47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

Eine schwedische Möbelfirma fragt: wohnst du noch, oder lebst du schon? Wir wollen uns heute die Frage stellen: wartest du noch, oder lebst du schon? Wartest du noch auf das wirkliche, das echte Leben; auf die besseren Zeiten. Gehören wir vielleicht auch zu den Leuten, die sagen:

  • wenn ich erst mal einen anderen Job habe, dann.....,
  • wenn ich den passenden Partner habe, dann........,
  • wenn ich mehr Zeit habe, dann.....,
  • wenn ich erst mal weiß, wo ich hingehöre, dann.....,
  • wenn erst mal die Kinder da sind, dann....,
  • wenn die Kinder erst mal aus dem Haus sind, dann....,
  • wenn ich nicht mehr arbeiten muss, dann......,

dann fängt das Leben wirklich an. Dann geht es los, und wir holen nach, was wir bis dahin verpasst haben.

Wenn es doch nur so wäre ? das mit dem Nachholen. Lieber spät als nie. Aber oft kommt es ganz anders: im Alters kehrt es sich um, und viele Gespräche beginnen dann damit, dass jemand sagt: weißt du noch, damals? Und man schwelgt in Erinnerungen. Erinnerungen an die Zeiten, von denen man früher meinte, das sei noch nicht das Leben.

Liebe Gemeinde, so was ist furchtbar tragisch, und man fragt sich: wann haben diese Leute gelebt? Als junger Mensch wartet man auf die Zukunft, die das pralle, tolle Leben bring, und als alter Mensch guckt man dauernd zurück, weil das kleine Stückchen Zukunft das man noch hat, ja wahrscheinlich auch nichts mehr bringt. Und dann versucht man die Vergangenheit schönzureden, weil man es sonst gar nicht aushalten würde.

Und das kostet Kraft und es verbraucht den Menschen. Das Herz, unsere Seele büßt dabei immer mehr seine Lebensenergie ein, und es fühlt sich immer mehr an wie Totsein. Das Herz stirb scheibchenweise.

Es geht um Leben und Tod in unserem Predigtext.

Und wir alle kennen diese ungeheuere Sehnsucht nach Leben, nach wirklichem, echtem Leben. Wir wollen nicht schon lebend tot sein. Und für die Zeit nach unserem irdischen Sterben hat Gott auch anderes mit uns vor.

Wir sehnen uns nach dem Leben, von dem Jesus hier in unserem Bibeltext redet. Wir hungern nach erfülltem, ewigen Leben. Und genau dieser Hunger ist es ,wenn unser Herz diese tiefe Sehnsucht spürt nach Lebendigkeit, nach Wärme und nach Angenommensein, nach Geborgenheit und Glück. Aber auch nach Verrücktheiten, nach Abenteuer, nach Freiheit, nach Anerkennung und Bewunderung, nach Lieben und Geliebtwerden. In uns allen steckt doch die Sehnsucht, einmal ganz groß rauszukommen; zu merken: ich bin etwas ganz besonderes und ich werde geliebt.

Tief in uns Menschen gibt es eine Ahnung davon, dass es dieses Leben gibt, aber irgendwie scheint es verlorengegangen und wir suchen es an den merkwürdigsten Stellen. Manche suchen Erfüllung in Geld und Besitz, andere in Macht und Ansehen, andere stürzen sich in die Arbeit. Ich kenne Leute, denen ist der Beruf, die Arbeit das Wichtigste. Das ist ihre Existenzberechtigung, hieraus ziehen sie ihren Wert. Und je älter diese Leute werden, umso mehr merkt man wie hohl das ganze ist, und irgendwann zerbricht dieses selbstgebaute Lebenshaus und man steht mit leeren Händen da.

Aus dem Fernsehen wissen wir: Junge Leute lassen sich erniedrigen, weil sie meinen zum Superstar Deutschland werden zu müssen. Sie halten das für absolut erstrebenswert. Und auch sie sitzen der falschen Hoffnung auf, dort das wirkliche, echte Leben zu finden. Körper werden beschnitten, abgesaugt, vergrößert, verkleinert, nur weil Menschen glauben, dass sie mit schlankeren Oberschenkeln oder weniger Falten im Gesicht oder was auch immer, dann endlich das Leben führen können, nach dem sie sich so sehnen. Was für ein schrecklicher Irrtum!

