Heute, bei der Konfirmation, sollen zwei Dinge geschehen: ihr sagt, dass ihr im christlichen Glauben bleiben und wachsen wollt, und wir segnen euch. Das ist ja so ein Zusammenhang, dass Gott auf unsere Entschlüsse und Entscheidungen, mit ihm zu leben, antwortet mit seinem Segen. Es sind solche Momente der Entscheidung, in denen Weichen gestellt werden für unseren ganzen Weg. Wenn in unserem Herzen die richtigen Entscheidungen fallen, dann wirkt sich das auch auf unserem ganzen äußeren Lebensweg aus.

Segen ist ein ganz entscheidender Faktor für unser Glück und unseren Lebensweg. Segen heißt, dass die Dinge gelingen; dass ein Glanz über dem liegt, was wir tun; dass wir in der Zuversicht leben, dass die Dinge zu einem guten Ende kommen, wenn wir sie anpacken. Segen ist nicht zu ersetzen durch Geld oder Erfolg, aber er bringt oft Erfolg und Gelingen mit sich.

Über den Segen hören wir etwas im Konfirmationsspruch von Lisa: »Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein (1. Mose 12,2)«. Das hat Gott zu Abraham gesagt, als er ihn berufen hat zum Stammvater seines Volkes. Gott will seinen Segen in die Welt bringen durch Menschen. Er beruft Menschen des Segens, Menschen, die etwas von ihm widerspiegeln und anderen weitergeben. Das bedeutet andersherum auch: wir werden selbst um so mehr gesegnet, je mehr wir Segen weitergeben. Segen funktioniert nicht nach dem Motto: halte es alles gut fest, damit du nichts verlierst, sondern Segen funktioniert so: gib viel weiter, damit du noch mehr bekommst. Dein Leben ist zu mehr bestimmt, als Tag für Tag mit den Widrigkeiten des Alltags zu kämpfen und irgendwie durchzukommen. Du sollst ein Mensch des Segens sein. Nicht weniger. Dazu bist du berufen. Zu weniger nicht.

Segen ist nämlich immer an das lebendige Gegenüber zu Gott gebunden; er ist nichts, was man lagern und aufheben kann. Man kann ihn nicht festhalten, davon stirbt er. Segen muss frisch sein. Er ist etwas Lebendiges, wie ein fließender Strom, der von seiner Quelle her immer neuen Nachschub bekommt.

Diesen Zusammenhang von Strom und Quelle beschreibt auch der Konfirmationsspruch von Fabian: »Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm (1. Joh. 4,16)«. Segen und Liebe liegen ja ganz eng beieinander. Nur wo Liebe im Hintergrund steht, da kann etwas gedeihen, nur wenn wir in Liebe verankert sind, liegt auf dem, was wir tun, Segen. Liebe gibt und schenkt, und dann gedeiht das Leben. Und auch Liebe ist ein lebendiger Strom, er kommt von Gott und strömt in die Welt hinein, und wenn diese Verbindung zur Quelle nicht mehr klappt, dann wird aus dem fließenden Strom ein stehendes Gewässer, das nicht mehr frisch und lebendig ist.

Und so bist du berufen, ein Mensch der Liebe zu sein, der aus dem vollen Strom von Gottes Liebe schöpft und sie immer frisch und erfrischend weiter geben kann. Nicht einer, der so irgendwie durchkommt, sondern einer, der in sich eine Quelle trägt, die aus der Verbindung zu Gott frisches Lebenswasser gibt. Nicht weniger.

Wie diese Verbindung zustande kommt, das erfahren wir aus dem Konfirmationsspruch von Katharina. Dieser Vers ist eigentlich ungewöhnlich als Konfirmationsspruch, aber wir können da aus erster Hand erfahren, wie das zugeht, wenn Gottes Segen in die Welt kommt: »Der Engel des Herrn erschien Mose in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch (2. Mose 3,2)«. Mose wollte eigentlich etwas tun gegen die Unterdrückung seines Volkes in Ägypten.

