Liebe und Schutz

Predigt am 15. April 2018 (Konfirmation) mit den Konfirmationssprüchen

Verfasser: Walter Faerber

Heute schauen wir zurück die Zeit, die wir nun miteinander auf eure Konfirmation zugegangen sind: seit 2013, beinahe 5 Jahre. Und wir haben damals mit der Schöpfung angefangen, weil das die Grundlage von allem ist: Gott wollte, dass es Leben gibt. Gott wollte einen Raum für Schönheit und Freude, er wollte all das Lebendige, das in ihm ist, nicht für sich behalten, sondern mit anderen lebendigen Wesen teilen. Und so schuf er mitten im kalten, toten Weltraum einen Ort des Lebens für uns.

Und weil man das eigentlich gar nicht so theoretisch-abstrakt sagen sollte, deswegen haben wir ziemlich am Anfang selbst ein Paradies gebaut, mit Tieren und Pflanzen, mit einem Teich und den ersten Menschen. Wir haben überhaupt in diesen Jahren ziemlich viel Kreatives gemacht, und »kreativ« bedeutet ja: »schöpferisch«. Gott wollte uns als schöpferische Wesen, die wie er die Freude kennen, etwas Schönes und Neues zu schaffen.

Damals habt ihr so ausgesehen. Manche von euch erkennt man sofort wieder, manche sehen heute ganz anders aus. Einige sind schon in den letzten Jahren konfirmiert worden. Aber die meisten sind heute dabei. Ihr seht eigentlich ganz niedlich aus, findet ihr nicht? Heute gucken die meisten ernster, wenn sie fotografiert werden. Etwa so. Etwas von der Unbeschwertheit damals habt ihr verloren. Wahrscheinlich ist es manchen heute auch ein bisschen peinlich, in diese Zeit zurückzuschauen. Aber ich finde, man muss zu seinem Leben und zu seiner Vergangenheit stehen. Wir entwickeln uns alle weiter, wir haben früher alle anders ausgesehen als heute, und damals war das für uns so ganz normal. Inzwischen hat sich die Welt verändert, und wir mit ihr. Das ist kein Grund, um sich komisch vorzukommen.

Das erste Foto haben wir am Ende eures ersten Konfirmandenjahres gemacht, in Tettenborn, es ist knapp 4 Jahre alt. Dann kamen die drei Jahre dazwischen, wo wir uns nur in größeren Abständen gesehen haben. Im vergangenen Jahr ging es dann wieder los, da wurdet ihr zuerst zum Abendmahl zugelassen, in dem der ganze Weg Jesu konzentriert zusammengefasst ist. Das war im Herbst.

Und danach haben wir dann das Weihnachtsspiel vorbereitet und am Heiligen Abend hier in der Kirche gezeigt (links). Und so wie wir am Anfang mit den Paradiesgärten dargestellt haben, wie Gott aus Liebe zum Leben die Welt schafft, so haben wir im Weihnachtsstück gezeigt, wie sich Gottes Liebe in der Welt trotz allem ausbreitet und auf ungewöhnlichen Wegen auch zu Menschen kommt, die eigentlich viel lieber auf Distanz zu anderen gehen würden. Aber irgendwie schafft es Gottes Liebe doch immer wieder, die Herzen von Menschen zu erreichen.

Das liegt daran, dass die Welt von Anfang an dafür geschaffen worden ist, von Gott gesegnet zu werden. Und dieser Segen soll von uns weitergegeben werden. Das zeigt die Menschenkette auf diesem Bild (rechts), die unter dem Schutz Gottes die Erde umspannt. Ihr habt es beim letzten Konfirmandenvormittag gemalt, ebenso wie das Bild links, wo sozusagen Einzelszenen des Segens in Vergrößerung gezeigt werden: Szenen von Fülle und Gedeihen, von einem guten Leben. Für solche ein Leben in Fülle ist die Welt geschaffen worden, und wir sollen all die vielen Orte des Segens wahrnehmen und schätzen. Man kann das aber auch in einem ganz anderen, mehr technischen Bild beschreiben, wie hier rechts nämlich: Der Segen ist der Motor der Welt. Diese Gruppe hat das mit Zahnrädern dargestellt. Segen treibt alles an, er ist die zentrale Kraft, durch die alles in Bewegung bleibt. Und wenn wir schon bei diesem Bild sind, dann kann man sagen: wir sollen keine Menschen sein, die Sand ins Getriebe schütten und die Segenskraft bremsen, sondern wir sollen uns von dieser Kraft bewegen lassen.