Nichts von all dem kann unseren Lebenshunger stillen. In Wirklichkeit bleibt immer eine innere Leere zurück und mit jedem weiteren fehlgeschlagenen Versuch gibt unsere Seele ein Stück ihrer Lebendigkeit auf. Wartest du noch, oder lebst du schon? Oder ist das Herz, die Seele in all den Jahren schon Stück für Stück gestorben?

Menschen verbringen soviel Zeit mit Warten oder Suchen! Aber unser Lebenshunger kann nur von einem gestillt werden: von Jesus selbst. Wahres und echtes Leben , das hier und jetzt beginnt und Bestand hat bis in alle Ewigkeit, dieses Leben voller Lebensenergie ist immer mit Gott verbunden. Er ist die Quelle des Lebens.

Jesus sagt uns im heutigen Predigttext was wir tun können, um das wirkliche, ewige Leben zu bekommen. Er sagt:

  1. wer glaubt hat das ewige Leben, und
  2. ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Liebe Gemeinde, das sind zwei ganz klare Ansagen. Und natürlich können wir dem nur zustimmen. Wirkliches Leben entsteht, wenn wir in einer lebendigen Beziehung zu Gott, zu Jesus leben, wenn wir auf den Heiligen Geist hören und uns von ihm in Bewegung bringen lassen. Das verstehen wir ja unter Glaube: leben mit Gott.

Und weil Jesus genau weiß, dass wir von Gott so geschaffen sind, dass wir nur in Gemeinschaft mit ihm wirklich lebendig sind, und weil er um unsere Sehnsucht, um unseren Lebenshunger weiß, deshalb spricht er von sich selbst als Lebensbrot. Eigentlich sagt er doch: ich bin das Brot, das wirklich satt macht. Also kommt, ihr müsst euch von mir ernähren. Ihr müsst von mir leben.

Jesus stellt hier zwei Dinge nebeneinander: den Glauben und das Lebensbrot, das er selbst ist. Beides schafft ewiges Leben.

Aber Jesus setzt zwischen diese beiden Sätze vom Glauben und vom Brot das Beispiel der Israeliten in der Wüste. Sie haben das Manna gegessen und sind gestorben. Da ging es doch auch um göttliches Brot das vom Himmel gefallen ist. Ihr erinnert euch: Gott befreite sie Israeliten aus der Gefangenschaft der Ägypter . Er führte sie durch die Wüste und als sie nichts mehr zu essen hatten, ließ Gott jeden Tag Manna vom Himmel fallen, das eingesammelt wurde und die Israeliten satt machte.

Warum bemüht Jesus diese Geschichte? Man kann doch nicht Manna mit Jesus vergleichen. Natürlich, Manna ist irgendetwas zum Essen und Jesus ist Gottes Sohn. Aber beides stillt den Hunger. Es war ja Gottes Wille, dass die Israeliten überlebten. Das war ja Sinn und Zweck des Ganzen. Gott wollte sein Volk in das gelobte Land bringen. Das Manna war nicht der Grund ihres Sterbens. Das kam ja von Gott und sollte sie gerade vor dem Hungertod retten.

Jesus will mit diesem Beispiel deutlich machen, dass Punkt 1 und 2, nämlich Glaube und Brot des Himmels zusammen gehören. Das Brot haben sie gegessen, nörgelnd zwar, aber immerhin. Aber wie sah es mit ihrem Glauben aus? Sie haben in Ägypten Gottes Wunder gesehen und sie waren tief ergriffen. Ihr Glaube war gestärkt und so machten sie sich im Vertrauen auf Gott auf den Weg. Aber ihr Glaube trug sie nicht durch. Als Mose ein paar Tage auf dem Berg Sinai verschwunden war, sammelten sie alles Gold und allen Schmuck zusammen und gossen sich daraus ein goldenes Kalb, damit sie etwas zum Anbeten hatten.

Wie wir sehen, Punkt 1, den Glauben an Gott, haben sie nicht erfüllt. Sie haben sich von Gott abgewandt, ihm nicht mehr vertraut, nicht mehr an ihn geglaubt. Und genau daran sind sie gestorben. Sie haben sich etwas gebastelt, was sie anfassen, ansehen, ja sogar anbeten konnten. Aber dieses goldene Kalb war ein totes Kalb. Das gegossene Gesicht konnte keine Regung zeigen. Das Kalb konnte nicht wachsen und zum Stier werden, es war nicht warm, wenn man es anfasste. Natürlich nicht: es war ja ein totes Ding! Vielleicht schön anzusehen, schließlich war es aus Goldschmuck gemacht. Es hat sicher in der Sonne geglitzert und natürlich war es viel Wert. Aber es war ein totes Ding.

