Aufbruch in die Freiheit

Predigt am 25. Februar 2018 im Vorstellungsgottesdienst der Konfirmandengruppe mit Markus 1,9-13

Verfasser: Walter Faerber

Die Konfirmandengruppe hatte zuvor Beiträge zur Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei (z.B. ein Modell der Auszugsroute – siehe Bild) und zur Taufe gezeigt, die auf der Konfirmandenfreizeit vorbereitet worden waren. Die folgenden Texte waren auf mehrere Stellen im Gottesdienst verteilt.

Das eigentliche Thema unserer Konfirmandenfreizeit war »Taufe«. Denn Konfirmation bedeutet ja: man übernimmt jetzt die Taufe, die man als Kind noch gar nicht richtig verstanden hat, als etwas Eigenes.

Aber wir haben erst diesen Rückblick zur Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei gemacht, weil die Taufe ein Symbol ist, das genau an diese Befreiung erinnert. Johannes der Täufer hat das wichtigste von der Flucht durch die Wüste in dieses Symbol hineingepackt, und Jesus hat das von ihm übernommen: Sie mussten zweimal durchs Wasser, durch das Schilfmeer und durch den Jordan. Und jedes Mal war das ein Akt des Vertrauens: können wir Gott vertrauen, dass er uns im richtigen Moment hilft? Wird der Jordan uns Platz machen, wenn wir hineingehen?

Deswegen erinnert die Taufe an diese Augenblicke, wo man etwas wagen muss, wenn man in die Freiheit aufbricht. Das ist immer auch ein Aufbruch ins Unbekannte. Aber wenn jemand im Vertrauen auf Gott diesen Schritt geht, dann beginnt etwas Neues. Jesus hat das vorgemacht. Und wenn er anschließend dem Versucher begegnet, dann zeigt uns das, wie Freiheit immer bedroht ist. Man hat sie nicht ein für allemal, sondern sie ist umkämpft. Man muss sie wollen und bewahren.

9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. 12 Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste. 13 Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Das Glaubensbekenntnis, das wir vorhin gemeinsam gesproch haben, ist auch eine Kurzübersicht über die Geschichte der Welt, in der wir leben: am Anfang eine wunderschöne Schöpfung voller Leben und Gedeihen, aber dann schleicht sich etwas Falsches ein, ein Riss kommt in die Welt, die Welt wird beschädigt. Menschen stehen an der zentralen Position in der Welt, und was Menschen tun, das hat zentrale Bedeutung für die ganze Schöpfung, im Guten wie im Bösen. Im Großen wie im Kleinen.

Deswegen ist die ganze Schöpfung betroffen, wenn Menschen aus der ursprünglichen Verbindung mit Gott herausfallen. Man muss überhaupt nicht darum streiten, ob Adam und Eva historische Figuren waren oder nicht. Das ist unwichtig. Entscheidend ist, dass in dieser Geschichte etwas sehr Wesentliches über unsere Welt eingefangen ist, das man anders vielleicht gar nicht sagen könnte: Irgendwie hat sich durch Menschen etwas in die gute Schöpfung was eingeschlichen, ein Gift, das alles durchdringt und beschmutzt: die zwischenmenschlichen Verhältnisse, die Machtverhältnisse, selbst die Ozeane und die Atmosphäre sind inzwischen damit vergiftet und kontaminiert.

Es ist ganz schwer in Worte zu fassen, gerade weil es so allgegenwärtig ist. Ich finde, das Wort »Misstrauen« trifft es noch am besten. Menschen misstrauen Gott – sie glauben nicht, dass er es wirklich gut meint mit uns, sie glauben nicht, dass er für uns sorgt, sie glauben nicht, dass seine Welt gut ist. Genau das legte der Versucher Jesus nahe: Gott hilft dir nicht – du musst schon selbst für dich sorgen!

Und aus diesem Misstrauen heraus entstehen dann lauter schlechte Lösungen. Menschen kämpfen um ihren Platz an der Sonne, Menschen misstrauen sich auch untereinander, jeder versucht für sich und seine Leute das Beste herauszuschlagen, die Gier greift um sich. Menschen handeln aus der Furcht heraus, dass andere sie bedrohen. Und dadurch gibt es Konflikte, Feindschaften und am Ende Kriege. Die Schöpfung wird ausgeplündert und vergiftet, die anderen Geschöpfe werden für menschliche Interessen geopfert.