Dafür muss man sich guten Impulsen aussetzen und sie aufnehmen – Glaube, Hoffnung und Liebe. Und damit sind wir bei euren Konfirmationssprüchen. In ihnen konzentrieren sich diese guten Impulse.

Wir fangen an mit Joeline und ihrem Spruch: Wir sehen sie im ersten Konfirmandenjahr, dann Joeline heute, und ihr Konfirmationsspruch aus dem 1. Korintherbrief (13,13) lautet:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Gott hat die Welt auf Liebe gebaut, sie ist die Grundkraft der Welt. Liebe vertraut Gott, dass er seiner Schöpfung und uns treu bleibt, und das ist Glaube. Und die Treue Gottes ist der tiefste Grund für Hoffnung. Die Welt hat ein festes, positives Fundament, auch wenn die dunkle Seite immer wieder versucht, das zu verfälschen.

Jesus war so tief in diesem Positiven und Starken verwurzelt, dass er seinen Weg der Liebe ganz bis zum Ende gegangen ist. Bis zu seinem letzten Atemzug hat die dunkle Seite dieser Welt es nicht geschafft, ihn unter Kontrolle zu kriegen. Das war ein Durchbruch: ein Mensch, der auf Gottes Güte vertraut, der auf Gottes gute Zukunft hofft, und der voller Liebe und Barmherzigkeit bleibt, obwohl sich die ganze Unbarmherzigkeit der Welt an ihm austobt. Und Gott hat das bestätigt und ihn auferweckt, und dieser Weg Jesu bleibt bestehen. Er breitet sich aus und findet Widerhall in vielen anderen Leben und Herzen. Glaube, Hoffnung und Liebe – das sind die Grundhaltungen, die den Weg Jesu und seiner Nachfolger kennzeichnen. Sie sind gut für alle, die uns begegnen, und sie sind gut für uns selbst, für die Gesundheit unserer Seele und die Lebendigkeit unseres Herzens.

Die Kraft von Glaube, Liebe und Hoffnung ist so stark, dass wir allein damit das Böse überwinden können. So sagt es der Vers aus dem Römerbrief (12,21), den Jonah sich als Konfirmationsspruch ausgesucht hat:

Römer 12,21: »Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!«

Es ist eine verhängnisvolle Überzeugung, dass man Böses mit Bösem überwinden kann. Bomben und Raketen schaffen genauso wenig etwas Gutes wie böse Worte und Gemeinheiten. Sie machen alles nur noch immer schlimmer.

Martin Luther King, der schwarze Bürgerrechtler, der so entschieden gegen die Unterdrückung der Schwarzen in den USA gekämpft hat und vor 50 Jahren ermordet wurde, hat das mal so ausgedrückt:

»Finsternis vertreibt keine Finsternis; nur Licht kann das tun. Hass vertreibt keinen Hass; nur Liebe ist dazu in der Lage.«

Und es war der entscheidende Moment im Leben Jesu, als er sich auch in der Qual der Kreuzigung nicht in Hass, Wut und Rachegedanken hineintreiben ließ, sondern an Liebe und Leben festhielt. Das ist die Kraft, die endlich und zuletzt alles Böse überwinden wird.

Und wir alle können die Entscheidung treffen, Menschen des Segens zu sein, Menschen, die segnen und helfen, anstatt gegen andere zu sein. Dazu muss man sich von Glaube, Hoffnung und Liebe leiten lassen und von Jesus lernen, wie das aussieht. Dann wird auch Unmögliches möglich.

