleibt, sondern die Jüngerinnen und Jünger Jesu sollen in der Kraft des Heiligen Geistes freiwillig auf den Weg der Macht und der Gewalt verzichten und aus Gottes Kraft leben. Wir sollen aufhören, dauernd über unsere Sicherheit nachzudenken, weil wir die eh nicht gewährleisten können, sondern wir können uns nur der guten Hand Gottes anvertrauen. Das ist der neue Weg Jesu, und dieser Weg wird in der Bergpredigt entfaltet. Es geht um die Beschreibung einer Lebensart, die Raum für Gottes Kraft der Liebe schafft.

Und am Ende der Rede sagt Jesus: wer so lebt, der baut sein Lebenshaus auf festen Grund. Der lebt in Sicherheit. Wer sich das aber anhört und es nicht umsetzt, der baut auf Sand und geht womöglich einer Katastrophe entgegen. An ihm wird sich zeigen, dass der normale Weg von Macht und Sicherheit in die Irre führt. Wenn Menschen aber tatsächlich auf diese Weise leben, dann werden sie »Salz der Erde« und »Licht der Welt« sein. Solche Menschen sind der entscheidende Faktor in der Welt, durch den Gott die Welt zu seinem Ziel bewegt. Die Seligpreisungen am Anfang und diese Schlussmahnung am Ende, das ist der Rahmen.

Der Grundgedanke aus unterschiedlichen Perspektiven

Der Gedanke der Seligpreisungen wird dann an Beispielen entfaltet. Die folgen alle dem Schema: »Ihr habt gehört, dass geschrieben steht … (nämlich im Gesetz des Mose) – ich aber sage euch …« Jesus knüpft an an das Alte Testament, aber er führt es weiter: Damals hat Gott euch gesagt .. – jetzt sage ich euch, wie das im vollen Sinn zu verstehen ist. Jetzt verkünde ich euch, worauf das alles hinauslief. Damals konnten unsere Vorfahren noch nicht den ganzen Willen Gottes verstehen – jetzt enthülle ich euch den umfassenden Zusammenhang. Und was dann folgt sind Beispiele, an denen wir dieses neue Denken nach und nach verstehen sollen. Jesus umkreist sozusagen seinen Kerngedanken und beleuchtet ihn von verschiedenen Seiten.

Dann folgen im 6 Kapitel weitere Beispiele, wo es nicht um das Verhalten gegenüber anderen Menschen geht, sondern wo beschreiben wird, wie man die geistliche Praxis, also vor allem das Beten, frei hält von dem Versuch, Gott oder Menschen zu manipulieren. Als positives Beispiel hören wir dort das Vaterunser.

Das Zentrum der Bergpredigt

Und nach all diesen Beispielen sind wir schließlich soweit, dass Jesus über den Kern dieses neuen Lebensstils sprechen kann. Der manipulative Lebensstil, der die Welt und die Menschen ausnutzen und ausbeuten möchte, fließt aus einem tiefen Misstrauen gegen Gott und seine Welt. Es ist nicht genug da, und deshalb muss ich mir dauernd Sorgen machen und auf Kosten anderer leben. Sonst komme ich zu kurz. Die neue Lebensart, die Jesus bringt, deren Grundlage ist das Vertrauen, dass ich nicht zu kurz kommen werde, weil Gott für seine Schöpfung und für seine Leute sorgt. Die Alternativen sind also: entweder Gott vertrauen, dass wir von seinem Segen leben können, oder dem Mammon dienen, der uns raffen und rauben lässt, ohne dass wir jemals der Herrschaft der Sorge entkommen würden. Diese Alternative ist der harte Kern der Bergpredigt.

Das wird dann in Kapitel 7 an einigen weiteren Fragen vertieft: die Jünger Jesu sollen ein sicheres Urteilsvermögen haben, aber sie sollen es nicht missbrauchen, um andere zu verurteilen und sich so über sie zu erheben. Sie sollen stattdessen beten und darauf vertrauen, dass wir einen freundlichen Vater im Himmel haben, und dass Gott seine Welt so geschaffen hat, dass genug da ist für alle. Er hat seiner Welt das Muster des Gebens und Schenkens schon in das Fundament eingeschrieben, und die Schöpfung funktioniert nur richtig, wenn jedes Geschöpf allen anderen dient.

