Dass wir heute auf einen fast fünf Jahre langen Weg zurückschauen können, ist ein Zeichen dafür, dass Jesus Christus mit uns einen Weg gehen will. Ein Weg bedeutet, dass man in Bewegung ist, dass sich etwas entwickelt und die Dinge nicht so bleiben, wie sie sind.

Deswegen frage ich euch nachher in der Konfirmationsfrage, ob ihr in diesem Glauben bleiben und wachsen wollt. Ihr sollt nicht auf dem Stand von heute stehen bleiben, sondern das soll ein Weg bleiben, bei dem immer wieder Neues beginnt, so wie es zum Leben gehört.

Heute bündelt sich aber dieser ganze Weg, den wir in dieser Konfirmandenzeit zurückgelegt haben: da soll es vor allen, die heute hier sind, sichtbar werden, worum es in dieser ganzen Zeit mit vielen kleinen und großen Dingen gegangen ist: dass ihr ein Gespür dafür bekommt, was Gott eigentlich für einer ist, welche Handschrift er hat, welches persönliche Profil. Dass er einen Platz in eurem Leben hat. Dass ihr merkt, wie seine Energie unser Leben bewegt. Sie tut es auf jeden Fall, aber wir sollen es auch wissen. Und ihr sollt etwas davon erlebt haben, wie Erfahrungen mit Gott aussehen, in denen wir ihn deutlicher wahrnehmen als sonst: wenn wir gesegnet werden, wenn wir seine Nähe erleben, wenn wir von ihm mit Freiheit und Freude und einem festen Herzen beschenkt werden.

Und das Besondere daran ist, dass es ganz stark von unserer Reaktion abhängt, was wir mit Jesus erleben, weil es da nicht um abstrakte Ideen geht, sondern um eine Beziehung zu einem lebendigen Gegenüber. So hören wir es im Konfirmationsspruch von Niklas:

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben (Johannes 8,12).

Jesus redet davon, dass er in dieser dunklen Welt, in der so vieles traurig und bedrohlich ist, ein Licht ist, und durch ihn können wir auch in den ungemütlichen Situationen einen Weg finden.

Ich lese seit einem halben Jahr im Internet die Berichte von einem jungen Mann aus Amerika, der einmal in der Woche mit einer Gruppe ins Zentrum seiner Stadt fährt und die Obdachlosen besucht, die dort in einem Park und im Winter in U-Bahn-Stationen leben. Jeden Montag ist er da und anschließend schreibt er auf seiner Website, was er erlebt hat. Man kann dadurch sozusagen aktuell dabei sein.

Sie gehen da hin und bringen heißen Kaffee mit und belegte Brötchen und manchmal verteilen sie auch Kleidungsstücke. Und er schreibt davon, was das manchmal für eine Überwindung ist, auf Leute zuzugehen, die sich lange nicht gewaschen haben und Alkohol trinken und entsprechend riechen. Aber wenn er diese Schwelle überwunden hat, dann macht er Entdeckungen. Menschen, die er sonst vielleicht nur im Vorübergehen sehen würde, erzählen ihm Geschichten. Manchmal traurige Geschichten, aber manchmal auch Geschichten voller Hoffnungen. Vor allem aber sind sie froh, dass jemand sie ernstnimmt und ihnen zuhört. Und er schreibt immer wieder, wie wichtig es für ihn ist, das zu erleben, wie das Licht von Jesus auch an solchen dunklen Orten scheint, wo sich die ganzen Probleme der Gesellschaft zusammenballen und alles so unlösbar und hoffnungslos aussieht.

Genau das ist die wirkliche Kraft von Jesus, dass er auch etwas bewegt, wo alle sagen: das hat sowieso keinen Zweck. Aber man lernt diese Kraft tatsächlich erst kennen, wenn man sie braucht. Deshalb sollen wir Jesus folgen, mitgehen, und das wird uns oft in Problemzonen der verschiedensten Art bringen. Aber genau dort ist seine Kraft oft am deutlichsten zu erleben.

