Vertrauen aufbauen

© Walter Faerber

11 Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.


Dieser Vers spricht von einer unglaublich mutigen Entscheidung, die jemand trifft. Er sagt: Gott, ich will, dass du mir an den Weichenstellungen und Entscheidungen meines Lebens den Weg zeigst. Wir haben normalerweise etwas dagegen, dass andere Menschen uns sagen, wo es langgeht - das ist bei Erwachsenen nicht anders als bei Jugendlichen.

Aber hier geht es nicht um einen Menschen, sondern um Gott. Und dieser Vers ist aus der Bibel, und da drin stehen lauter Geschichten von Menschen, die ausgesprochen gute Erfahrungen damit gemacht haben, sich von Gott den Weg zeigen zu lassen. Wenn ihr an David denkt, was wir da bei der Konfirmandenfreizeit gelesen haben, der einen rasanten Weg ganz nach oben gemacht hat, weil er in den entscheidenden Momenten fast immer traumhaft sicher Gottes Willen kannte und ihn auch tat, weil er der Überzeugung war, dass er damit auf der sichern Seite war.

Wie kriegt man diese Überzeugung? Ich glaube, dass das eine Frage des Vertrauens ist. Nur wenn man jemandem wirklich vertraut, wird man ihm so weitreichende Vollmachten geben, dass man sagt: zeige mir den Weg, den du für mich hast, und ich werde ihn gehen.

Vertrauen wächst Stück für Stück. Viele Menschen, ich glaube fast alle, haben irgendwann mal eine gute Erfahrung mit Gott gemacht. Sie haben ihm spontan gedankt für etwas ganz Schönes und spürten: ja, das ist die richtige Adresse, da ist jemand, der gerne mit mir meine Freude teilt. Oder sie baten ihn um Hilfe, und die schwierige Angelegenheit entwickelte sich ganz anders als befürchtet. Wenn wir hier rumfragen würden, würden wir merken, dass ganz viele Menschen sowas erlebt haben, das ist eigentlich das Normale. Aber daraus entsteht nicht automatisch Vertrauen.

Der Unterschied entsteht bei der Frage, was wir aus diesen Erfahrungen für Konsequenzen ziehen. Da gibt es die einen, die sagen: das muss ein Zufall gewesen sein. So was passiert halt. Und sie vergessen es wieder. Und es gibt die anderen, die das irgendwie im Kopf behalten, dass da doch was war. Und es gibt diejenigen, die einfach ausprobieren, ob das auch bei anderen Gelegenheiten so ist. Und dann gibt es eine Chance, dass sich da Vertrauen aufbaut und man Stück für Stück Erfahrungen macht, die einen immer zuversichtlicher machen, dass Gott auf das achtet, was wir ihm sagen, und darauf antwortet. Dass Gott jemand ist, dem man seinen Lebensweg tatsächlich anvertrauen kann.

Wie geht das denn sonst, wenn wir jemanden kennenlernen und noch nicht wissen, ob wir ihm vertrauen können? Wir beobachten ihn, wir reden mit ihm, wir denken über ihn nach, wir achten darauf, ob er wirklich tut, was er sagt, wir verbringen Zeit mit ihm, um ihn kennenzulernen, wir schenken ihm etwas Vertrauen und sehen, ob er es ausnutzt oder nicht. Und jedes Mal, wenn sich der andere als vertrauenswürdig erwiesen hat, wird die Beziehung ein bisschen fester und tiefer. Und wenn es gut geht, sind wir am Ende sicher: diesem Menschen kann ich wirklich vertrauen.

So ein Vertrauen aufzubauen ist eine eine aktive Sache. Wir können nicht einfach dasitzen und warten, dass Vertrauen von selbst wächst. Wir müssen kleine Schritte tun, kleine Risiken eingehen, und dann die Konsequenzen abschätzen.