Die fundamentale Alternative

Vertrauen in Gott oder misstrauisches Raffen sind die beiden Wege, zwischen denen man sich entscheiden muss. Unsere ganze Kultur drängt uns, den Weg des Misstrauens und des Beutemachens zu beschreiten, aber Jesus ruft uns auf den alternativen Weg des Vertrauens, Schenkens und Teilens. Das ist die wirkliche Alternative, für Deutschland und für jeden Einzelnen: Freundlichkeit, Vertrauen, Solidarität. Sie ist gegründet im Wissen um die Segensströme, die von Gott her in die Welt fließen. Sie machen uns reich und nicht arm. Wir haben genug, um zu teilen. Und nur so bleibt der Segen bei uns. Schließlich bekräftigt Jesus noch einmal, dass es nicht um religiöse Bekenntnisse geht, sondern um eine grundlegende Veränderung von Verhalten und Lebenseinstellung. Fromme Sprüche ohne echte Veränderung sind Heuchelei.

Wenn wir nun nach der zentralen Botschaft der Bergpredigt schauen, dann finden wir sie vor allem am Anfang bei den Seligpreisungen und in der Mitte, wo es um die Frage geht, wie denn nun der Gott Israels und der Christen wirklich ist. Das sind die Gedanken, um die sich alles andere herum gruppiert.

In der Mitte, wo die Alternative »Gott oder Mammon« erscheint, da geht es im Grunde um das erste Gebot: »Ich bin der Herr, dein Gott – du sollst keine anderen Götter haben neben mir!«. Und Jesus enthüllt noch einmal tiefer als das Alte Testament, wie dieser Gott ist. Bisher haben sie schon viele Wahres und Gutes über Gott gewusst, sie haben damit durch die Jahrhunderte gelebt und ihn immer noch etwas besser kennengelernt. Und jetzt kommt Jesus und setzt diese Bausteine so zusammen, dass der gute Vater erkennbar wird, der für uns sorgt, so dass wir uns keine Sorgen mehr machen müssen. Wenn wir danach trachten, dass seine Herrschaft sichtbar wird und aufblüht, dann wird uns alles andere dazu gegeben werden. Und wir weisen vor allem so auf den Gott des Segens hin, dass wir Jesu Glückwunsch an die geistlich Armen akzeptieren und selbst leben als Menschen, die von Gott alles erwarten und deshalb bei dem Tanz ums Goldene Kalb der Sicherheit nicht mitmachen.

Eine Welt der Solidarität

Wie arm sind tatsächlich all die Leute dran, die nicht wissen, dass die Welt auf Gottes Reichtum und Segen gegründet ist. Wie arm sind alle dran, die sich in ihren kleinen Sicherheiten verschanzen und die große Angst nicht loswerden, dass jemand kommen und ihnen das alles wegnehmen könnte. Wie arm sind alle dran, die nichts wissen von der großen Solidarität der Geschöpfe, auf die hin unsere Welt eingerichtet ist. Und die Segensquellen der Schöpfung werden verstopft und vergiftet, weil die Leute alle schlauer sein wollen als Gott und sich die tollsten Auswege ausdenken, um nur nicht am Ende doch zu Gott kommen zu müssen. Aber der Vater im Himmel wartet geduldig, er hat sein Wort in die Welt hineingegeben, und am Ende wird dieses Wort sein Werk tun und die ganze Schöpfung zurückholen ins Vaterhaus.

Am Ende steht die neue Welt Gottes, in die Jesus uns einlädt. Am Ende wird die Welt nicht dem Mammon gehören, dem Gott der Sicherheit und der Macht, dem Gott des Raffens und Akkumulierens, sondern dem Vater des Lebens, dem lebendigen Gott, der sich in Jesus als Mensch offenbart hat, damit wir den Weg des Lebens kennen und – gehen.

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