Und das ist - das sagt uns der Konfirmationsspruch von Lina - die Kraft von Glaube, Liebe und Hoffnung:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen (1. Korinther 13,13).

Wenn man kurz beschreiben will, was Jesus in die Welt gebracht hat, dann kann man das mit diesen drei Begriffen tun: Glaube, Liebe und Hoffnung. Heute klingt das nicht so aufregend, ja, Glaube, Liebe und Hoffnung sind wichtig, hoffentlich haben wir genug davon, ach, das wird schon reichen.

Damals, als das Evangelium in die Welt kam, war das etwas ganz Neues. Die Menschen lebten in total übervölkerten Städten, überall war es in den Städten so eng wie heute in Kalkutta, ab und zu starb die halbe Bevölkerung durch Seuchen, die meisten lebten in schlecht gebauten Mietshäusern, die ab und zu einstürzten, draußen auf der Straße flossen die Abwässer vorbei, manchmal trieb da auch die Leiche eines Neugeborenen mit, und keiner kümmerte sich darum. Das war eine Welt, in der Glaube, Hoffnung und Liebe Mangelware waren. Und als die ersten Christen anfingen, sich umeinander zu kümmern, die Kranken zu besuchen und ihnen Essen zu bringen, nicht einfach zu fliehen, wenn Krankheiten ausbrachen - das war eine Revolution der Hoffnung und der Liebe. Das gab es bis dahin gar nicht. Die politisch Verantwortlichen und die Stadtverwaltung flohen als erste, wenn eine Seuche gemeldet wurde, und dann brach das öffentliche Leben zusammen und alles wurde noch schlimmer.

Aber jetzt waren da Menschen, die sich vor all dem nicht fürchteten, die standhielten auch in solch finsteren Verhältnissen, weil sie darauf vertrauten, dass Gott sie behütet. Diese Haltung des Vertrauens drückt der Konfirmations­spruch von Robin aus:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (Psalm 23,1).

Gott hat ungeahnte Möglichkeiten, uns zu beschützen und uns zu versorgen. Er achtet auf uns, er kennt uns, jeden Einzelnen, und keiner ist ihm egal.

Und vor allem, wenn wir Jesus auf den Wegen der Liebe nachfolgen, auf dem Weg, wo man Hoffnung an dunkle Orte bringt, dann wird er uns beschützen. Es ist ein Wagnis, es ist nicht von vornherein einleuchtend, man muss da einen Schritt des Vertrauens tun, und man wird dann merken, dass Gott dafür sorgt, dass wir nicht zu kurz kommen. Aber das stimmt eben nur innerhalb dieser Beziehung zu Gott, das ist keine allgemeine Wahrheit, dass Menschen nie etwas passiert - wir alle wissen, dass das nicht stimmt. Aber wenn man in dieser Beziehung zu Gott lebt, dann wird das immer einleuchtender, man erlebt das einfach immer wieder: ja, Gott passt wirklich auf mich auf; ja, was hätte da passieren können, aber ich bin heil rausgekommen. Danke Gott, dass ich dich kenne und du auf mich aufpasst!

Wenn wir in dieser Kommunikation mit Gott leben, dann kann er uns auch viel besser beschützen, dann kann er unser Herz so fest machen, so gesund und stark, dass wir auch schwierige Lagen bestehen können, in denen wir sonst vielleicht aufgegeben hätten. Diese Beziehung zu ihm ist unser stärkster Schutz.

Und deshalb ist es so wichtig, was der Konfirmationsspruch von Daniel sagt:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist (Psalm 51,12).

