Schnittstellen für Gott

Predigt zur Konfirmation am 7. Mai 2017 mit den Konfirmationssprüchen

Verfasser: Walter Faerber

Auf diesen Tag heute sind wir nun seit knapp fünf Jahren gemeinsam zugegangen. Es ist schon erstaunlich, wie schnell fünf Jahre vergehen können. 2012 hat euer erstes Konfirmandenjahr begonnen – damals wart ihr in der vierten Klasse. Und was für ein Weg da hinter uns liegt, das sieht man vielleicht am besten, wenn man sich die alten Bilder von damals ansieht. Ich hab sie mir jedenfalls wieder herausgeholt, z.B. dieses:

Das seid ihr bei eurer ersten Konfirmandenfreizeit in Tettenborn. Einige erkennt man gleich wieder, bei anderen muss man erst genau hingucken, und alle gemeinsam sind wir älter geworden. Dieses Bild ist ziemlich genau vier Jahre alt.

Und wir haben damals schon schöne Sachen zusammen gemacht. Z.B. haben wir zusammen einen ganzen Gottesdienst vorbereitet. Auch die Zeichnungen für das Plakat links sind von euch, einige haben im Gottesdienst Musik gemacht oder eine Theaterszene gespielt über die erste Begegnung von Maria Magdalena mit dem auferstandenen Jesus, und alle zusammen habt ihr dann mit der Gemeinde in kleinen Gruppen über den Bibeltext gesprochen. Die Ergebnisse haben wir vorne auf einer Tafel gesammelt. Von diesem Gottesdienst gibt es sogar ein Video, und ein paar Szenen daraus gucken wir uns jetzt gleich an. Die Lautstärke ist nicht immer optimal, manchmal ist es zu laut und manchmal zu leise, aber man kriegt einen Eindruck davon, wie es ist, wenn eine ganze Kirche gleichzeitig über so einen Text aus der Bibel redet.

Ihr habt das damals schon richtig gut hingekriegt, mit den Erwachsenen über so einen Bibeltext zu reden. Wir haben es ja auch lange vorbereitet. Und trotzdem war es ein Abenteuer. Diese Zeit nach Ostern ist die beste Zeit für Wagnisse, für Neuanfänge, zum Ausprobieren von ungewöhnlichen Dingen. Jesus ist auferstanden, und deshalb ist nichts mehr so wie vorher. Das Gewaltsystem, das die Menschen so lange scheinbar alternativlos im Griff gehabt hat, ist überwunden, seine Macht ist gebrochen, Menschen trauen sich, da nicht mehr mit dabei zu sein. Menschen lösen sich von den überholten und verstaubten Denkweisen und entdecken den auferstandenen Jesus, der von nun an die Welt regiert und die neue Welt Gottes einsickern lässt in die dunklen Zonen und in den Unfrieden der alten Welt, damit auch dorthin das Licht der Auferstehung kommt.

Und von dieser Kraft der Auferstehung, die nichts so lässt, wie es war, redet der Konfirmationsspruch, den Justin heute bekommt (Johannes 16,33):

Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Jesus spricht hier von der Welt, wie sie ist: voller Gewalt und Ungerechtigkeit; voller Unsicherheit und Gefahren, wenn man nach vorn schaut; voller Menschen, die von negativer Gefühle erfüllt sind und sich davon auch noch leiten lassen. Gemeint ist also nicht die gute Schöpfung, die Gott ins Leben gerufen hat, sondern was Menschen aus Angst und Gier damit gemacht haben. Ja, und das kann einem Angst machen. Ja, es ist sehr richtig, wenn man sich fragt, wo das alles noch hinführen wird. Und noch wichtiger ist es, von Jesus zu hören, dass er diese Welt überwunden hat. Wörtlich steht da sogar: ich habe die Welt besiegt.

