Heute ist der Tag, auf den wir uns seit knapp fünf Jahren hin orientiert haben. Ich habe mir in den letzten Tagen noch mal die vielen Fotos angesehen, die wir in dieser ganzen Zeit gemacht haben. Und man denkt: was habt ihr euch verändert in dieser Zeit! Wirklich, ihr seid keine Kinder mehr. Auch unabhängig von dem Schock, euch heute morgen dermaßen seriös gekleidet zu sehen. Den Unterschied sieht man in den Gesichtern. Da ist ganz viel weitergegangen, ganz viel hat sich getan, man merkt das an der Art, wie ihr jetzt in die Welt schaut. Irgendwie hat man den Eindruck: ihr seid ein bisschen nachdenklicher geworden. Ein bisschen weniger unbeschwert, und ihr wisst ein bisschen mehr davon, dass es in der Welt manchmal auch schwierig sein kann, dass das Leben kein Kinderspiel ist. Aber auf der anderen Seite: man merkt, dass ihr die selben Personen seid. Gerade im Rückblick entdeckt man auf den alten Fotos schon ganz viel von der Person, die ihr heute seid: ach ja, so hat er schon damals geguckt. Ja, natürlich, diese Art von ihr, die hat sich in der Zwischenzeit ganz schön weiterentwickelt, aber die war schon damals da.

Und wir werden in diesem Gottesdienst auch gleich Bilder von euch sehen, bei den meisten sogar zwei, nämlich ein früheres und eins von heute, und oft kann man dieses Miteinander von Beständigkeit und Weiterentwicklung auch an diesen kleinen Schnappschüssen schon gut sehen.

Und dann die Erinnerungen, die kommen, wenn man die ganzen Bilder sieht: die ersten Bilder stammen aus der Stunde, wo wir die Paradiesgärten gebastelt haben. Und man sieht, wie ihr da Freude dran hattet, etwas Schönes zu bauen. Oder dann später die Fotos von der ersten Konfirmandenfreizeit in Tettenborn, wo ihr am Abend auf dem Spaziergang große Blumensträuße gepflückt habt, auch die Jungen, Frühlingsblumen, die waren wunderschön.

Und dieser ganze Weg mit all den Stationen, der hatte immer dieses Ziel im Blick, dass ihr heute hier seid und mehr oder weniger flüssig das Glaubensbekenntnis sprecht und gesegnet werdet. Heute bündelt sich dieser ganze Weg, da soll es vor allen, die heute hier sind, sichtbar werden, worum es in dieser ganzen Zeit mit vielen kleinen und großen Dingen gegangen ist: dass ihr ein Gespür dafür bekommt, was Gott eigentlich für einer ist, welche Handschrift er hat, welches persönliche Profil. Dass er einen Platz in eurem Leben hat. Dass ihr merkt, wie seine Energie unser Leben bewegt. Und dass ihr etwas davon erlebt habt, wie Erfahrungen mit Gott aussehen, in denen wir ihn deutlicher wahrnehmen als sonst: wenn wir gesegnet werden, wenn wir seine Nähe erleben, wenn wir von ihm mit Freiheit und Freude und einem festen Herzen beschenkt werden.

Als Einzelne und als Gemeinschaft machen wir die Türen dafür um so weiter auf, je stärker uns all diese Erinnerungen und Gedanken präsent sind. Je deutlicher wir wissen, wer das eigentlich ist, von dem der Segen und die Lebenskraft stammt. Und so wollen wir heute zuerst auf den Konfirmationsspruch von Vincent hören, in dem das konzentriert zusammengefasst wird:

Der Herr, dein Gott ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht verlassen (5. Mose 4,31).

Da stehen zwei Grundtatsachen über Gott drin: Gott geht mit, er baut Beziehungen zu uns auf, die von seiner Seite aus ein Leben lang bestehen bleiben. Wir wissen nicht, wie unser Lebensweg laufen wird, mit welchen Menschen wir ihn zusammen gehen werden, zu welchen Punkten des Erdballs er uns führen wird, aber das ist sicher, dass Gott diesen Weg mitgeht. Es wird Abschiede geben, manche Menschen werden irgendwann nicht mehr da sein, aber Gott bleibt treu, wie er es immer gewesen ist. Dieser Vers ist ein paar Jahrtausende alt, und durch diese ganze Zeit hindurch haben Menschen genau diese Erfahrung gemacht, dass Gott uns nicht verlässt. Wir können uns an ihn wenden, und er reagiert.

Das zweite ist: Gott ist barmherzig, er will uns nicht eins reinwürgen, er steht an unserer Seite, und auch wenn er uns sagt, was wir falsch machen, merken wir trotzdem, dass er uns mag.

Und als Jesus hier zu uns kam, da ist das noch einmal ganz deutlich geworden, wie sehr Gott mit uns zusammengehören will: Jesus hat das ganze menschliche Leben geteilt, bis zum bitteren Ende, und weil er auferstanden ist, deshalb geht das auch in die Zukunft weiter, wie Jesus es im Konfirmationsspruch von Annabelle sagt:

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt (Matthäus 28,20).

