28 Jesus aber, der gerade im Tempel lehrte, rief mit lauter Stimme: ᅵwisst ihr wirklich, wer ich bin und woher ich komme? Ich bin nicht im eigenen Auftrag gekommen. Aber der, der mich gesandt hat, ist glaubwᅵrdig. Und den kennt ihr nicht. 29 Ich kenne ihn; denn ich komme von ihm, und er hat mich gesandt.ᅵ

Das sagt der erwachsene Jesus; aber die Frage, die er da stellt, kï¿œnnte man genauso angesichts des neugeborenen Jesus stellen: wisst ihr wirklich, wer ich bin, und worum es geht bei mir? Immer wieder haben Menschen versucht, dieses Phï¿œnomen Jesus so zu etikettieren, dass ihre Welt weitergehen konnte wie immer. Jesus sollte nichts durcheinanderbringen dï¿œrfen. Menschen haben ihn als groï¿œen Lehrer bezeichnet, als weisen Mann, als einen der wichtigsten Menschen der Welt, als holden Knaben im lockigen Haar - aber sie sind der Frage ausgewichen: ist Jesus wirklich die entscheidende Botschaft Gottes, seine authentische Verkï¿œrperung, sein - Sohn eben? Und wenn er es ist: kann ich dann eigentlich noch so weiterleben wie vorher? Was muss sich dann bei mir ï¿œndern, was hat er mir zu sagen? Stattdessen hat man Jesus reduziert auf ein paar einsichtige Weisheiten, dass man niemandem etwas Bï¿œses tun soll und dass Gott schon ein Auge zudrï¿œcken wird.

Schon in der Weihnachtsgeschichte sollen die Menschen, die dabei sind, verstehen, was da wirklich passiert. Und wir sollen es verstehen unter der ganzen Verharmlosung mit den Englein und Glï¿œcklein und Schneeflï¿œcklein und was sonst noch so zur Weihnachtsfolklore gehï¿œrt.

Stellen Sie sich vor, die Hirten hï¿œtten in der Heiligen Nacht keinen Besuch von den Engeln bekommen, sie wï¿œren nicht mit Tempo nach Bethlehem gelaufen, sondern sie hï¿œtten ein paar Tage spï¿œter Maria zufï¿œllig beim Einkaufen getroffen. Irgendwie wï¿œren sie ins Gesprï¿œch gekommen. Bestimmt hï¿œtten die Hirten auch in den Kinderwagen geguckt und gesagt: o, der ist aber niedlich, wie heiï¿œt er denn, und was man sonst noch alles ï¿œber Babies sagt. Und sie wï¿œren bestimmt angerï¿œhrt gewesen von dem kleinen Wesen, so wie jeder von einem kleinen Kind gerï¿œhrt wird, wenn er noch ein bisschen Herz hat. Aber davon hï¿œtten sie noch lï¿œngst nicht gemerkt, dass das ein ganz besonderes Kind ist.

Das heiᅵt, wem nicht die Augen geᅵffnet werden, durch die Engel oder anderswie, der kann ganz einfach so tun, als ob Jesus ein Mensch wie jeder andere ist. Solche Leute gab es spᅵter noch genug, als Jesus groᅵ war. Die sagten: wir wissen, wo er groᅵgeworden ist, wir kennen seine Familie, da kann gar nichts Ungewᅵhnliches hinter stecken, auch wenn der Sohn sich ziemlich auffᅵllig benimmt und groᅵe Sachen erzᅵhlt. Und sie bestanden darauf, dass sie Bescheid wussten und nichts Besonderes zu erwarten wᅵre. Und die fragt Jesus: ᅵwisst ihr wirklich, wer ich bin? Wisst ihr, wer wirklich hinter mir steht? Bleibt euer Blick an der Oberflᅵche haften, oder schaut ihr dahinter?ᅵ

Oder, auf Weihnachten ᅵbertragen: ᅵWisst ihr wirklich, was hinter Weihnachten steht? Welche Wirklichkeit sich da meldet?ᅵ Es geht nicht um die korrekte Antwort, dass es der Geburtstag von Jesus ist, sondern um die Tiefendimension, dass da einer aus der Welt Gottes zu uns kommt, von drauᅵen, vom Schᅵpfer der Welt, dass er der Sohn Gottes ist, dass mit ihm die Welt Gottes hier zu uns kommt und sich einnisten will bei jedem von uns. Und dass die Welt sich damals grundlegend verᅵndert hat. Das ist gerade das Entscheidende an Jesus. Das war es, was die Engel den Hirten sagten. Allein wᅵren sie bestimmt nicht darauf gekommen. Als Menschen sind wir gewohnt, mit dem zu rechnen, was wir sehen und anfassen kᅵnnen, aber nicht mit der unsichtbaren Welt Gottes.