So funktioniert das auch mit Gott. Wir sollen Gott nicht blindlings vertrauen, sondern wir sollen ihn kennenlernen. Viele Dinge muss man einfach mal versuchen. Und man kommt solange nicht voran, wie man es nicht ausprobiert.

Vielleicht hat der eine oder andere schon mal so etwas wie einen leisen Impuls gespürt, der zu sagen schien: »Mich gibt es wirklich. Diese ganzen Geschichte ist wahr. Ich kümmere mich schon so lange um dich. Wenn du einen kleinen Vertrauensschritt auf mich zu machst, dann werde ich dir beweisen, dass ich dieses Vertrauens würdig bin. Na, wie sieht es aus? Willst du es wagen?« Und wenn einer dann antwortet, dann wird es einen Unterschied geben. Es wird etwas geschehen. Aber wie und was, das bekommt man nur heraus, wenn man es ausprobiert und dann auf die Folgen achtet.

Manche Dinge kann man nur mit einem gewissen Risiko herausfinden. Stell dir vor, du sitzt in einem Flugzeug in 2000 Meter Höhe und sollst gleich zum ersten Mal mit den Fallschirm abspringen. Durch die offene Seitentür siehst du unten winzige Häuschen und Straßen. Der Flugwind zerrt unangenehm heftig an dir. Im letzten Moment wird dir mulmig, du drehst dich um zu deinem Lehrer, klopfst auf den Fallschirm und fragst: »kann ich wirklich darauf vertrauen, dass das Ding sich öffnet?« Was wird seine Antwort sein? Ich glaube, ein erfahrener Fluglehrer wird dann sagen: »es gibt nur einen Weg, um das herauszufinden.« Ganz klar, da hilft nur ausprobieren. Vielleicht wird der Fluglehrer aber noch hinzusetzen: »alles was ich Ihnen sagen kann, ist, dass meiner mich noch nie im Stich gelassen hat.« Das ist beruhigend, und es ist beruhigend, wenn wir wissen, dass auf diesem Weg mit Gott schon andere vorangegangen sind, und sie sagen: ich habe das nicht bereut. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Deswegen sind diese Geschichten so wichtig, von David und von vielen anderen, die alle sagen: schief gegangen ist es nur da, wo ich Gottes Wege verlassen habe. Solange ich in seinem Willen war, lief alles richtig.

Und es gibt einen Unterschied zu der Sache mit dem Fallschirm: den Schritt aus dem Flugzeug raus kann man nicht mehr rückgängig machen. Aber man kann natürlich sagen: »Ich versuche es mit Gott, ich gebe ihm eine Chance, und wenn er sich irgendwie als nicht vertrauenswürdig erweist, dann kann ich ja immer noch einen Rückzieher machen.«

Welches Risiko geht man schon ein, wenn man z.B. aufhört, sich Sorgen zu machen? Wir wissen alle, dass Sorgen nichts bringen außer Falten. Deswegen hat Jesus gesagt: sorgt nicht, vertraut auf Gott. Oder welches Risiko geht man ein, wenn man anfängt, die Wahrheit zu sagen? Das ist schon etwas größer, aber Ich glaube, auch das ist noch überschaubar, man kann das ja etappenweise proben. Man kann Gott erstmal bei kleinen Sachen eine Chance geben.

Vielleicht ist das ja ein bisschen großspurig geredet, wenn Menschen davon sprechen, dass sie Gott eine Chance geben wollen, aber wichtig ist, sich klarzumachen, dass wir tatsächlich kein großes Risiko eingehen, wenn wir Gott bitten, uns seine Wege zu zeigen.

Oder was könnte das Risiko sonst sein? Vielleicht fürchten wir ja, dass einfach nichts passiert. Vielleicht ist ja der Himmel leer. Was ist, wenn dort oben nur Schweigen ist? Meine Antwort wäre da so ähnlich wie die vom Fluglehrer: Es gibt nur einen Weg um das herauszufinden: ausprobieren. Tu es und schau, was passiert. Wenn nichts passiert, dann war das auch eine Antwort.