Weil Jesus auferstanden ist, deshalb hat in dieser Welt schon die neue Schöpfung begonnen, das neue Leben, in dem es keine Enttäuschungen mehr gibt, keine Schmerzen und Tränen, keine Krankheiten und Unfälle, das Leben, das nicht mehr von Pleiten, Pech und Pannen geprägt ist, das ist schon in diese alte Welt hineingemengt. Ok, es ist immer noch viel neben der Spur, seit Adam und Eva läuft so vieles schief, und so viele Menschen erreichen nicht das Format, das sie eigentlich haben sollten. Aber Jesus sagt: jeden Tag bin ich mit meinem neuen Leben da, und ich strecke meine Hand nach euch aus und ihr könnt sie nehmen, und mitten in dieser beschädigten Welt gibt es das Neue, und ihr könnt es leben. Das ist die Macht Jesus, dass auch in den härtesten Ecken dieser Welt das neue Leben gelebt werden kann, und manchmal wirklich da am deutlichsten, wo Menschen am stärksten unter Druck kommen und leiden und kaputtgemacht werden sollen.

Und im Konfirmationsspruch von Miriam hören wir, dass diese neue Wirklichkeit von Jesus her das ist, was wirklich Bestand hat:

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht (Lukas 21,33)

sagt Jesus. Der Himmel und die Erde, die wir kennen, die werden einmal abgelöst von der neuen Welt Gottes, in der all das Kaputte und Traurige Vergangenheit ist, wo Menschen voll Freude miteinander leben werden, gemeinsam mit den Tieren und der ganzen Schöpfung. Und Jesu Worte gehen durch die Welt, durch die Jahrhunderte, und bereiten diese neue Welt vor. Diese Zukunft kommt schon in unser Leben, wenn wir von den Worten Jesu bewegt und geprägt werden. Alles, was von ihm her gelebt wird, das wird nicht irgendwann vergehen und umsonst gewesen sein. Jeder kleine Akt der Freundlichkeit, jede mutige Entscheidung, jedes Mal, wenn wir uns erbarmt haben, so wie Gott barmherzig ist, jedes Mal, wenn wir mit Blumensträußen herumgelaufen sind und uns daran gefreut haben; jedes Mal, wenn wir jemandem eine Chance gegeben haben, der eigentlich keine gehabt hätte, das ist ein Baustein für die neue Welt Gottes, eine Investition in die Zukunft, und Gott sieht das und hält es fest und eines Tages wird er all diese Bausteine nehmen und noch einiges dazutun und daraus seine neue Welt gestalten. Und wir werden sagen: oh Mann, wie froh bin ich, dass das in meinem Leben drin war. Vielleicht wusste ich gar nicht so richtig, dass das von Jesus her kam, vielleicht habe ich es deutlich gewusst, aber jetzt im Rückblick - was bin ich froh darüber.

Und deswegen sagen wir mit dem Konfirmationsspruch von André:

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat (Psalm 102,3)!

Diese neue Welt, dieser Neuanfang für die ganze Welt und in unserem Leben, der ist der Kern von all dem Guten, was uns Gott tut. Er schenkt uns das Leben: dass es uns gibt, dass wir atmen können, dass wir uns bewegen und regen können, Leben, das unseren Körper durchströmt und unsere Gedanken beschwingt macht, und wir sollen Gott deswegen loben, weil so die Freude zu uns kommt. Wer sich dauernd beklagt und dauernd denkt, dass alle ihm was Böses wollen, der wird am Ende nur noch enttäuscht und missmutig darauf warten, dass für ihn das Licht ausgeht. Aber wer gelernt hat, in allem ein Geschenk Gottes zu entdecken und zu sagen: wie toll von dir! Danke! Wie schön! dessen Seele blüht auf und wird stark. Als wir getauft wurden, ist dieser Neuanfang in unser Leben gekommen, bei manchen gleich stark und deutlich, bei anderen nur ein bisschen, aber wir sollen immer mehr aus der Kraft leben, die Jesus von den Toten auferweckt hat. Die macht auch unser Leben heil und gesund und schön.

Deshalb sagt Jesus - und das ist der Konfirmationsspruch von Christopher:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben (Johannes 8,12).

Jesus wird unser Leben gestalten, und dazu sollen wir ihm Spielraum geben. Nachfolgen heißt: gucken, was er jeweils machen würde, und dann auf unsere Art und in unserem Stil das nachmachen, hier in unserer Gegenwart. Und dann wird sich sein Licht in unserem Leben spiegeln. Jesus erleuchtet die ganze Welt, aber dass sich sein Licht genau in uns spiegelt, darum geht es hier. Und wenn einer sagt: wie soll das gehen, und kann ich das überhaupt, und es ist so viel zerbrochen in der Welt, dann sollen wir daran denken, dass auch Scherben das Licht spiegeln, und genau betrachtet, wird Gott sowieso am Ende nur die Bruchstücke unseres Lebens nehmen können und dann etwas Neues daraus machen. Aber in dem allen soll unser Leben doch irgendwie das Licht Jesu widergespiegelt haben, und vielleicht auch ganz kräftig.

