Die Schafe von Bethlehem

Ein Krippenspiel mit Tieren für den Heiligen Abend

Personen:
Josef
Maria
Kuno       }
Krumpel } Hirten bei Bethlehem
Gottlieb  }
Engel
Ochse   aus Bethlehem
Esel       im Besitz von Josef
Wolly  } Schafe
Molly  } in der Nähe
Polly   } von Bethlehem
 

1. Szene: Der Aufbruch

Maria und Josef mit Gepäck, im Aufbruch. Der Esel steht missmutig dabei.
 

Josef:          Maria, das ist die letzte Gelegenheit für dich: willst du wirklich mitkommen? In deinem Zustand? Auf die lange Reise?

Maria:          Josef, das haben wir doch gestern ausdiskutiert. Ich gehe mit dir nach Bethlehem, und wenn das Baby unterwegs kommt, dann werden wir es schon irgendwie schaffen.

Josef:          Du glaubst also immer noch, dass dieses Kind von Gott ist und dass dir nichts passieren kann.

Maria:            Das glaube ich nicht nur, das ist wirklich so, du wirst es sehen!

Josef:            Mir wäre es aber lieber, wenn du wenigstens reiten würdest! Nimm den Esel!

Esel:             (empört) Wie bitte? auf mir reiten? bis Bethlehem sind es mindestens 100 Kilometer! Ich glaub, ich spinne!

Maria:            Ach lass doch, Josef. Wir brauchen den Esel für das Gepäck.

Esel:             Das ist aber auch nicht viel besser!

Maria:            Und wenn es mich zu sehr anstrengt, kann ich ja immer noch reiten.

Esel:             Das will ich nicht gehört haben!

Maria:            Glaub mir Josef, mein Kind steht unter einem ganz besonderen Schutz. Und wir beide auch. Mach dir keine Sorgen um die Zukunft! Es reicht schon, wenn wir über das nachdenken, was wir heute tun müssen. Um die Zukunft kümmert sich Gott.

Josef:          Ich wäre froh, wenn ich das auch so leicht nehmen könnte.

Maria:            Du kannst es, Josef, oder du lernst es noch.

Josef:          Ich denke erst mal ans Praktische. Z.B., dass dieser Esel beladen werden muss.

Esel:             Meint der mich?

Josef:          (belädt den Esel mit Gepäck) Also hier -

Esel:             Ich glaub, ich spinne! Bin ich denn der Lastesel?

Josef:          und hier -

Esel:             Jetzt reicht es aber

Josef:          und dies noch!

Esel:             Nein! Ich beschwer mich beim Tierschutzverein!

Josef:          Wir können los!

Maria:            (zum Esel) Ja, du bist ja ein Guter! Tut mir leid, dass du jetzt so viel schleppen musst! (krault sein Fell)

Esel:             Aber nicht doch! Gar nicht der Rede wert! Das tu ich doch gerne!

Maria:            Also, lass uns gehen! (gehen durch den Mittelgang und den Seiteneingang raus)

 

2. Szene: Der Engel

Die drei Schafe stehen beieinander.

Polly:      Molly, das Gras hier hat aber auch schon mal besser geschmeckt!

Molly:      Aber Polly, was erwartest du denn in dieser trüben Jahreszeit!

Wolly:      Wenigstens Essen und Trinken müssen doch stimmen!

Polly:      Hier ist einfach nichts los. Es ist alles nur öde! Tag für Tag Grünzeug fressen, und am Ende ziehen sie dir das Fell über die Ohren.

Wolly:      Polly, merkst du gar nichts? Ich sag es euch, irgendwas passiert heute Abend noch! Glaubt einem alten Schaf!

Molly:      Wolly, wie kommst du denn darauf?

Wolly:      Mach nicht so ein Schafsgesicht! Hast du noch nie was von tierischen Instinkten gehört?

Molly:      Jetzt spüre ich es auch. Die einzigen, die mal wieder nichts merken, sind Polly und unsere Menschen.

Kuno:       (kommt mit den anderen Hirten) Endlich Feierabend! Den ganzen Tag habe ich drauf gewartet.

Krumpel:    Schluss mit dem Stress! Jetzt gibt es Abendbrot, und dann wird geschlafen.

Gottlieb:   Was gibt es denn heute zum Abendbrot?

Krumpel:    Ich habe noch ein leckeres Stück Schafskeule von gestern aufgehoben.

Polly:      Schafskeule! Diese Barbaren!

Wolly:      Reg dich nicht auf, das bekommt dir nicht!

Polly:      Ich reg mich doch gar nicht auf!

Kuno:       Irgendwie sind die Schafe heute so unruhig.

Krumpel:    Wahrscheinlich haben sie sich wieder Geschichten vom Wolf erzählt!

Gottlieb:   So wie du uns immer vom König Herodes erzählst!

Krumpel:    Gar nicht immer! Aber der Mann ist ein Unglück! Der zieht uns noch das Fell über die Ohren! Der und die Römer!

Gottlieb:   Reg dich nicht auf, das bekommt dir nicht!

Krumpel:    Ich reg mich nicht auf! Aber man wird doch noch sagen dürfen, dass es in unserem Land traurig aussieht, seit dieser Gauner König geworden ist.

Kuno:       Hier, wo es keiner hört, darfst du es sagen! Aber wenn du in Bethlehem zum Einkaufen bist, dann halt lieber den Mund. Er hat seine Spitzel überall.