Wir brauchen ein Herz, das diesen Weg Gottes beständig mitgeht und sich davon nicht abbringen lässt. Ein Herz, das nicht aus Angst zu den miesen kleinen Tricks Zuflucht nimmt, mit denen wir versuchen, anderen Energie und Unterstützung abzuzapfen, ein Herz, das sich nicht nur vorsichtig und zögernd verschenkt und kein Risiko eingeht. Das Leben ist nun mal ein Risiko, und wenn wir jedes Risiko vermeiden wollen, wenn wir jeden Fehler vermeiden wollen, wenn wir uns vor jeder Enttäuschung schützen wollen, dann vermeiden wir das Leben. Ein reines Herz ist zunächst ein ganzes, ein ungeteiltes Herz, und es ist gut für uns, wenn wir lernen, unser Herz ganz an etwas zu hängen, etwas mit Begeisterung zu machen, ein sinnvolles Risiko einzugehen, nicht mehr halbherzig zu sein, sondern aus ganzem Herzen zu lieben. Gott kann man auch ein zerbrechliches Herz anvertrauen. Ohne das Risiko der Enttäuschung einzugehen werden wir Liebe nie wirklich erfahren. Und wenn wir tatsächlich verletzt und verraten wurden, dann können wir uns an Gott wenden.

Denn Gott geht gut und freundlich mit uns um - so sagt es der Konfirmationsspruch von Nicolas:

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte (Psalm 103,8).

Gott weiß, wie zerbrechlich ein menschliches Herz ist, wie sehr wir uns alle davor fürchten, dass jemand uns schwach erlebt und diese Schwäche ausnutzt und uns blamiert oder verletzt. Gott geht deshalb geduldig und freundlich mit uns um. Bei ihm sind wir sicher. Da haben wir einen Raum, wo wir ganz ehrlich wir selbst sein können, wo wir nicht immer dran denken müssen, was andere wohl von uns halten. Wo wir uns auch nicht damit herausreden können, was andere tun und meinen. Sondern ein Raum, wo wir so sein können, wie wir wirklich sind, und nicht so, wie wir gern erscheinen möchten. Gott möchte mit uns selbst zu tun haben, nicht mit einer tollen Fassade. So toll sind unsere Fassaden aber auch gar nicht, oft ist der Lack da schon ziemlich abgeblättert, und wenn wir sie loslassen, dann werden wir erst merken, wie freundlich und - ja, gütig! Gott ist.

Dieser junge Mann aus Amerika, der die Obdachlosen besucht, schreibt immer wieder davon, was er alles entdeckt, wenn er mit ihnen redet und sie besser kennen lernt. Da war z.B. ein Mann, der sehr darunter litt, dass er von seinem Sohn getrennt leben musste, und er tat alles mögliche, damit er wieder eine Wohnung bekam und seinen Sohn zu sich holen konnte. Und von Woche zu Woche erzählte er, wie seine Hoffnung wuchs. Eine ganz verborgene Seite, die nur der kennen lernt, der sich auf ein Gespräch und eine Freundschaft mit diesem Mann einlässt. So hat jeder Mensch in seinem Herzen einen Ort, wo seine Hoffnungen wohnen, manchmal ganz versteckt, manchmal hat er selbst schon fast vergessen, dass es diesen Ort gibt, aber wer den Schlüssel zu diesem Ort findet, der findet den Schlüssel zu diesem Menschen. Bei vielen gibt es eine große Angst davor, was passieren könnte, wenn einer den Zugang dazu findet. Angst, dass er uns dann auslachen oder verurteilen könnte. Aber Gott ist anders, und wenn wir Jesus nachfolgen, dann werden wir auch selbst verändert.

Deshalb noch einmal der Spruch aus Psalm 51, diesmal als Konfirmationsspruch von Malin:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist (Psalm 51,12).