Vielleicht würde ich noch eine zweite Frage stellen: Warum fürchten wir das, dass da oben nichts ist? Kann es sein, dass wir da eigentlich Angst davor haben, dass sich Gott als unzuverlässig erweist? Kann es sein, dass wir in Wirklichkeit an ihm hängen und es mit ihm nicht probieren, weil wir es schlimm fänden, von ihm enttäuscht zu werden? Aber so viele haben erlebt, dass man nicht enttäuscht wird.

Denkt an die Jünger nach dem Tod Jesu! Ich glaube, die waren auch deswegen so niedergeschlagen, weil sie nach ihrem Eindruck eine tiefe Enttäuschung mit Jesus erlebt hatten. Sie hatten überhaupt nicht damit gerechnet, dass er tatsächlich sterben könnte. Bis dahin hatte er alle Situationen im Griff gehabt, alles war gut gegangen, und jetzt das? Eine bittere Enttäuschung!

Aber das Gute ist: dabei blieb es nicht. Völlig unverhoffter Weise. Als Jesus nach seiner Auferstehung zu den Jüngern kam, kriegten sie erstmal einen Riesenschreck. Damit hatten sie wirklich nicht gerechnet. Sie sagten nicht etwa: »na endlich, da bist du ja, wir haben schon auf dich gewartet.« Sie hatten nicht etwa mit der Auferstehung gerechnet und so heftig an Jesus gedacht, dass sie ihn schließlich in ihrer Phantasie vor sich gesehen hätten. Im Gegenteil, er musste sie erst mühsam überzeugen, dass er es wirklich war. Wenn Jesus nicht tatsächlich auferstanden wäre, dann wäre keiner von den Jüngern von sich aus auf die Idee gekommen, dass sie ihm wieder begegnen würden.

Aber jetzt dämmerte ihnen, dass etwas geschehen war, was die normale Weltordnung durchbrochen hatte. Und sie verstanden: wir sind von Jesus nicht enttäuscht worden. Es ist tatsächlich am Ende gut ausgegangen. Es gibt tatsächlich solche Zwischenzeiten, wo es so aussieht, als ob es doch schief geht, aber am Ende haben alle Geschichten von Jesus ein gutes Ende.

Wenn ihr heute euer gemeinsames Ja sprecht, dann lasst das für euch selbst, in euren Gedanken, ein deutliches Zeichen sein, dass ihr einen Schritt auf dem Weg Jesu macht, auf dem Weg, auf dem die Geschichten ein gutes Ende finden. »Weise mir Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit« das bedeutet, dass man da einen Weg betritt, den Weg der Wahrheit, und man geht Schritt für Schritt weiter. Je länger man geht, um so sicherer wird man. Man kommt dann zu Stationen, die man sich zuerst gar nicht hätte vorstellen können. Man kann zurückschauen und sagt: wie gut, dass ich damals diese Weg gegangen bin! Aber es hat alles mal angefangen mit diesem kleinen Schritt des Vertrauens, der uns nicht überfordert. Und es geht weiter mit dem Hören und darauf-Achten, was denn der Weg Gottes für uns ist. Und immer wieder mit dem Tun.

Das Leben verläuft besser, wenn wir uns für seinen Weg entscheiden. Jeder Bereich unseres Lebens, den wir nicht Gottes Führung und Weisheit unterstellt haben, kann eines Tages zur Quelle von großen Frustrationen und Leid werden. Aber jedes Mal, wenn wir Gott Vertrauen schenken, indem wir seinen Geboten gehorchen, seine Weisheit anwenden oder uns von ihm leiten lassen, zeigt er sich absolut vertrauenswürdig. Sein Weg geht genau richtig, und es bewahrt uns vor vielen unangenehmen Situationen, wenn wir ihn gehen.


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