Was eure Konfirmation heute bedeutet, das kann man wenigstens auf zwei Arten sehen: man kann sagen "nun haben sie die kirchenamtliche Lizenz, nun haben sie den Status, sie dürfen Patinnen und Paten werden, und irgendwie wird Gott das ja auch anerkennen und hoffentlich dafür sorgen, dass sie nun vor dem Schlimmsten bewahrt bleiben.

Man kann es aber auch dynamischer sagen, mehr mit Blick auf die Zukunft und die Möglichkeiten: Die Konfirmation ist eine Art Zwischenstopp auf einem Weg, der ein ganzes Leben lang vorangehen soll, ein Weg mit Jesus Christus. Der hat ja keine Organisation gegründet, sondern hat Menschen eingeladen auf einen ganz besonderen Lebensweg. Ihr merkt, dass gefällt mir besser. Und Malte hat sogar einen Konfirmationsspruch, der das ganz deutlich macht:

Jesus Christus spricht: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Johannes 8,12).

Jesus kannte keine falsche Bescheidenheit. Er sagte: ich bin das Licht der Welt, nicht eins unter vielen anderen Lichtern, sondern das Licht. Alle anderen Lichter in der Welt bekommen ihr Licht von mir und spiegeln es dann mehr oder weniger hell wieder. Aber wer mich kennt und mit mir geht, der wird sich nicht verirren, der wird nicht zwischen lauter Problemen zerrieben, der wird nicht nur irgendwie durchkommen, sondern der wird im hellen Licht gehen.

Es geht nicht darum, irgendetwas theoretisch für wahr zu halten und dem zuzustimmen. Es geht um einen Weg, einen Lebensweg, den wir auch wirklich gehen sollen. Auch wenn ihr nachher das Glaubensbekenntnis aufsagt, für das wir lange geübt haben, dann ist das ein Hinweis auf etwas Tieferes, um das es in Wirklichkeit geht. Es geht um einen Lebensprozess, um eine Art zu leben, um einen Weg, den wir mit Jesus gehen. Deswegen sagt er hier nicht: "wer mich gut findet", oder "wer an mich glaubt", das ist schon ok, aber Jesus sagt: "wer mir nachfolgt ..."

Wie sieht dieser Weg aus, den einer geht, der Jesus nachfolgt? Es gibt ein Wort, das diesen Weg zusammenfasst, nur muss man ihn dann doch wieder erklären, weil dieses Wort so viele mögliche Bedeutungen hat. Trotzdem: man kann den Weg Jesu in dem Wort "Liebe" zusammenfassen. Und im ersten Johannesbrief hören wir davon, dass "Liebe" auch das Wesen Gottes selbst beschreibt, und das ist der Konfirmationsspruch von Kristin:

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm (1. Johannes 4,16).

Weil Gott Liebe ist, deshalb bleiben wir nur dadurch mit ihm in Verbindung, dass wir selbst in der Liebe leben. Gottes Liebe wird hier wie ein Fluss beschrieben, von dessen Strömung man getragen wird, und man muss nur aufpassen, dass man nicht aus der Strömung herauskommt und dann irgendwo in einem Seitenarm landet.

Mit Liebe ist aber nicht einfach nur ein freundliches Gefühl gemeint - das gehört auch dazu - sondern ein deutliches Verhaltensmuster. Man kann es so zusammenfassen: wir sollen geben. Einen heilen Menschen erkennt man daran, dass er mehr gibt als er nimmt - bei Finanzen, bei der Zeit, an Gefühlen, in Beziehungen. Ein heiler Mensch hält nicht um jeden Preis fest, was er hat. Jesus hat dieses Geheimnis entdeckt und praktiziert, dass die Dinge zu uns kommen, wenn wir großzügig schenken. Und wenn jemand das Gefühl hat, dass er es nötig hätte, heiler und stärker in sich selbst zu werden, glücklicher vielleicht auch, dann soll er anfangen zu geben und zu schenken, eben: zu lieben. Denn derjenige, der am meisten von sich gibt, der wird auch am meisten Liebe erfahren; und wer sich nur um sich selbst dreht, dem wird die Erfahrung der Liebe fremd bleiben. Wir werden Heilung erfahren, wenn wir geben und schenken, statt immer nur bekommen zu wollen.

Das klingt für uns möglicherweise widersinnig - kann das überhaupt gehen? Und deshalb sehen wir uns jetzt den Spruch von Gerrit an:

Gottes Wege sind vollkommen. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen (2. Samuel 22,31).