Unsere Herz entscheidet darüber, wer wir sind. Deswegen ist es so wichtig, wie es in unserem Herzen wirklich aussieht. Wir können andere Menschen lange täuschen, aber in diesem Wort bitten wir darum, dass das gar nicht nötig ist. Gott soll Menschen aus uns machen, die gar nichts zu verbergen haben. Es gibt ja Menschen, die über sich selbst sagen: »Ich bin eben kompliziert«, oder andere sagen über sie: »oh, der ist aber kompliziert«. Das hängt meistens damit zusammen, dass sie ein zwiespältiges Herz haben, und man weiß dann vorher nicht, womit man es gerade zu tun hat - das macht den Umgang mit ihnen kompliziert. Und sie selbst sind hin und her gerissen und müssen all ihre verschiedenen Gesichter unter einen Hut bringen und kriegen das nicht immer hin.

In diesem Wort bittet einer darum, dass es in seinem Herzen nur eine Wahrheit gibt, dass er offen und klar sein kann, weil in ihm ganz beständig nur ein Geist wohnt, der Geist Gottes. Dieser neue Geist, der uns mit Glauben, Hoffnung und Liebe erfüllt, und dann ist da gar nichts mehr, was man verstecken und tarnen muss. Ein Leben mit Jesus Christus macht die Welt einfacher. Man hat dann weniger Sorgen, und die Sorgen, die bleiben, die sind bei Gott in guten Händen - wir selbst können sie loslassen. Deswegen hören wir als Konfirmationsspruch von Dominic jetzt noch einmal Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (Psalm 23,1).

Unsere Gedanken machen uns zu dem, was wir sind. Wenn unser Herz von Sorgen erfüllt ist, dann werden sie uns keine Ruhe lassen. Wie viele Menschen kennen es, nachts mit Sorgen aufzuwachen und Stunde um Stunde zu grübeln, aber es wird nichts besser dadurch. Wenn wir aber von diesem Vertrauen geprägt sind, dass Gott auf uns achtet, dass er uns zur richtigen Zeit das Nötige geben wird, dass er uns eine guten Weg öffnen will, dann kann man die Sorgen wegschicken. Sie belasten uns nicht mehr, und wir können und an die Aufgabe machen, die wir wirklich erfüllen können.

Und je besser wir Gott kennen, je fester wir mit ihm zusammengehören und auf den Wegen Jesu gehen, um so leichter ist das. Wenn unsere einzige Sorge ist, dass wir fest mit Jesus verbunden bleiben, dann wird Gott sich um die anderen Sachen kümmern. Und wenn die Kraft Gottes, mit der er Jesus von den Toten auferweckt hat, in unserem Leben ist, dann ist nichts mehr unmöglich.

Und wir können dann als Botschaft an uns hören, was der Konfirmationsspruch von Jennifer sagt:

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen (Jesaja 54,10).

Wir leben wirklich in einer gefährlichen Welt. Es gibt viele Probleme, und es wird in Zukunft noch mehr geben. Auch Berge und Hügel sind nicht stabil, auch die können ins Rutschen geraten und großen Schaden anrichten. Aber Gott ist in diese Welt hineingekommen, Jesus hat unser Leben geteilt, er ist auferstanden, und die Gnade Gottes ist in diese Welt gekommen. Das ist nie wieder rückgängig zu machen. Es gibt den Weg des Lebens mitten unter uns, und er wird auch von der Dunkelheit in dieser Welt nicht in Frage gestellt. Nein, der Weg Jesu geht durch all diese Dunkelheiten hindurch.

Wenn Menschen von Gott enttäuscht sind, dann meist deshalb, weil sie diesen Weg, auch in der Finsternis festzuhalten an der Liebe Jesu, entweder gar nicht versucht haben oder zu früh aufgegeben haben.

Jesus verändert Herzen so, dass wir auch sein Licht verbreiten können, dass wir ein Teil der Lösung sind und nicht nur ein Teil des Problems. Dass unsere Herzen eindeutig sind, eindeutig voll Liebe, Erbarmen und Hoffnung. Wer sich auf diesen Weg macht, der wird erleben, dass Gott zuverlässig ist.