In unserem Leben und in unserem Tagesablauf ist immer mehr bekannt, geregelt, abgesichert und schon lï¿œngst entschieden. Fï¿œr Gottes Sprechen und Wirken ist kein Raum vorgesehen, vielleicht gerade noch mal ein Eckchen. Wenn Jesus trotzdem heute unter uns lebendig wird: kï¿œnnen wir das ertragen?

Stellen Sie sich vor, heute Abend macht einer von uns eine tiefe, beglᅵckende Erfahrung der Nᅵhe Gottes. Und so groᅵ und stark erlebt er die Gᅵte des Schᅵpfers, der seinen einzigen Sohn hier zu uns gesandt hat, damit wir ihn kennen und zu ihm gehᅵren und nicht mehr allein sind in unserer abgeschlossenen Welt, so ᅵberwᅵltigt ist er davon, dass Gott genau ihn meint, dass er mit jubelndem, erfᅵllten Herzen durch die Nacht geht und beinahe ganz vergisst, dass sie zu Hause auf ihn warten mit der Bescherung und dem Essen und sich Sorgen machen um ihn. Kᅵnnten wir so eine Begegnung mit dem lebendigen Gott ertragen?

Oder wenn heute wï¿œhrend der Nachtschicht die Engel einigen einsamen Mï¿œnnern an ihrem Arbeitsplatz erscheinen wï¿œrden wie damals den Hirten: kï¿œnnten die denn so einfach losgehen, um sich ein neu geborenes Kind anzusehen?

Jesus kommt in eine Welt, wo Menschen versuchen, alles einzuplanen und sich rundum gegen alles mï¿œgliche abzusichern, um Gott aus ihrem echten Leben raushalten zu kï¿œnnen. Menschen richten sich ein, so als ob es nichts anderes gï¿œbe als diese Welt. Es gibt eine schreckliche Selbstsicherheit, die auch in Schwierigkeiten nach jedem Strohhalm greift, solange es nicht ein Leben mit Gott ist.

Wenn man als Pastor lange in einer Gemeinde ist, dann hat das den Vorteil, dass man den Lebensweg vieler Menschen ï¿œber viele Jahre hinweg verfolgen kann. Den ï¿œuï¿œeren, aber auch den inneren Lebensweg. Der Nachteil ist, dass man eigentlich nichts davon erzï¿œhlen kann, noch nicht einmal verfremdet, weil einfach zu viele Leute da sind, die erraten kï¿œnnten, wer gemeint ist.

Deswegen kann ich es nur pauschal sagen: ich habe im Laufe der Zeit so viele Menschen erlebt, die Jesus und Gott wichtig fanden, denen da vieles einleuchtete, aber die sich nicht wirklich entschlieï¿œen wollten, mit ihm zu leben. Da war so viel anderes, das wichtiger schien, so viele Dinge, die ihre Zeit und Kraft viel mehr beanspruchten. In der Regel waren es sympathische, freundliche, gutwillige Menschen. Und es gab immer gute Grï¿œnde, weshalb Gott zurï¿œckzustehen hatte. Aber ich habe dann wirklich oft gesehen, wie diese Menschen spï¿œter in Situationen kamen, auf die sie nicht vorbereitet waren, in denen sie dann nicht zurï¿œckgreifen konnten auf einen reifen, gefestigten Glauben. Manchmal waren das dramatische Belastungssituationen, manchmal nichts besonders Ungewï¿œhnliches, manchmal nur das Alter, das ja auch eine schwere Aufgabe ist, fï¿œr die man alle Erfahrung und Vorbereitung braucht.

Und dass sie damals Gott zurï¿œckgestellt haben, das hat ganz oft Folgen gehabt, manchmal dramatische Folgen. Gar nicht mal immer in dem Sinn, dass ihr Leben zusammengebrochen wï¿œre. Irgendwie kommt man ja meistens durch. Nein, eher so, dass Menschen nicht das geworden sind, was sie hï¿œtten sein kï¿œnnen. Dass sie in einer Problematik hï¿œngen geblieben sind, die sie hï¿œtten hinter sich lassen kï¿œnnen. Dass sie Empfindlichkeiten nicht losgeworden sind, von denen sie hï¿œtten frei werden kï¿œnnen. Dass sie klein und schwach und selbstmitleidig geworden sind, wo sie hï¿œtten stark und seelisch gesund und frï¿œhlich und furchtlos die Welt gestalten kï¿œnnen.