Und wie das geschieht, das sagt uns der Konfirmationsspruch von Daniel-André:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das andere alles zufallen (Matthäus 6,33).

Jesus sagt: mach dir nicht einen Haufen Sorgen, davon schläfst du nur schlecht, aber helfen tut es nichts. Es gibt eine Sache, um die du dich kümmern sollst, eine Sache, wo es sich wirklich lohnt, immer wieder drüber nachzudenken, und das ist das Reich Gottes, die neue Welt, die jetzt schon unter uns Gestalt annimmt. Wenn du dir darum Gedanken machst, wenn du darauf Energie und Fantasie und Motivation richtest, dann wirst du trotzdem gut schlafen, und ich werde dafür sorgen, dass sich die anderen Dinge in deinem Leben finden. Und genau das passiert, dass Gott für die Menschen sorgt, die sich um Gottes Sache in der Welt kümmern. Das haben so viele Menschen erlebt, Menschen, die wir aus der Bibel kennen, aber genauso in den Jahrhunderten und Jahrtausenden danach. In der Welt ist immer noch so viel Segen, und wer sich an Gottes Reich orientiert, zu dem wird dieser Segen ganz besonders kommen.

Einer davon war der König David, von dem der Konfirmationsspruch für Max stammt:

Der Herr ist mein Hirte, wir wird nichts mangeln (Psalm 23,1).

David hat wirklich viel durchgemacht, bevor er am Ende König wurde. Jahrelang musste er in Höhlen und Bergverstecken leben, immer mit Feinden, die ihm auf den Fersen waren. Immer das Problem, wo er für seine Leute genug zu Essen her bekommen würde. Und in dieser harten Zeit hat er gelernt, auf Gott zu vertrauen, dass der auf ihn achten wird, dass der für ihn sorgen wird. Und weil David nicht nur König war, sondern auch ein Dichter, hat er das in solche Formulierungen gekleidet, die es bis heute auf den Punkt bringen. Die Welt kann ganz schön ungemütlich und gefährlich werden, aber mitten in dieser Welt gibt es den Neuanfang von Gott her, es gibt Freundschaft mit Gott, wir wissen einfach, dass er an unserer Seite ist, und Gott beschützt unseren Neuanfang auch ganz äußerlich.

Und trotzdem bleibt es immer ein Wagnis, und vorher fragen wir uns: wie soll das gehen? wird es klappen? Und genau diese Situation beschreibt der Konfirmationsspruch von Radi:

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden (Johannes 16,33).

Das hat Jesus gesagt, weil er das selbst erlebt hat, wie sehr uns all das Dunkle und Gefährliche in der Welt einschüchtern und beeindrucken kann. Wie wir denken: was soll Gott da nur tun? Da kann er doch gar nichts dran ändern, und das bleibt auch so. Genau diese Angst hatte Jesus, als er auf seinen Tod zuging, und er hatte keine Garantie, dass er am Ende wieder leben würde. Aber er hat sich durchgerungen, er hat sich nicht einschüchtern lassen und Gott vertraut bis zu seinem bitteren grausamen Ende. Und er wurde wirklich nicht enttäuscht, sondern Gott hat ihn auferweckt. Deshalb ist die Macht des Bösen und Dunklen in der Welt an ihre Grenze gekommen. Und das sagt noch einmal mit einem gewaltigen Rundumschlag der Konfirmationsspruch von Maurice:

Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel, noch Fürstentümer noch Gewalten, weder gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn (Römer 8,38-39).

In der Auferstehung Jesu hat sich gezeigt, dass die Kraft Gottes, seine Liebe und seine Treue zu uns, stärker ist als alle Mächte und Herrschaften, die diese Welt kontrollieren wollen. Gottes Liebe hat diese Welt ins Leben gerufen; in seiner Liebe hat er an uns festgehalten, als wir uns von ihm abwandten und zu unserem Schaden dem Bösen die Tür geöffnet haben. Und jetzt, wo wir und die ganze Welt daran kaputt gehen, da bringt er durch Jesus seine Liebe zurück in die Welt, durch die Hintertür sozusagen, und sie ist wieder da und heilt uns und es kommt alles wieder in Ordnung, wo wir ihr die Tür aufmachen. Mitten in dieser beschädigten Welt gibt es heiles Leben und Hoffnung und neue Perspektiven.

Als einzelne und Gemeinschaften können wir all dem die Tür aufmachen und lernen, aus der Zukunft heraus zu leben, die Jesus bringt. Wir wollen heute für euch beten und euch segnen, damit dieses neue, große Leben in euch und unter euch Wurzeln schlägt und euren Weg beschützt und klar macht und von euch aus sich weiter ausbreitet in der Welt.