Der Anfang davon ist das Vertrauen, dass wir für Gott nicht irgendeine Nummer sind, sondern dass er uns persönlich kennt und wir ihm am Herzen liegen. Davon spricht der erste Vers des 23. Psalms, den Tim sich für diesen Tag ausgesucht hat:

»Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln«

Der stammt vom König David, und den hat Gott als König Israels ausgesucht, weil er wusste, dass Davids Herz auf Gott ausgerichtet war. David hatte ein ganz vertrauensvolles Verhältnis zu Gott, ein inniges, persönliches Verhältnis, und das hat ihn auf seinem ganzen Weg begleitet, vom Hirtenjungen bis zum König. Er hatte ein Gefühl dafür, was jetzt dran war, was jetzt richtig war. Manchmal hat ihn das verlassen, und dann ging es schief, aber sein ganzer Weg ist nicht denkbar ohne dieses grundlegende Zutrauen: Gott schaut auf mich, ich bin ihm nicht egal, und ich möchte von ihm geleitet werden, weil mein Leben dann gut wird.

Jesus hat das auf eine noch tiefere Weise erlebt, dass Gott ihn auch in den dunklen Bereichen der Welt geleitet hat und ihm gezeigt hat, wie selbst dort ein Weg war, den er gehen konnte. Und weil wir zu Jesus gehören, deshalb können wir das auch für unseren eigenen Weg so erwarten: auch auf den schwierigen Strecken hat Gott einen Weg für uns, und deswegen sollen wir unser Herz für seine Impulse offenhalten.

Etwas Ähnliches sagt der Vers für Jana (Psalm 91,11-12):

»Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.«

Gott ruft uns auf den Weg der Barmherzigkeit und der Anteilnahme an den Mühen und Schmerzen der anderen, auf den Weg der Freiheit von allen zerstörerischen Mächten, und auf diesem Weg sollen wir behütet sein. Gott schaut auf uns und umgibt uns mit den Kräften der unsichtbaren Welt. Unsere Welt hat eine sichtbare Vorderseite, aber auch eine verborgene Innenseite. Wer die ignoriert, übersieht etwas Entscheidendes. Wir sollen lernen, auf das Unsichtbare zu hoffen: auf das, was noch nicht da ist, aber schon ganz nahe: eine Welt, in der niemand mehr auf Kosten anderer leben will. Jesus ist gekommen, damit es diese Welt jetzt schon an vielen Stellen gibt.

Als der Feind Jesus in Versuchung führen wollte, da hat er sich auf diesen Satz berufen und hat Jesus ermuntert, das zu testen: wird Gott mich wirklich behüten? Stimmt das wirklich? Aber damit wäre Jesus ins Misstrauen abgerutscht und hätte die Quelle seiner Kraft verloren. Es bleibt dabei, dass das ein Satz des Vertrauens ist. Wenn es soweit ist, dann wird Gott seine Engel senden, damit sie uns behüten, nicht vorher. Mit diesem Vertrauen können wir mutig vorangehen und müssen uns viel weniger Sorgen machen. Sorgen darum, wie es uns gehen wird, was andere von uns denken, ob es alles klappen wird, die können endlos unser Leben überwuchern. Dagegen hilft nur, sich immer wieder daran zu erinnern: wenn es soweit ist, dann wird sich ein Weg auftun; und die Engel werden rechtzeitig dafür sorgen, dass die Steine aus dem Weg geräumt werden.

Es ist immer schwierig, diese Überzeugung als Einzelne festzuhalten, und deshalb erinnert uns Robertos Spruch (Matthäus 18,20) daran, dass Jesus uns in die Gemeinschaft mit anderen hineingestellt hat:

»Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.«

Jesus hat uns gemeinsam auf diesen Weg der Liebe geschickt. Er nimmt Gestalt an in einer Gruppe von Christen. Wo Einzelne allein versuchen, mit ihm zu leben, da sind sie normalerweise zu schwach, um das durchzuhalten und Wirkung zu erzielen. All die Gedanken davon, das Böse mit Gutem zu überwinden, klingen unrealistisch, wenn du es für dich allein durchdenkst und versuchst. Aber wo der Name Jesu auch nur zwischen zwei oder drei Menschen ausgesprochen wird, da bekommt er Kraft. Da kommt man in die Offensive und wir beginnen, den Teil der Welt zu beeinflussen, für den wir zuständig sind.