Wie kann diese Welt überwunden werden? Garantiert nicht durch jemanden, der noch ein paar mehr Bomben schmeißt oder in Menschen Aggressionen weckt. Solche Menschen gab es zu Jesu Zeiten auch; aber Jesus hat die Welt überwunden, indem er sich gerade nicht von ihnen hat anstecken lassen; er hat die Welt besiegt, als er bis zum letzten Atemzug an seinem Weg der Liebe und Solidarität festgehalten hat.

Genauer hören wir davon im Bibelwort (1. Korinther 13,13) für Bennet:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Gott hat die Welt auf Liebe gebaut, sie ist die Grundkraft der Welt. Sie bleibt es auch, wenn Jesus die Welt, die wir kennen, erneuert. Liebe hält Ausschau nach den Anfängen dieser neuen Schöpfung, und das ist die Hoffnung. Liebe vertraut Gott, dass er seiner Schöpfung und uns treu bleibt, und das ist Glaube.

Jesus war so tief in diesem Positiven und Starken verwurzelt, dass er seinen Weg der Liebe ganz bis zum Ende gegangen ist. Bis zu seinem letzten Atemzug hat die dunkle Seite der Welt es nicht geschafft, ihn unter Kontrolle zu kriegen. Das war ein Durchbruch: ein Mensch, der auf Gottes Güte vertraut, der auf Gottes gute Zukunft hofft, und der voller Liebe und Barmherzigkeit bleibt, obwohl sich die ganze Unbarmherzigkeit der Welt an ihm austobt. Und Gott hat das bestätigt und ihn auferweckt, und dieser Weg Jesu bleibt bestehen. Er breitet sich aus und findet Widerhall in vielen anderen Leben und Herzen.

Und wir bitten darum, dass wir solche Menschen sind, die den Weg Jesu mitgehen und zur Heilung der Welt beitragen, und der Konfirmations­spruch, den Mia sich ausgesucht hat (Psalm 51,12), ist so eine Bitte:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Mit einem reinen Herzen ist gemeint, dass wir nicht irgendwo dazwischen stehen und es ein bisschen mit dem Guten halten und ein bisschen mit dem Bösen, sondern dass wir mit ganzem Herzen auf der Seite des Lebens stehen wollen, dass wir keine Menschen sein wollen, die Zerstörung und Schaden um sich herum verbreiten, sondern dass es unser ehrlicher, tiefer Wunsch ist, dass durch uns Heilung in die Welt kommt, wenigstens da, wo wir hingelangen.

Wir werden dann immer noch vieles falsch machen, aber wenn wir Gott lieben und ihn um ein ehrliches, klares Herz bitten, dann sind wir in Übereinstimmung mit ihm und er sorgt dafür, dass unser Geist erneuert wird und beständig mit ihm befreundet ist. Dass wir nicht hin- und hergerissen sind, sondern unser Herz fest ist in ihm. Dass wir ganze, gerade Menschen sind. Zu viele Menschen verbreiten um sich herum Verwirrung. Im Herzen fängt es an, dass wir nicht mehr kompliziert sind, und wenn da Klarheit herrscht, wenn unser Herz offen und einfach ist, dann verbreiten wir das auch um uns herum. Und dann kann unser Herz seine Kraft von Gott empfangen und mit Gott zusammenarbeiten.

Das beschreibt der Konfirmationsspruch von Finn aus dem Buch des Propheten Jesaja (40,31):

Die auf Gott vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen.

Wenn wir mit Gott verbunden sind, dann haben wir eine Energiequelle, die nicht in uns selbst liegt, sondern außerhalb von uns. Und wir können nicht vorhersagen, was da alles an Kraft zu uns fließen wird. Gottes Lebenskraft ist unerschöpflich. Und wenn wir uns an ihn wenden, wenn wir beten, wenn wir uns an ihn erinnern, dann öffnen sich Türen, an die wir vorher nicht gedacht haben. Und die Energiebilanz unseres Herzens verschiebt sich.

