Gott erinnert uns alle heute an den Weg, den er für uns vorbereitet hat: ein Weg mit Jesus Christus, ein Weg für Menschen jeden Alters. In all den Konfirmationssprüchen, die heute über euch ausgesprochen werden, spiegelt sich eine besondere Seite von ihm wider. Aber immer gilt: Gott ist nicht fern und kalt irgendwo in einem fernen Raum, wo er mit uns nichts zu tun hätte. Sondern er ist präsent und lebendig, er greift ein und hält an uns fest. So sagt es Lenas Konfirmationsspruch:

Der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht verlassen (5. Mose 4,31).

Gottes besonderes Kennzeichen ist, dass für ihn Beziehungen im Zentrum stehen. Er ist auch in sich nicht einsam; schon bevor es etwas anderes gab, ist Gott in sich voll von Liebe, Freude und Kommunikation gewesen. Er hat die Welt geschaffen, damit auch andere das erleben können. Und er hält an den Beziehungen fest, die er begonnen hat. Er ist nicht launisch, sondern wir können uns Tag für Tag auf ihn verlassen. Es ist so ein verrücktes Missverhältnis, wie sehr dem großen Gott an uns kleinen Menschen liegt. Aber er ist barmherzig, er bleibt bei uns, und auch als wir, die ganze Menschheit, uns von ihm abgewandt hatten, da hat er uns nicht uns selbst überlassen. Er ist Mensch geworden, um in unsere Welt so hineinzukommen, dass wir ihn kennen und verstehen können. Er fühlt mit uns mit, wenn wir auf unserem Weg verletzt und enttäuscht werden; und wenn wir das Gefühl haben, nun könnten wir uns eigentlich nicht mehr an ihn wenden, weil wir ihn so oft übersehen haben, ist er doch freundlicher, als wir es je von einem Menschen erwarten würden.

Er sorgt für uns, und er hat viele Möglichkeiten dafür. Das sagt der Spruch von Katharina O.:

Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln (Psalm 23,1).

Wir brauchen jemanden, dem es nicht egal ist, was mit uns passiert. Was auch immer auf unserem Lebensweg geschehen wird, es ist wichtig, dass jemand Anteil nimmt und uns kennt. Gott hat uns ins Leben gerufen, er hat uns gewollt, er hat ganz am Anfang Ja zu uns gesagt. Er kannte uns schon, als noch keiner sonst von uns wusste. Und irgendwie ist das auch bis zu uns durchgedrungen, und wir wünschen uns das ein ganzes Leben lang, dass einer oder eine so klar und deutlich Ja zu uns sagt, wie Gott es damals ganz am Anfang getan hat.

Menschen kriegen das nur selten so hin, und Menschen sind immer begrenzt, Menschen können uns enttäuschen und tun das auch oft. Wenn wir auf Gott hören, dann werden wir von ihm immer wieder dieses zuverlässige und ermutigende Ja hören; und er wird auch ganz äußerlich für uns sorgen. Das haben genügend Menschen erlebt, dass Gott viele Möglichkeiten hat, uns das zu geben, was wir zum Leben brauchen. Das heißt nicht, dass wir uns auf die faule Haut legen sollen; aber wenn wir unseren Weg ihm anvertrauen, wird er dafür sorgen, dass wir versorgt werden. Im Konfirmationsspruch von Lukas ist das ganz stark ausgedrückt:

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen (Jesaja 54,10).

Berge und Hügel stehen für alles, was hoch und groß und bedeutsam aussieht, was den Eindruck macht, es würde sich in Ewigkeit nicht vom Fleck rühren. Aber wir haben gerade in den letzten Jahren immer wieder erlebt, wie Selbstverständlichkeiten erschüttert werden können und wie Dinge ins Rutschen kommen, wo wir gedacht haben, das sei undenkbar. So viel ist nicht mehr selbstverständlich, so vieles scheint unsicher, wenn wir in die Zukunft schauen, aber bei Gottes Gnade ist es anders, weil ihr Ursprung nicht in dieser Welt liegt. Gott wird nicht erschüttert, er ist der einzige feste Punkt, wenn die anderen Dinge unsicher werden. Durch viele viele Jahrhunderte ist Gott immer treu geblieben, und die Menschen, die mit ihm gelebt haben, haben immer wieder erlebt, dass sie sich auf ihn verlassen können, wenn alles andere unsicher war. Zu allen Zeiten haben Menschen mit Gott die gleichen Erfahrungen gemacht, so dass wir nach Tausenden von Jahren ihre Aufzeichnungen lesen können und sagen: ja, es ist das, was ich genauso erlebe!