Die ersten Christen sind ja winzige Gruppen gewesen, die am Anfang noch nicht mal aufgefallen sind. Niemand hätte erwartet, dass ausgerechnet die irgendetwas in der Welt bewegen könnten. Aber in ihrer Mitte lebte Jesus, und das hat Wirkung gezeigt. Der Gedanke beispielsweise, dass Menschen gleich sind, weil sie vor Gott gleich sind, ist uns heute etwas Selbstverständliches. Damals klang das völlig daneben, unrealistisch und verrückt. Aber die paar Christen haben daran festgehalten, und heute ist das für viele etwas Selbstverständliches – auch wenn es genügend Länder und Menschen gibt, die das immer noch für verrückt halten.

Aber Erneuerung beginnt in diesem überschaubaren Kreis von Menschen, die im Namen Jesu beieinander sind. Und in Kilians Konfirmationsspruch (Johannes 3,16) wird daran erinnert, dass es Gott viel gekostet hat, diese Erneuerung in die Welt zu bringen:

»Denn so sehr hat Gott Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.«

Gott wollte eine Gemeinschaft, die das neue Leben Jesu fortsetzt, das ewige Leben, das Leben der neuen Welt, das bleibt. Und wenn es das jetzt schon unter Menschengeben soll, ein Leben voll Glaube, Liebe und Hoffnung, das stärker ist als alles Dunkel, dann musste Gott selbst den Anfang machen, indem er Jesus zu uns sandte. Jesus ist die Verkörperung von Gottes Wesen, er ist Gott, wie er sich in einen Menschen übersetzt.

Aber dann musste Gott auch die dunkle Seite des menschlichen Lebens auf sich nehmen. Er musste hineinkommen in unsere Welt, in der Menschen angegriffen werden, Gewalt erleben und manchmal von der Hand anderer sterben. Nur wenn Gott in unsere echte Welt hineinkommt, kann er uns auch wirklich helfen. Dann bleibt er nicht ein schöner Traum, sondern wird real wirksame Kraft, die die Welt bewegt. Aber das war für Jesus kein Spaziergang, sondern ein echtes Opfer. Wir kennen ja nur diese Welt und erwarten erst einmal nichts anderes, aber Jesus kannte ein ganz anderes Leben. Und nur, weil es ihm wirklich um uns ging, weil Gott tatsächlich uns liebt, sein Ebenbild in der Schöpfung, nur deshalb hat er das auf sich genommen, freiwillig. Er hätte es nicht tun müssen. Aber er wollte, dass wir etwas Besseres kennen als die Welt, in die wir hineingeboren sind.

Und so wie Gott dieses Ziel mit allem Einsatz verfolgt hat, so sollen wir alles daran setzen, Anteil daran zu bekommen. Davon redet der Vers für Amy (1. Timotheus 6,11):

Jage aber nach Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glauben, Liebe, Geduld, Sanftmut!

Das ist da tatsächlich so nebeneinander gestellt: Jage nach, verfolge mit aller Kraft dieses Ziel. Wir haben in uns eine enorme Energie, und die sollen wir auch einsetzen. Glauben ist nichts Schlappes oder Müdes, sondern da sollen wir einen Jagdinstinkt entwickeln. Nicht um andere zu berauben, sondern es geht um eine besondere Art von Beute, die allen nützt: Glaube und Liebe kennen wir schon aus dem Spruch für Joeline, aber hier kommt noch Geduld dazu: wer Gott vertraut, der versteht auch, dass manche Dinge länger dauern. Wer ungeduldig ist, macht nicht selten etwas kaputt. Und wer Geduld hat, der ist nicht gereizt und hektisch, sondern kann sanftmütig und freundlich mit anderen umgehen. Auch Gerechtigkeit bedeutet, dass man ein gemeinsames Wohlergehen im Auge hat, dass auch wir mit Menschen manchmal einen langen Weg gehen müssen, an ihnen festhalten, damit sie sich entwickeln und aufblühen können.