Damit war er gescheitert, er musste fliehen, und aus dem jungen Mann mit den glänzenden Karriereaussichten wurde ein Hirte irgendwo hinten in der Wüste. Aber genau da begegnete ihm Gott: Feuer aus einem brennenden Busch. Gott ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Freiheit seiner Menschen. Er brennt dafür, und wer mit ihm zu tun hat, der gerät nicht an einen braven alten Mann, der jetzt im Ruhestand in seinem Lehnstuhl sitzt und der Welt nur noch zuschaut. Sondern er ist einer, der leidenschaftlich und brennend Anteil nimmt an unserem Ergehen, unseren Kämpfen und Nöten, und der Leidenschaft und Hoffnung weckt in Menschen, die da sonst nicht dran gedacht hätten. Und dann, ohne dass wir es voraussehen könnten, öffnet sich ein Tor zur Welt Gottes, und da kommt von etwas hinüber in unsere Welt und lässt Menschen Anteil haben an der Leidenschaft Gottes für das Leben und für unsere Erde.

Du bist berufen, ein Mensch des Feuers zu sein, nahe dran an der Leidenschaft Gottes, nicht gleichgültig oder resignierend, sondern brennend und lebendig. Nicht weniger.

Was dieses Feuer in uns anrichtet, das hat später Paulus beschrieben als Glaube, Hoffnung und Liebe, wie es der Konfirmationsspruch von Thomas sagt: »Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen (1. Korinther 13,13).« Glaube, das ist die Verbindung zu dem Gott, den wir während des größten Teils unseres Lebens auf der Erde nicht sehen, aber den wir doch spüren können, wenn wir auf ihn hören wollen. Glaube ist der Wunsch, vom Feuer Gottes angezündet zu werden; zu wissen, dass wir nur so die ganzen Möglichkeiten unseres Lebens ausschöpfen werden. Hoffnung ist die feste Zuversicht, dass Gott sein Ziel mit dieser Welt erreichen wird, und dass es deswegen klug ist, zu ihm zu gehören: wir wollen schließlich am Ende bei den Gewinnern stehen, oder? Es kommt der Tag, an dem wir den Glauben nicht mehr brauchen, weil wir in der neuen Welt Gottes ihn sehen werden. Da werden wir auch die Hoffnung nicht mehr brauchen, weil dann ja eingetreten ist, was wir erhofft und erwartet haben. Aber die Liebe, die wird dann ganz deutlich die Basis von allem sein.

Und der Zugang zu ihm ist nicht verbaut oder kompliziert, sondern wir werden auf ihn stoßen, wenn wir es wirklich wollen. Das sagt der Konfirmationsspruch von Lena: »Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr (Jeremia 29,13-14).« Was wir im Herzen wirklich wollen, das wird auch kommen. Was wir halbherzig tun, das wird nicht gelingen. Und so wird Gott auch dafür sorgen, dass wir ihn finden, wenn wir es wirklich wollen, mit ganzem Herzen. Es kann sein, dass er uns erst auf eine Reise schickt, um zu schauen, wie ernst wir es meinen. Manchmal setzt Gott das ein, um die Sehnsucht unseres Herzens wachsen zu lassen. Keiner wartet gern, aber Gott weiß, dass wir manchmal eine Zeit brauchen, bis unser Herz ganz klar geworden ist. Und dann wird er auf die Sehnsucht unseres Herzens antworten, und wir werden ihn tatsächlich finden.

Du bist berufen, ein Mensch mit ganzem Herzen zu sein, klar und deutlich, eine Antwort auf Gottes Ruf. Nicht weniger.

Und dabei sollen wir uns nicht fürchten vor all den Mächten in der Welt, die so tun, als ob sie hier das Kommando hätten, und an denen wir angeblich nicht vorbeikommen. Sie alle haben nicht die Macht, uns abzuschneiden von dem Strom der Liebe Gottes, und das ist das Entscheidende. Das sagt der Konfirmationsspruch von Jan: »Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn (Römer 8,38f).« Paulus sagt da: es gibt tatsächlich so viele Kräfte und Mächte in der Welt, große und kleine, und Menschen haben manchmal das Gefühl: das schleudert mich rauf und runter, und ich kann da gar nichts gegen machen. Ich komme mir vor wie ein Spielball von Gewalten, die viel stärker sind als ich. Dagegen setzt Paulus: nichts davon kann dich so von der Liebe Gottes trennen, dass du sagen müsstest: Gott ist nichts für mich, bei den anderen mag das funktionieren, aber bei mir hat das keinen Zweck! Nein, sagt Paulus, ich zähle schon mal vorsichtshalber alles auf (und wer in der Bibel nachschlägt, der merkt, dass die Liste sogar noch länger ist), es gibt nichts in dieser Welt, wirklich gar nichts, bei dem man sagen müsste: da kommt Gott nicht gegen an. Dieser Strom der Liebe Gottes, der ist überall in dieser Welt zugänglich, und du kannst dich ihm anvertrauen. Selbst der Tod konnte Jesus nicht stoppen. Es ist, als ob er sich entschlossen hatte, zu beweisen, dass man die Liebe nicht töten kann, und wenn man sie kreuzigen würde, würde sie mit Sicherheit von den Toten auferstehen. So kam es, und das hat dem Tod das Genick gebrochen.