Hier im Psalm wird das mit dem Bild des Adlers und seiner mächtigen Flügel beschrieben, der majestätisch seinen Weg durch die Luft zieht. Und das heißt: wir werden königliche Menschen, die nicht mehr von anderen getrieben werden, sondern die sich in ruhiger Kraft ihren eigenen Weg bahnen, und denen Gott im entscheidenden Moment die richtige Portion Energie schickt.

Man kann diesen Zusammenhang auch ganz kurz formulieren, so wie es der Konfirmationsspruch von Lean aus dem 1. Mosebuch (12,2) tut:

Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.

Das sagt Gott zu Abraham, dem Stammvater des Gottesvolkes, gleich nachdem Menschen den Turm zu Babel gebaut haben und die Menschheit sich in immer aggressiveren Gewaltstaaten organisiert. Aber Gott beruft einen Mann und seine Familie, später ein ganzes Volk, noch später ein Volk aus allen Völkern, damit sie ein Segen für die Welt sind.

Und so sind wir berufen, ein Segen zu sein, in den Spuren Jesu zu gehen und jetzt schon ein Zeichen für die neue Welt von Gott her zu sein. Und das ist der beste Weg, um selbst Anteil zu bekommen an dem Segen, der von Gott in die Welt strömt. Segen muss fließen, er soll weitergegeben werden. Segen legt einen Glanz auf das Leben, vieles geht dann einfacher und mit weniger Mühe, so wie wir es eben in Finns Vers mit den Adlersflügeln gehört haben. Und wenn wir selbst auf den Segen konzentriert sind, um ihn weiterzugeben, dann werden wir ihn auch bei uns selbst wahrnehmen und uns dafür öffnen.

Dann bekommen wir Zutrauen zur Zusage Gottes, von der auch im Spruch für Lasse aus Josua 1,5b die Rede ist:

Gott sagt: Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, dich nie im Stich lassen.

Das stammt aus der Zeit, als aus der Familie Abrahams schon ein großes Volk geworden ist, und Josua steht vor der Aufgabe, dieses Volk in das neue Land zu führen. Und er macht sich zu Recht Sorgen, ob er das hinkriegt.

Aber auch er hört diese Zusage: ich lasse dich nicht im Stich. Vergiss nie, dass ich dabei bin! Das ändert die ganze Situation. Ein Mensch ist nichts Abgeschlossenes, sondern gerade in unserem Zentrum ist eine Schnittstelle, die dafür gedacht ist, dass wir dort mit Gott verbunden sind und von ihm her Kraft und Rat, Richtung und Ermutigung bekommen. Wir sind grundlegend so eingerichtet, dass wir im Gegenüber zu Gott leben, dass wir mit ihm zusammen unseren Weg gehen, im Gespräch und in Freundschaft. Dann wird Gott unsere Lebensquelle und der Schutz für die Wunden des Lebens.

Und auch der Konfirmationsspruch von Tom aus dem 91. Psalm (v. 11 + 12), der auch sein Taufspruch war, redet von dieser Bewahrung, die Gott allen verspricht, die in Gemeinschaft mit ihm durchs Leben gehen:

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest.

Dieser Vers spielt ja eine Rolle in der Diskussion zwischen Jesus und dem Versucher, ganz am Anfang des Weges Jesu, als der Böse ihn auffordert den Test zu machen und vom Tempeldach zu springen. Damit hätte Jesus zu Gott sozusagen gesagt: »Ich teste jetzt mal, ob du mich wirklich liebst«, und wir wissen, dass man damit jede Beziehung ruinieren kann.

Jesus hat sich darauf nicht eingelassen, weil er wusste: es geht nicht um einen Freifahrschein, um garantiert immer in der ersten Klasse durch die Welt zu reisen, sondern das ist eingebettet in die Vertrauensbeziehung zu Gott. Jesus hat Gottes Liebe zur Welt geteilt. Und deshalb bekam er die Schmerzen und Mühen dieser Welt sehr deutlich zu spüren. Er wusste, dass man nicht lieben kann, ohne das Risiko, mitleiden zu müssen. Wer jeden Schmerz vermeiden will, der achte darauf, dass er sein Herz an keinen Menschen verliert, noch nicht mal an ein Tier.