Mit diesem goldenen Kalb hatten sich die Israeliten für einen toten Glauben entschieden. Und ein toter Glaube ist einer, bei dem nichts zurückkommt, keine Antwort, keine Beziehung, kein Leben. Wer auf einen Glauben setzt, der sich auf Dinge bezieht, der wird unweigerlich den Tod sterben, von dem Jesus hier spricht.

Deshalb macht es wenig Sinn, Lebenserfüllung in Dingen wie Geld, Ruhm, Aussehen oder ähnlichem zu suchen. Denn auch das ist toter Glaube. Es fühlt sich an der Oberfläche vielleicht nett an, aber es dringt nicht ins Herz. Wirkliches, echtes Leben finden wir nur bei Gott und bei Jesus. Gott hat uns so geschaffen, dass wir nur im Gegenüber zu ihm, in einer lebendigen Beziehung zu ihm das wahre Leben bekommen.

Danach sehnen wir uns. Und weil das so ist, und wir Menschen uns oft so schwer tun, ist Jesus in die Welt gekommen. Er weiß um unseren Lebenshunger und er macht sich selbst zu dem, der diesen Hunger stillt. Er macht uns satt. Er dockt uns wieder an an unsere Lebensquelle: an Gott. Jesus füttert uns mit Brot, das wirklich lebendig macht, aber er füttert auch unseren Glauben.

Früher hatte ich immer die Vorstellung, dass man von diesem Lebensbrot Jesus nur einmal essen muss und dann ist alles o.k. Aber jetzt denke ich, dass das so nicht stimmt. Natürlich, ich habe mich für Jesus entschieden. Und von einigen von euch weiß ich, dass ihr sogar den Tag eurer Entscheidung noch genau wisst. Aber das allein reicht nicht.

Jeden Tag muss diese Verbindung neu gelebt werden. Jeden Tag will ich vom Lebensbrot essen, mich stärken, es in mir wirken lassen. Heute will ich das tun, wozu es mir Kraft gibt, will ich den Platz ausfüllen, den Gott mir gegeben hat. Dann warte ich nicht mehr auf den neuen Job, den richtigen Partner, die Rente. Vielleicht kommt das ja noch, aber mir ist klar, dass das eigentliche, wirkliche Leben heute stattfindet und nicht irgendwann anders. Jesus ist Lebensbrot, es ?füttert? uns. Aber es ?füttert? auch unseren Glauben.

Wir haben uns vorhin daran erinnert, was mit dem Glauben der Israeliten passiert ist. Und ich kann mir vorstellen, dass der Glaube, wenn er nicht gefüttert wird, irgendwann Stück für Stück von seiner Lebendigkeit einbüßt, vielleicht sogar stirbt. Man gerät immer mehr in eine Art Warteschleife hinein und irgendwann entdeckt man, dass man das Leben plötzlich wieder an den falschen Stellen sucht. Deshalb ist es gar nicht so verkehrt, sich ab und an die Frage zu stellen: wartest du noch (oder schon wieder) oder lebst du schon?

Das ist nichts, was einem leicht fällt, aber wir können sicher sein: wenn wir uns diese Frage stellen ist Gott da. Er lässt uns nicht allein, schon gar nicht wenn es um so lebenswichtige Fragen geht. Und er hat auch die Antwort für uns. Jesus selbst ist die Antwort. Dafür ist er Mensch geworden, damit wir zurückfinden in das wirkliche Leben, zu Gott.

Ich stell mir vor, dass Jesus mir seine Hände entgegenstreckt und so etwas sagt wie: komm, ich kenne dich schon so lange, und ich liebe dich, wir gehören zusammen. Ich will dir Lebensbrot sein, damit dein armes hungriges Herz endlich das bekommt, wonach es sich so sehr sehnt. Komm zurück zur Quelle, zu Gott unserem Vater. Und ich will dir Lebensbrot sein, damit du das wirkliche Leben hast, jetzt und bis in alle Ewigkeit.