Und so bist du berufen, ein Mensch der Furchtlosigkeit zu sein, der seine Kraft aus einer Quelle nimmt, die nicht aufhört und der so unabhängig wird von dem, was auf uns zukommt - nichts davon wird uns trennen können von der Liebe Gottes.

Diese Quelle wird beschrieben im Konfirmationsspruch von Vincent: »Der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät ihm wohl (Psalm 1,3).« Ein Baum, der an einem Fluss wächst, der muss sich keine Sorge machen, wenn ein heißer Sommer kommt. Er hat immer genügend Wasser und kann der Hitze trotzen. So geht es auch dem Gerechten, also demjenigen, der sich entschieden hat, dass er Gott gefallen will und nicht abhängig sein will vom Beifall der Menschen. Der wird aus den verborgenen Wasseradern Gottes immer neuen Nachschub bekommen. Und dann werden ihm die Dinge gelingen, und Menschen werden das sehen und von ihm angezogen sein. Gerade wer an Gott denkt und sich nicht abhängig macht von Menschen, der wird am Ende auch bei den Menschen gut dastehen.

Und so bist du berufen, ein Gerechter zu sein, ein Mensch, der mit Gott geht, der auf ihn schaut und an ihm seine Freude hat und der aus seinen verborgenen Wurzeln lebt - weniger nicht.

Und es ist tatsächlich das Herz, die verborgene Seite des Menschen, an der sich entscheidet, wer wir sind. Das sagt der Konfirmationsspruch von Jannick: »Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an (1. Samuel 10,7).« Wir schauen alle auf die Außenseite eines Menschen, und nur wenn wir ihn gut kennen und mit einem liebevollen Blick anschauen, dann erschließt sich etwas von seinem Inneren. Das ganze Herz eines Menschen durchschauen wir nie, noch nicht einmal bei uns selbst. Aber Gott weiß, wie unser Herz funktioniert, er kennt alle verborgenen Weichenstellungen, und er weiß auch, wie es dazu gekommen ist. Er entdeckt in uns unsere Möglichkeiten, und er spornt uns an, dass wir sie nutzen und wachsen lassen.

Ich habe jetzt fast immer gesagt: du bist berufen, so und so ein Mensch zu sein - weniger nicht! Ich glaube, dass wir Gott die meisten Probleme gar nicht mit dem machen, was wir tun, sondern mit de, was wir nicht tun, dass wir unter unseren Möglichkeiten bleiben, dass wir hinter unserer Berufung zurückbleiben. Dass wir auf halbem Weg stehen bleiben und nicht das Format erreichen, das Gott für uns vorgesehen hat. Damit hat er es schwerer als mit unseren schlechten Taten. Und das alles entscheidet sich im Herzen, bevor es dann auch irgendwann nach außen spürbar wird.

So bist du berufen, ein Mensch des starken Herzens zu sein, sicher zu sein im Wissen, dass Gott dein Herz anschaut und dich kennt von Anfang an und freundlich auf dich schaut und so ein Mensch, der den Weg für den Segen öffnet - weniger nicht.