Gott besteht darauf, dass er sich nicht irrt. Wenn wir Jesus auf den Wegen der Liebe nachfolgen, auf dem Weg, wo man es sich zur Gewohnheit macht, mehr zu geben als zu nehmen, dann wird er uns beschützen. Es ist ein Wagnis, es ist nicht von vornherein einleuchtend, man muss da einen Schritt des Vertrauens tun, und man wird dann merken, dass Gott dafür sorgt, dass wir nicht zu kurz kommen. Aber das stimmt eben nur innerhalb dieser Beziehung zu Gott, das ist keine allgemeine Wahrheit wie das Gesetz der Schwerkraft, dem alle unterliegen, egal, ob sie davon wissen oder nicht.

Wenn wir in dieser Kommunikation mit Gott leben, dann kann er uns auch beschützen, dann kann er unser Herz so fest machen, so gesund und stark, dass wir auch schwierige Lagen bestehen können. Wenn wir in einer Beziehung zu ihm leben, dann ist er unser Schild und Schutz.

Paulus sagt dazu im Römerbrief etwas ganz Starkes, und das ist der Konfirmationsspruch von Fabian:

Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn (Römer 8,38-39).

Paulus sagt: es gibt so viele Kräfte und Mächte in der Welt, große und kleine, und Menschen haben manchmal das Gefühl: das schleudert mich rauf und runter, und ich kann da gar nichts gegen setzen. Ich komme mir vor wie ein Spielball von Gewalten, die viel stärker sind als ich. Deswegen sagt Paulus: nichts davon kann dich so von der Liebe Gottes trennen, dass du sagen müsstest: diese ganzen Ideen von dem Weg mit Jesus und dem Heilwerden durch Geben, das ist nichts für mich, bei den anderen mag das funktionieren, aber bei mir hat das keinen Zweck! Nein, sagt Paulus, ich zähle schon mal vorsichtshalber alles auf (und wer in der Bibel nachschlägt, der merkt, dass die Liste sogar noch länger ist), es gibt nichts in dieser Welt, wirklich gar nichts, bei dem man sagen müsste: da kommt Gott nicht gegen an. Dieser Strom der Liebe Gottes, der ist überall in dieser Welt zugänglich, und du kannst dich ihm anvertrauen. Selbst der Tod konnte Jesus nicht stoppen. Es ist, als ob er sich entschlossen hatte, zu beweisen, dass man die Liebe nicht töten kann, und wenn man sie kreuzigen würde, würde sie mit Sicherheit von den Toten auferstehen. So kam es, und das hat dem Tod das Genick gebrochen. Und in diesem 8 Kapitel des Römerbriefes schreibt Paulus noch mehr von diesen starken Sachen, z. B. steht da auch der Konfirmationsspruch von Jasmin:

Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (Römer 8,28).

Wenn man das wörtlich nimmt - und so ist es gemeint - dann wird hier etwas behauptet, was unsere normale Art, die Welt zu erleben, aus den Angeln hebt. Normalerweise sagen wir: es gibt die einen Ereignisse, über die wir uns freuen, und die anderen, die wir fürchten, weil sie uns Schaden zufügen und uns wehtun.

Hier steht etwas anderes: wenn wir Gott lieben, wenn uns also Gottes Weg hier durch die Welt das Allerwichtigste ist und wenn wir ihn mitgehen und selbst lernen, ein liebendes Herz zu haben, das gibt und schenkt und auf jeden Fall an Gott festhält, dann ermöglichen wir es Gott, dafür zu sorgen, dass auch aus den schlimmsten Ereignissen etwas Gutes entstehen kann. Und dann können wir irgendwann zurückblicken und sagen: das hat mir damals weh getan, das war eine schlimme Zeit, aber ich sehe heute, wie ich da Dinge gelernt habe, die ich anders nie verstanden hätte. Und ich habe da Erfahrungen mit der Treue Gottes gemacht, die ich nicht mehr missen möchte. Und Gott hat mich herausgefordert, ehrlich zu werden, meine Lebenslügen aufzugeben, und ihm auch meinen Schmerz und meine Enttäuschung zu bringen, und er hat daraus etwas Wertvolles gemacht.

Vielleicht können wir erst in der kommenden Welt so zurückschauen, aber meistens kann man das schon in dieser Welt nach einiger Zeit sagen - wenn wir an der Liebe festgehalten und sie nicht unter dem Druck der Umstände aufgegeben haben. Wenn Menschen von Gott enttäuscht sind, dann meist deshalb, weil sie diesen Weg, auch in dunklen Zeiten festzuhalten an der Liebe, entweder gar nicht versucht haben oder zu früh aufgegeben haben.

Und deshalb ist es so wichtig, was der Konfirmationsspruch von Dennis sagt:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist (Psalm 51,12).