Und das alles wird zusammengehalten von dem, was hier mit »Gottesfurcht« wiedergegeben ist. Man könnte es auch mit »Frömmigkeit« übersetzen. Jedenfalls geht es darum, dass Gott im Zentrum präsent ist, im Zentrum unseres Lebens und unserer Person, und so seinen guten Einfluss auf unser Leben ausüben kann. Das haben wir nicht in der Hand, weil es ja Gottes Werk ist, aber wir sollen alles tun, völlig hinterher sein, und jede Chance nutzen, dass es geschieht.

Und der Spruch von Marc (Matthäus 18,20) erinnert uns noch einmal daran, dass wir Jesus in der Regel gemeinsam begegnen:

»Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.«

Alle guten Gedanken entwickeln nur dann Kraft, wenn wir sie mit anderen teilen. Und Jesus ist mehr als ein Gedanke. Er ist unser Gegenüber, er wird unter uns lebendig, wenn Menschen sich in seinem Namen versammeln – also in Erinnerung an ihn, unter Berufung auf seine Worte, mit dem gemeinsamen Willen, ihm nachzufolgen. Dann sind auch wenige Menschen eine große Macht, die viel erreichen können in ihrer Umgebung und weit darüber hinaus. Jesus ist präsent, wo wir gemeinsam sagen: wir tun das jetzt mit dir, auf der Grundlage, die du geschaffen hast, in deinem Namen. Dann werden Sachen möglich, mit denen vorher keiner rechnen konnte.

Am deutlichsten erkennbar ist Jesus im Abendmahl: da hat er mit ganz einfachen Mitteln sein Leben hineingestellt in die Befreiungsgeschichte Israels von der ägyptischen Sklaverei an. Und gleichzeitig ist das für uns der Weg, wie wir am deutlichsten sagen: ja, ich will zu dieser Gemeinschaft gehören, die von dir geprägt und durch dich bewegt wird. Das ist auch der Weg, auf dem Jesus uns am besten schützen und behüten kann. Denn wir sind am besten geschützt, wenn wir zur Gemeinschaft voller Glauben, Hoffnung und Liebe gehören. Das macht uns stark. Denn Stärke kommt in erster Linie von innen, aus unserem Herzen.

So hören wir es auch noch einmal im Spruch für Luca (Psalm 23,1):

»Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln«

Unsere echte Sicherheit finden wir nicht in äußeren Schutzmaßnahmen. Menschen haben immer wieder lernen müssen, dass alle äußeren Sicherheiten schnell brüchig werden können. Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Das war schon immer so, aber im Augenblick erleben wir deutlicher als früher, dass Zukunft ungewiss wird, und keiner kann sich heute vorstellen, wie die Welt aussehen wird, wenn ihr selbst erwachsen sein werdet, selbst Eltern seid und vielleicht eines Tages, in 50 Jahren, hier Goldene Konfirmation feiert.

Die Welt kann sich so schnell verändern, und wir selbst sind so abhängig von unseren Stimmungen, die uns gerade mal wieder im Griff haben. Deswegen lenkt die Bibel unseren Blick immer wieder auf unser Gegenüber, auf Gott. Wir sind so geschaffen, dass wir im Kern unserer Person auf ein Du ausgerichtet sind, wir schauen aus nach einem Gegenüber, und irgendwann kommen wir darauf, dass Menschen uns nicht die verlässliche Sicherheit geben können, die wir uns eigentlich wünschen. Menschen sind genauso begrenzt wie wir selbst, und wir brauchen den göttlichen Hirten, dessen freundlichen Blick wir Tag für Tag auf unserem Leben spüren. Gott, der uns geschaffen hat und uns kennt und weiß, was wir brauchen, um unsere Berufung zu finden und zu leben.

Und von diesem freundlichen Schutz Gottes spricht auch der Psalmvers, den Samira sich ausgesucht hat (Psalm 17,8):

Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.