Dieser Blick Gottes ist es, der immer wieder die Wärme seiner Liebe zu uns bringt, und daran denken wir noch einmal beim Konfirmationsspruch von Julia: »Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm (1. Joh. 4,16)«. Wie wir uns an diesen schönen Frühlingstagen wieder der Sonne zuwenden, so sollen wir uns wärmen und erfreuen an der Liebe Gottes, damit sie ganz zu uns kommt. Mit Liebe ist aber nicht nur ein freundliches Gefühl gemeint ? das gehört auch dazu ? sondern ein deutliches Verhaltensmuster. Man kann es so zusammenfassen: wir sollen geben. Einen heilen Menschen erkennt man daran, dass er mehr gibt als er nimmt ? bei Finanzen, bei der Zeit, an Gefühlen, in Beziehungen. Ein heiler Mensch hält nicht um jeden Preis fest, was er hat. Er lebt nicht auf Kosten anderer. Jesus hat dieses Geheimnis entdeckt und praktiziert, dass wir bekommen, wenn wir großzügig schenken. Und wenn jemand das Gefühl hat, dass er es nötig hätte, heiler und stärker in sich selbst zu werden, glücklicher vielleicht auch, dann soll er anfangen zu geben und zu schenken, eben: zu lieben. Denn derjenige, der am meisten schenkt, der wird auch am meisten Liebe erfahren.

Und so bist du berufen, ein Mensch der Liebe zu sein, der das Geheimnis lernt, dass wir erst das wirklich besitzen, was wir verschenkt haben und was dann verwandelt und bereichert zu uns zurückgekommen sind. Weniger nicht.

Das alles klingt vielleicht sehr riskant, und irgendwie ist es das auch. Man hat ja diesen Moment der Unsicherheit: wird der Segen wirklich zu mir kommen, wenn ich nicht festhalte, sondern gebe und schenke? Und deswegen hören wir noch einmal auf den Vers, der der Konfirmations­spruch von Marcel ist: »Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen (1. Korinther 13,13).« Glaube, Hoffnung und Liebe werden bleiben, sie werden nicht enttäuscht werden, sondern sie werden bestätigt werden. Eines Tages werden wir uns ärgern über all die Male, wo wir uns haben beeindrucken lassen von all den anderen Einflüssen, anstatt uns an Glaube, Liebe und Hoffnung zu orientieren. Jesus ist auferstanden, er ist von Gott bestätigt worden, und deshalb hat auch das kleinste bisschen, was mit ihm getan wird, Zukunft. Es hat eine Perspektive über diese Welt hinaus, es wird bestehen bleiben, wenn viele andere Dinge längst vergangen und vergessen sind.

Und so bist du berufen, ein Mensch zu sein, der das ganze Leben im Blick hat, diese Welt und die neue, kommende Welt, und jetzt schon aus dem Geist der kommenden Welt zu leben in Glaube, Hoffnung und Liebe - weniger nicht.

Dazu braucht es Mut und Entschlossenheit, und das legt uns schließlich der Konfirmationsspruch von Max nahe: »Wer ist's, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert (1. Petrus 3,13)?« Wir haben manchmal das Bild vor Augen, dass man doch arm dran ist, wenn man gut sein will, und die anderen mit den unlauteren Methoden kommen viel besser durch die Welt. Und das mag es auch manchmal geben, aber das Normale ist tatsächlich, dass es richtig und sinnvoll ist, wenn wir uns am Guten orientieren, wenn wir verlässlich und klar sind. Das bewährt sich einfach, und es hat vor allem für uns selbst eine wichtige Folge: wir werden dann zu Menschen, die sich selbst trauen können. Wir wissen dann, dass wir uns auf uns selbst verlassen können, und andere können das auch. Wir fühlen uns einfach wohler in unserer Haut, wenn wir mit uns selbst und anderen im Reinen sind, und dann lebt es sich besser.

Du bist berufen, ein Mensch zu sein, der auf der richtigen Seite steht, an dem man ablesen kann, dass es richtig ist, auf Gottes Wegen zu gehen - weniger nicht.

Es ist klug, sich an Gott zu orientieren, auf ihn zu hören, ihm sein Herz zu schenken. Wie die Zukunft aussehen wird, in welcher Welt ihr einmal leben werdet, das kann keine voraussehen. Wer rechtzeitig geübt hat, mit Gott zu leben, nicht mit einzelnen Geboten oder Lebensregeln, sondern im Bündnis mit Gott selbst, der wird in guten und in weniger guten Tagen bestehen können - wie der Baum am Fluss, der keine Angst haben muss vor der Hitze.