Wir brauchen ein Herz, das diesen Weg Gottes beständig mitgeht und sich davon nicht abbringen lässt. Ein Herz, das nicht aus Angst zu den miesen kleinen Tricks Zuflucht nimmt, mit denen wir versuchen, von anderen etwas zu bekommen, anderen Energie und Unterstützung abzuzapfen, ein Herz, das sich nicht nur vorsichtig und zögernd verschenkt und kein Risiko eingeht. Es ist nicht schlecht, wenn wir ein bisschen nachdenken, es ist richtig, auch mal zu überlegen, ob Leute uns ausnutzen, das muss man nicht mitmachen, aber das Leben ist nun mal ein Risiko, und wenn wir jedes Risiko vermeiden wollen, wenn wir jeden Fehler vermeiden wollen, wenn wir uns vor jeder Enttäuschung schützen wollen, dann vermeiden wir das Leben. Ein reines Herz ist zunächst ein ganzes, ein ungeteiltes Herz, und es ist gut für uns, wenn wir lernen, unser Herz ganz an etwas zu hängen, etwas mit Begeisterung zu machen, ein sinnvolles Risiko einzugehen, nicht mehr halbherzig zu sein, sondern aus ganzem Herzen zu lieben. Gott kann man auch ein zerbrechliches Herz anvertrauen. Ohne das Risiko der Enttäuschung einzugehen werden wir Liebe nie wirklich erfahren. Und wenn wir tatsächlich verletzt und verraten wurden, dann können wir uns an Gott wenden.

Aber um zu unterscheiden, was ein notwendiges und gutes Risiko ist, und was einfach nur dummer Leichtsinn ist, brauchen wir Weisheit. Und in dem Konfirmationsspruch von Larissa ist es sogar die Weisheit Gottes, die selbst das Wort ergreift:

Die Weisheit Gottes spricht: "Alle, die mich lieben, die liebe ich auch. Wer mich sucht, der wird mich finden" (Sprüche 8,17).

So einfach ist das: wenn wir wirklich diese Klugheit haben wollen, dann werden wir sie auch bekommen. Vielleicht nicht sofort, vielleicht müssen wir auch manchmal Lehrgeld zahlen, aber wer das Leben wirklich verstehen möchte, wer wirklich gut beraten sein möchte, dem wird das auch gelingen. Das Problem liegt nicht darin, dass wir zu dumm wären, sondern dass wir oft die leise Stimme der Weisheit nicht hören wollen, weil wir schon ahnen, was sie uns sagen wird, und das wollen wir nicht hören.

Ganz viele Situationen wären gar nicht so schwierig, wenn wir uns einfach für einen Augenblick ausklinken würden und sagen: "Gott, gib mir einen Tipp, was ich tun soll. Ich möchte es wirklich wissen. Wenn dir an meinem Plan etwas nicht gefällt, dann mach es mir deutlich!" Und wenn wir wirklich bereit sind, inne zu halten und auf die leise Stimme der Weisheit zu hören, dann werden wir meistens gut beraten. Die Dinge sind meist einfacher, als es aussieht, aber wir müssen bereit sein, zu hören, das Leben zu beobachten und nicht immer nach unserem Standardprogramm zu reagieren.

Auch hier gilt, was im Spruch von Jonas so schön zusammengefasst ist:

Jesus Christus spricht: "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan" (Matthäus 7,7).

Unsere Rolle ist es, beharrlich Zugang zu suchen zur Wirklichkeit Gottes, zu diesem Strom der Liebe, der uns trägt und uns zu Menschen macht, die großzügig geben können, statt ihre Umgebung auszuplündern oder gar zu vergiften. Gott lässt diesen Strom der Liebe fließen, und unser Leben gelingt, wenn wir darin schwimmen, aber das geht nicht automatisch, sondern wir müssen es wollen, wir müssen es wirklich anstreben. Es gibt so vieles, was wir gerne wollen, aber wenn wir es mit ein, zwei Versuchen nicht schaffen, dann vergessen wir es auch wieder. Jesus spricht davon, dass wir beharrlich dranbleiben, so wie man ein Leben lang dranbleiben muss, die Beziehungen in der Familie oder mit Freunden zu pflegen. Da reicht nicht ein kleiner Versuch hier und ein freundliches Wort da, sondern das ist eine Aufgabe, an der man ein Leben lang dranbleiben muss. Es gibt auch schnelle und überraschende Erfolge, ermutigende Resultate, aber es bleibt eine Lebensaufgabe, und manchmal bedeutet das auch harte Arbeit über eine ganze Zeit.

So, in diesem Sinn, müssen wir auch unsere Beziehung zu Gott pflegen, seine Nähe suchen, anklopfen und ernsthaft bitten. Dann wird Gott uns entgegenkommen, er wird uns antworten, er wird uns zeigen, dass das nicht vergeblich war. Auf diesem Weg werden wir nicht im Dunkeln tappen, sondern das Licht des Lebens wird uns immer heller leuchten.