Wenn man den ganzen Psalm liest, dann merkt man, dass da jemand unter Angriff leben muss. Wir würden heute wohl sagen: er wird gemobbt. Und dann erinnert er oder sie sich: ich habe aber einen Verbündeten. Ich habe jemanden, der dazwischen geht. Gott ist mein großer Verbündeter, und den kann ich dazu holen. Das verändert die ganze Situation. Ich bin nicht mehr allein. Denn die ist sich sicher: ich bin Gott so wertvoll wie der eigene Augapfel. Er schafft mir einen Ort, wo ich geschützt bin.

Damals war das der Tempel, wo im Allerheiligsten Statuen von Engelwesen aufgestellt waren, die geflügelten Cherubim. Und wer im Tempel geschützt war, der lebte sozusagen im Schatten der göttlichen Flügel. Das war eine ganz wirksame Art von Kirchenasyl. Und so zieht sich das durch, dass Gott immer wieder ganz konkrete Orte schafft, wo man sich hinflüchten kann und geschützt ist: zunächst ganz äußerlich, aber vor allem, indem man versteht, dass es Gottes Art ist, für seine Leute solche Schutzräume zu schaffen. Und in diesem Bewusstsein können Menschen dann auch ihre Sorgen an Gott abgeben, hinter sich lassen und ruhig schlafen.

Und auch davon hören wir noch einmal in Tizians Konfirmationsspruch (Psalm 91,11):

»Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.«

Es ist nicht einfach, ein freier Mensch zu sein in einer Welt, in der es ganz viel Macht und Machthaber jeder Art gibt. Und auch im 91. Psalm werden jede Menge Gefahren aufgezählt, die Menschen bedrohen können. Das sind andere Gefahren, als die, an die wir heute denken würden, aber einfacher, denke ich, war es damals auch nicht, und einfacher wird es auch in Zukunft nicht werden.

Deshalb spricht der Psalm von den Engeln Gottes. Und das sind nicht diese niedlichen Kindsköpfe mit Flügeln, die wir manchmal an unsere Weihnachtsbäume hängen. Sondern das sind die starken Mächte der unsichtbaren Welt, die uns begleiten, die über uns wachen, und die hin und wieder aus der unsichtbaren Welt heraus eingreifen und uns in der Gefahr behüten, und manchmal merken wir es und manchmal nicht. Und wenn sie das tun, dann tun sie das im Auftrag Gottes, weil er nicht möchte, dass seine Leute zu Schaden kommen.

Wenn wir das wissen, dass wir ein Teil dieser großen Geschichte Gottes mit seiner Welt sind, hineingestellt in eine gefährliche Welt, aber behütet von den unsichtbaren Mächten, dann machen wir es ihnen leichter, auf uns aufzupassen. Denn es ist immer ein Zusammenspiel zwischen den Engeln und uns, und wie unser Herz beschaffen ist, das ist immer eine der wichtigsten Fragen: wohnen dort Glaube, Hoffnung und Liebe, so dass wir es den Engeln leicht machen?

Dieser Gedanke der Liebe und des Schutzes zieht sich heute sehr deutlich durch die Bibelverse zu eurer Konfirmation. Und das ist gut so. Wir sind vielleicht gerade wieder dabei zu lernen, dass Liebe nichts Selbstverständliches ist, über das man sich keine Gedanken machen muss. Dass Liebe die Grundkraft der Welt ist, dass sie in die Fundamente der Schöpfung eingepflanzt ist, dass nur mit ihr unser Herz lebendig bleibt, dass Gott selbst Liebe ist, und dass sie die Heilung für eine zerrissene Welt ist – das war nie selbstverständlich. Und wir erleben es gerade wieder, dass das massiv angezweifelt wird und Menschen sich von Gewalt und Hass viel mehr erwarten.

Deswegen verankert das heute in eurem Herzen: Liebe, Solidarität, Freundlichkeit, Gnade, Zuwendung – dadurch wird die Welt geheilt, und dadurch leben wir. Das ist der Weg der Hoffnung. Jesus hat ihn uns gezeigt, Gott hat ihn bestätigt, und wir lernen ihn, wenn es gut geht, ein Leben lang immer besser kennen. Das lässt uns wahre Menschen bleiben.

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