Vor allem leiden Menschen an diesen schlechten Lösungen. Die einen können den Hals nicht voll kriegen und die anderen hungern. Menschen verlieren durch Gewalt ihre Heimat, Menschen sehen keine Perspektiven mehr und flüchten. Menschen reagieren aus Furcht und Verzweiflung. Wie sagte Meister Yoda? »Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.« Ja, wo er Recht hat, da hat er Recht.

Und all dieses Leid nährt dann erst recht das Misstrauen. Je kaputter die Welt ist, um so eher sagen Menschen: das kann kein guter Gott sein, der so etwas erschaffen hat! Und das Misstrauen breitet sich weiter aus und bringt noch mehr von seinen schlimmen Früchten. Ein richtiger Teufelskreis.

Zur Taufe gehört der Entschluss, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Jesus hat das vorgemacht: er hat gegen das allgegenwärtige Gift des Misstrauens ein Grundvertrauen in Gott gelebt. In all seinen Versuchungen und am Ende auch am Kreuz ging es um die Frage, ob er dieses Vertrauen durchhält. Und weil er bei diesem Vertrauen geblieben ist, deshalb hat er einen anderen Kreislauf in Gang gesetzt:

Er konnte Menschen aus diesem Vertrauen heraus heilen. Er konnte Feindschaft überwinden und Menschen von ihrer Gier und ihrer Furcht befreien. Die ganzen Jesusgeschichte zeigen immer wieder, wie er um sich herum Heilung verbreitet, auf ganz unterschiedlichen Wegen: Heilung für kranke Körper und verwirrte Seelen, Heilung von vergifteten Beziehungen und vergifteten Gedanken.

Und überall, wo das passiert, breitet sich Freude aus. Deshalb wird bei Jesus so oft gegessen und getrunken und gefeiert. Deshalb hat er Wasser zu Wein gemacht: damit Menschen das Gute und Heile feiern können. Sein ansteckendes Vertrauen gibt Menschen die Freude am Leben zurück, es ist, als ob der Tag zurückgekommen wäre, an dem Gott sagte: diese Welt ist sehr gut!

Und da gewinnen Menschen das Vertrauen in die Welt und ihren Schöpfer zurück: wenn so etwas möglich ist, dann kann die Welt ja doch nicht so schlimm sein, wie wir immer dachten. Dann ist es richtig, nicht den Versuchungen des Feindes nachzugeben, sich nicht in den Misstrauenskreislauf hineinziehen zu lassen, sondern beharrlich im Jesuskreislauf zu bleiben.

Ich finde dieses mittel-alter-liche Bild von der Versuchung Jesu so schön, weil man da sieht, wie der Versucher stur runterzeigt. Die ganze Gestik weist nach unten: alles ist doof, alles ist negativ, alles ist lang-weilig, alles ist Mist. Jesus guckt den Teufel fast mitleidig an, seine Hand weist nach oben, er zeigt ihm die Bibel, als ob er sagen wollte: wenn du auch mal nach oben schauen würdest, oder wenigstens in die Bibel, dann müsstest du nicht so verbissen an deinem Misstrauen und deiner Wut festhalten. Hey, trotz allem ist die Welt schön, und wenn du aufhören würdest, alles runterzuziehen, dann könnte man noch viel besser in ihr leben.

Taufe, und damit auch Konfirmation, bedeutet: wir entscheiden uns, die Sphäre des Misstrauens, der Angst und der Wut nicht in uns reinzulassen. Uns aus dem Teufelskreislauf rausziehen zu lassen. Der ist für uns gestorben. Wir wollen Teil des Jesuskreislaufs sein. Nicht mehr das Misstrauen mit seinen Begleitern soll sich in alles reinfressen, sondern unser Leben soll von Vertrauen getragen werden. Glaube, Liebe und Hoffnung sollen uns prägen: der Glaube, dass Gott für uns sorgt und uns in eine sehr gute Welt hineingestellt hat; die Liebe, durch die wir mit Gott, den Menschen und allen Geschöpfen verbunden sind; und die Hoffnung, dass der heilende Jesuskreislauf alles Dunkle und Kaputte überwinden wird.

Es ist gar nicht so einfach, das durchzuhalten. Der Teufelskreislauf hat einen ganz schönen Sog und möchte uns immer wieder runterziehen. Deshalb braucht man Stationen wie die Taufe, an denen man sich klar macht, wo wir hingehören, und vor allem: wo wir hingehören wollen.

Vielleicht haben eure Eltern bei eurer Taufe noch gar nicht geahnt, auf welche Spur sie euch da gesetzt haben. Eure Konfirmation ist nun der Moment, wo ihr das für euch selbst so entscheiden könnt.

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