Unsere Hauptsï¿œnden bestehen meistens nicht in bï¿œsen Taten, sondern viel mehr darin, dass wir nicht zu dem Menschen werden, zu dem wir berufen sind, dass wir hinter den Mï¿œglichkeiten zurï¿œckbleiben, die Gott in uns hineingelegt hat.

Und alles, weil Menschen sich nicht durchgerungen haben, Gott ins Zentrum ihres Lebens zu stellen und von ihm her zu leben und zu denken und Zeit fï¿œr ihn zu haben.

Dabei ist unsere Welt offen fï¿œr das Eingreifen der Mï¿œchte der unsichtbaren Welt, und wenn der wahre und lebendige Gott seinen Heiland in die Welt sendet, um uns zu heilen und zu retten, das ist ein starker Impuls von auï¿œen, der unsere Welt nicht so lï¿œsst, wie sie ist. Warum sich dagegen abschotten?

Gott kommt in Gestalt von Jesus, weil er mit uns Lebensgemeinschaft haben mᅵchte. Er ᅵbersetzt sich in einen Menschen, weil wir ihn sonst nicht verstehen kᅵnnten. Gott ist so viel grᅵᅵer und mᅵchtiger als wir, wenn wir ihm so begegnen wᅵrden, es wᅵrde uns nur ᅵberwᅵltigen oder zerstᅵren. Deswegen muss Gott einen anderen Weg finden. Und so ist er ein Mensch geworden, damit er mit uns Gemeinschaft haben kann und wir ihn kennenlernen und ihm glauben, dass es ihm um uns geht.

Und so geht er seit Bethlehem mit uns und teilt unser Leben, er fï¿œhlt unsere Schmerzen und freut sich, wenn unser Leben von Freude erfï¿œllt ist. Er begleitet uns alle Tage, und wir sollen das wissen, seine Liebe erleben und erwidern. Und so geschieht es dann gerade in schweren Augenblicken, dass einer sagt: ich bin nicht allein, sondern ich fï¿œhle sehr deutlich, dass jemand da ist, in meinem Leben ist, und das gibt mir Geborgenheit. Und wenn es gut geht dann sagt er: Ich verstehe, dass das Jesus ist.

Genau das mï¿œchte Jesus: dass wir merken, dass er es ist. Die Beziehung zwischen ihm und uns soll ja nicht einseitig sein, sondern auf Gegenseitigkeit beruhen. Wenn wir auf ihn aufmerksam werden und uns fï¿œr ihn ï¿œffnen und mit ihm leben, dann kann er uns viel leichter begleiten und helfen. Dann kann er unser ganzes Leben erreichen und heilen. Jesus wartet darauf, dass wir aufmachen fï¿œr die Liebe Gottes, die von auï¿œen in die Welt kommt, von Gott, den er kennt. Diese gï¿œttliche Liebe ist besser als alles andere. Sie zu erleben, das ist das wirkliche Glï¿œck. Wir laden sie ein in unser Leben, wenn wir Jesus einladen, und wir ï¿œffnen uns dafï¿œr, wenn wir uns fï¿œr Jesus ï¿œffnen.

Liebe Freunde! Wenn es fï¿œr euch schï¿œn ist an diesem Weihnachtsfest, wenn ihr Gutes erlebt und euch mit andern zusammen freut, dann versteht: das ist ein Funke, ein Abglanz der groï¿œen Freude, die von Gott her in unser Leben kommen will. Und da ist noch viel mehr davon. Und es ist alles fï¿œr uns. Das Entscheidende ist gerade das, was man mit dem oberflï¿œchlichen Blick nicht sieht. Das Entscheidende muss man sich von den Engeln sagen lassen. Und dann entdecken wir Stï¿œck fï¿œr Stï¿œck, dass das Kind von Bethlehem schon lï¿œngst unser Freund und Bruder ist, dass Jesus neben uns steht und dass es nur einen kleinen Schritt braucht, um mit ihm Freundschaft zu schlieï¿œen.

Mï¿œgt ihr heute Abend in Seinem Namen beieinander sein in euren Hï¿œusern und Familien.