Und im Spruch von Katharina M. weitet Jesus das noch einmal aus und sagt: auch wenn das Ende der Welt gekommen ist, dann werden meine Worte ihre endgültige Bewährungsprobe bestehen:

Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. (Lukas 21,33)

Nicht nur Berge und Hügel werden fallen, diese ganze Welt hat ihr Ende, und wir werden sie einmal hinter uns lassen. Es wird eine neue Welt geben, die die Absicht Gottes besser widerspiegelt als diese alte, beschädigte Welt, in der wir jetzt leben. Tod, Zerstörung und Gemeinheit werden da nicht hineinkommen. Aber die Worte Jesu sind hier unter uns schon der Beginn dieser neuen Welt, und alles, was mit ihnen verbunden ist, das hat Zukunft.

Die Worte Jesu gehen durch die Welt und verbinden sich mit Menschen. Wo sie uns angerührt und bewegt und geprägt haben, da ist schon ein Stück der neuen Welt entstanden, und das ist nicht mehr dem Tod und dem Vergehen unterworfen. Wir werden eines Tages zurückschauen auf diese begrenzte, alte Welt, und vieles von dem, was uns heute bewegt und beeindruckt, wird dann ganz unbedeutend sein. Aber wir werden froh sein über jeden Augenblick, in denen die Worte Jesu einen Weg in unser Herz gefunden haben, wo sie uns bewegt, geleitet und beeinflusst haben. Wir werden uns freuen über jeden guten Entschluss und jeden geraden Weg, den wir gegangen sind. Jesus ist der Schlüssel zu allem. Deswegen heißt es in dem Spruch, den Ina nachher bekommt:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Jesus wusste, dass sein Weg die Hoffnung für alle Menschen ist. Deswegen sagt er: wer mich kennt und mit mir geht, der wird sich nicht verirren, der wird nicht zwischen lauter Problemen zerrieben, der wird nicht nur irgendwie durchkommen, sondern der wird im hellen Licht gehen. Und dabei geht es um einen Lebensprozess, um eine Art zu leben, um einen Weg, den wir mit Jesus gehen. Nicht darum, irgendetwas theoretisch für wahr zu halten und die richtigen Formeln zu können. Sondern um Lebenspraxis, um eine neue Art zu leben, die jetzt schon passt zu der neuen Welt, die einmal die alte ablösen wird. Wir sollen jetzt schon diese ärmlichen Verhaltensmuster hinter uns lassen, mit denen Menschen sich hier durchschlagen, wo wir versuchen, immer so ein bisschen auf Kosten anderer zu leben. Wir sollen jetzt schon aus den Kräften der neuen Welt leben, die mit Jesu schon begonnen hat mitten unter uns. Und wenn wir das tun, dann gehören wir schon in diese neue Welt, wie das der Spruch von Sascha sagt:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden (2. Korinther 5,17).

Wenn wir mit Jesus die Beziehung zu Gott wieder aufnehmen, dann beginnt etwas Neues. Egal, was es für eine Vorgeschichte gibt, egal, was wir mitbringen, Gott fängt dann noch einmal mit uns an. Und das ist so ein entscheidender Punkt, dass Paulus hier sagt: das ist nur zu vergleichen mit unserer Erschaffung, wir sind dann eine neue Schöpfung, und diesen Anfang, so groß oder klein, wie er eben ist, in dem sieht Gott schon das Ziel, auf das er hin läuft. Das ist dann immer noch ein ganzer Weg, den wir mit Jesus gehen, und da wird dann Stück für Stück unsere ganze Person erneuert, aber Gott wartet nicht, bis das alles fertig ist, dann müsste er wohl lange warten, sondern er sieht im Anfang schon das Ziel und sagt: ich sehe all das, was noch in dir liegt. All das, was ich in dir noch wachsen lassen will. Ich sehe in dir den neuen Menschen, zu dem ich dich berufen habe, den ich im Sinn hatte, als ich dich schuf, und ich habe diesen Plan nicht aufgegeben, sondern ich bin gekommen, um dich einzuladen auf diesen Weg, auf dem das Neue entsteht.

Und das beginnt sehr tief in uns, wenn diese Freude Gottes an dem neuen, ganzen und heilen Menschen einen Widerhall findet in unserem Herzen. Deshalb heißt es im Konfirmationsspruch von Marvin:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist (Psalm 51,12).

Wir brauchen ein Herz, das diesen Weg Gottes beständig mitgeht und sich davon nicht abbringen lässt. Ein Herz, das nicht aus Angst zu den miesen kleinen Tricks Zuflucht nimmt, mit denen wir versuchen, von anderen etwas zu bekommen, anderen Energie und Unterstützung abzuzapfen.  