Aber auf diesem Weg der Liebe wird Gott dich mit seinen guten Mächten begleiten, er wird dir immer wieder auf unvorhersehbare Weise neue Kraft und Orientierung geben.

Davon redet ebenfalls der Vers, der bei Annalena auch der Taufspruch war (Psalm 43,3):

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten.

In diesem Psalm bittet jemand, dass er in allen Verwirrungen und Gefahren dieser Welt seinen Kurs behält und sein gutes Ziel erreicht. Und er weiß, dass er dazu Gottes Licht und Gottes Wegweisung braucht. Vielleicht hat der eine oder die andere schon gemerkt, dass ganz viele von den Konfirmationssprüchen diese Beziehung zu Gott von unterschiedlichen Seiten beschreiben. Hier liegt die Betonung auf der Orientierung in unübersichtlichen Zeiten.

Und da sagt jemand: ich würde gern trotz all dieser verwirrenden und bedrückenden Umstände immer zurückfinden in die helle und klare Gemeinschaft mit dir, Gott. Aber mir passiert es so schnell, dass ich die Übersicht verliere, und deshalb sorg du dafür, dass ich so etwas wie einen Kompass habe: dein Licht und deine Wahrheit. Ich möchte die Wahrheit über die Welt und über mein Leben kennen und nicht den Kontakt dazu verlieren. Bitte sende das immer wieder in meine Gedanken hinein. Erinnere mich daran. Da weiß jemand: ich selbst vergesse das immer so schnell, ich lasse mich schnell zu etwas anderem hinziehen. Aber ich bitte dich, Gott, dass du das von deiner Seite her ausgleichst.

Wenn wir so bitten, dann wird Gott darauf antworten. Er wird sein Licht und seine Wahrheit senden, und wir können tun, wozu uns der Spruch für Mats aus dem Epheserbrief (5,8b-9) einlädt:

Lebt als Kinder des Lichts – die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Da kommt alles zusammen: dass die Frucht unseres Lebens Güte ist, nicht Erfolg oder Großspurigkeit; dass unser Leben Gerechtigkeit hervorbringt, so dass niemand unter uns leiden muss, sondern Menschen an unserer Zuverlässigkeit etwas von der Treue Gottes erkennen können; und dass um uns herum Wahrheit herrscht, Lüge und Propaganda keinen Platz in unserem Leben haben. Dass unsere Worte und Taten etwas erkennen lassen von dem Licht Gottes. Als allererstes schuf Gott ja das Licht – und immer noch soll sein Licht alle Dunkelheit und alles Zwielichtige und Unklare vertreiben.

Als Kinder des Lichts zu leben, damit ist gemeint, dass wir aus dieser Klarheit heraus stammen und davon so geprägt sind, dass wir ganz von selbst diese Klarheit mitbringen. Mehr denn je brauchen wir das heute, wo viele sich die Welt so zurechtbiegen möchten, wie es ihnen am besten passt. Dagegen hilft vor allem, selbst in der Wahrheit verankert zu sein, von Güte und Gerechtigkeit umgeben zu sein. Und das alles nicht als abstrakte Begriffe und Werte, sondern als Lebensbeziehung zu Gott, der uns Tag für Tag seinen Segen und sein Licht sendet, der unser Begleiter ist und zu uns spricht, und von dessen Güte und Treue wir selbst leben genauso wie die ganze Schöpfung.

Ein Kommentar

  1. Hallo
    Wir waren am Wochenende aus den schönen Schwabenland bei der Familie Bauer auf der Konfirmation ein sehr schöner Gottesdienst, tolle Predigt sehr viel Wertschätzung für jeden Konfirmanden im Gedenkspruch ein Lob an den Pfarrer (Pastor)LG S.Lhotak

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