Ein reines Herz ist ein ganzes, ein ungeteiltes Herz, und es ist gut für uns, wenn wir lernen, unser Herz ganz an etwas zu hängen, etwas mit Begeisterung zu machen, ein sinnvolles Risiko einzugehen, nicht mehr halbherzig zu sein, sondern aus ganzem Herzen zu lieben. Gott wollte uns als Leute, die ihre ganze Kraft und Freude einsetzen, die ein großes, begeistertes Leben führen und die vielen Möglichkeiten, die er in uns gelegt hat, auch wirklich ergreifen. Wir sollen nicht aus lauter Vorsicht das Leben vermeiden. Denn Gott kann man auch ein zerbrechliches Herz anvertrauen. Ohne das Risiko der Enttäuschung einzugehen werden wir Liebe nie wirklich erfahren. Und wenn wir tatsächlich verletzt und verraten wurden, dann können wir uns an Gott wenden.

Denn er hat uns gesagt, und das ist der Spruch von Eugen:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein (Jesaja 43,1).

Wir müssen keine Angst haben vor dem Weg, auf den Gott uns ruft. Das ist nichts, was er macht, um uns Probleme zu bereiten oder uns vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Nein, es ist ein Weg, auf dem wir immer mehr entdecken, wer wir wirklich sind. Bei unserem Namen ruft er uns, das bedeutet, wir sind für Gott unverwechselbar, einzigartig, ein Mensch, den er genau geplant und gewollt hat, ein Meisterstück, kein Massenprodukt. Wir haben ein eigenes Gesicht, und niemand anders als wir kann diesen Platz in der Welt ausfüllen, an dem wir stehen. Niemand erlebt das, was wir erleben, und keiner sieht die Welt so, wie wir sie sehen. Wir sind einzigartig. Und zu diesem einzigartigen Menschen sagt Gott: es geht mir um dich, mit dir habe ich eine Beziehung begonnen und will sie nicht mehr aufgeben; ich habe für dich einen einzigartigen Weg, und fürchte dich nicht, ihn zu gehen. Vertrau mir, höre meinen Ruf und antworte mir, damit dein Leben mit meiner Herrlichkeit erfüllt wird!

Und wie das gemeint ist, das sagt der Konfirmationsspruch von Miryam:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen (1. Korinther 13,13).

Gott beruft uns dazu, Menschen zu werden, die von Glaube, Hoffnung und Liebe erfüllt sind:

Glaube, das bedeutet eine feste Verbindung mit Gott, auch wenn wir ihn nicht sehen. Das ist für uns irritierend, weil uns das Gespür für die unsichtbare Wirklichkeit abhanden gekommen ist, weil wir uns an dem orientieren, was wir sehen, und gar nicht verstehen, dass die wirklichen Entscheidungen ganz woanders fallen, hinter den Kulissen, im menschlichen Herzen und in der unsichtbaren Welt.

Hoffnung hat genauso mit dem Unsichtbaren zu tun: wenn man sich nicht beeindrucken lässt von schlechten Nachrichten und Erfahrungen, wenn man sich nicht von Sorgen und Befürchtungen bewegen lässt, sondern daran festhält, dass Gott diese Welt zu seinem guten Ziel bringen wird, und schließlich

Liebe ist die Art, wie wir miteinander umgehen sollen und die einzige Art, die wirklich zu uns passt. Liebe bedeutet, dass wir uns daran gewöhnen, zu geben, statt immer zu nehmen; dass wir verstehen, wie reich wir sind, und dass der Reichtum nicht weniger wird, wenn wir ihn teilen; im Gegenteil: alles, was wir verschenken, das macht uns wirklich reich, weil Beziehungen nicht nur für Gott so wichtig sind, sondern weil er uns nach seinem Bild geschaffen hat: als Personen, die ihre Freude und ihr Glück in tiefen, verlässlichen Beziehungen finden

Wenn die neue Welt anbricht, dann müssen wir nicht mehr glauben, weil wir dann die Wirklichkeit Gottes unmittelbar spüren, in allem. Wir müssen auch nicht mehr hoffen, weil dann alle Bedrohungen und Ängste hinter uns liegen. Aber lieben, das werden wir dann immer noch, das wird dann unser ganzes Verhalten prägen, das wird die neue Welt erfüllen, und ihre Herrlichkeit wird groß sein.

Und Gott lädt uns ein, das alles jetzt schon zu entdecken, das jetzt schon in unser Leben einzulassen, nicht mehr im Dunst der alten Welt zu leben, sondern aus den Kräften der kommenden Welt. Er lädt uns ein, unser Herz an die Zukunft zu hängen. Jetzt schon auf das zu setzen, was am Ende gewinnt. Dann wird er uns entgegenkommen, er wird uns antworten, er wird uns zeigen, dass das nicht vergeblich war. Auf diesem Weg werden wir nicht im Dunkeln tappen, sondern das Licht des Lebens wird uns immer heller leuchten.