Krumpel:    Armes Israel!So weit ist es gekommen mit unserem Land!

Gottlieb:   Gott wird uns helfen. Er schickt den Retter, den Messias!

Kuno:       Schön, wie du das sagst! Aber da kannst du lange warten! Der Engel kommt von hinten und stellt sich hinter die Hirten

Polly:      Da! Was ist das?

Wolly:      Ein Engel! Ich wusste doch, dass noch etwas besonderes passiert!

Polly:      Können denn Schafe Engel sehen?

Wolly:      Ja - jedenfalls besser als Menschen es können.

Molly:      Man muss schon ein ziemlich dummes Schaf sein, um einen Engel zu übersehen - oder ein Mensch!

Kuno:       Ich sage dir, diese ganzen Geschichten vom Messias und von den Engeln, die einem im richtigen Augenblick helfen, das ist alles Geschwätz. Märchen sind das, für Kinder und Weicheier! Der Engel guckt ihn verwundert und betrübt an.

Gottlieb:   Gott hat unserem Volk so oft geholfen. Warum nicht auch jetzt?

Polly:      Warum sehen sie ihn nicht?

Wolly:      Ich sag euch: auch Hirten sind nur Menschen.

Polly:      Wir müssen ihnen den Engel zeigen!

Molly:      Hat keinen Zweck. Entweder der Engel sorgt selbst dafür, dass sie ihn sehen, oder sie bleiben blind.

Krumpel:    Schön wäre es, wenn Gott uns jemanden schicken würde! Aber gibt es das heute noch?

Kuno:       Erspart mir das Gerede. Bevor ich an Engel glaube, will ich wenigstens einen sehen. Scheinwerfer an, Engel stellt sich in Position

Krumpel:    Ach du meine Güte - was ist denn das?

Gottlieb:   Das kommt davon, wenn du solche Sprüche machst!

Engel:      Habt keine Angst! Ich habe eine große Freudenbotschaft für euch und für das ganze Volk. Heute ist euch der Retter geboren worden, in der Stadt Davids: Christus, der Herr! Und dies ist das Zeichen, an dem ihr ihn erkennt: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden, das liegt in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe. Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel; denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt!

Gottlieb:   Ist das wirklich wahr? Der Retter ist gekommen, der Messias?

Polly:      Glaubst du denn, der erzählt dir Märchen?

Krumpel:    Es ist kaum zu glauben! Nach so langer Zeit!

Kuno:       Und wer sagt mir, dass das stimmt?

Engel:      Ihr könnt es überprüfen. Ein neugeborenes Kind in Bethlehem. Nicht in einem Bett, sondern in einer Futterkrippe. Geht und schaut nach! (Engel geht)

Gottlieb:   Natürlich gehen wir!

Kuno:       Ja, ich will nachschauen.

Molly:      Und wir kommen auch mit!

Polly:      Meinst du wirklich? Bis nach Bethlehem? Wo liegt das überhaupt?

Wolly:      Sei kein dummes Schaf! Oder hast du nichts anderes im Kopf als Gras und Fressen? Wann hat ein Schaf schon mal Gelegenheit, den Retter der Welt zu sehen?

Molly:      Wenn unsere Menschen gehen, dann gehen wir mit.

Polly:      Ich glaube, das nennt man Herdentrieb.

Alle gehen durch den Mittelgang ab

 

3. Szene: Der Stall

Maria und Josef sitzen an der Krippe. Der Esel mit dem Ochsen daneben.

Esel:             (zum Ochsen) Und dass du Ochse mir jetzt bitte nicht zu brüllen anfängst! Die Mutter und das Kind brauchen unbedingt Ruhe. Überhaupt ist dieses Kind etwas Besonderes, das war mir von Anfang an klar. Schließlich wurde ich für den Gepäcktransport ausgewählt.

Ochse:      Vielleicht solltest du erstmal deine Stimme dämpfen. So sehr melodisch klingt das nicht in menschlichen Ohren, wenn du hier rumzeterst.

Esel:             Rumzetern nennst du das? Ich glaub, ich spinne!

Maria:            Siehst du Josef, bisher ist alles gutgegangen.

Josef:          Du hast recht - obwohl ich mir eine bessere Unterkunft gewünscht hätte. Wenn wir zu Hause wären, da wäre es bequemer für dich.

Maria:            Gottes Messias ist heimatlos in der Welt, und wir sind es mit ihm. Das geht nicht anders.

Josef:          Immerhin haben wir bis jetzt immer jemanden gefunden, der uns weitergeholfen hat, das muss ich zugeben. Wir sorgen für heute, und Gott sorgt für morgen. Es funktioniert. Bisher.

Maria:            Und nicht nur Menschen haben uns geholfen. (geht zum Esel) Du hast gut durchgehalten den langen Weg über. (streichelt ihn)

Esel:             Das war doch selbstverständlich. Kein Problem für einen wie mich.

Maria:            (zum Ochsen) Und es war nett, dass wir deinen Stall haben durften. Du sorgst dafür, dass es nachts hier nicht so kalt ist. (klopft ihm auf den Rücken) So ein großer Ochse wie du, der gibt Wärme.

Ochse:      Das tut gut, wenn man auch mal beachtet wird. Ich habe gleich gemerkt, dass das angenehme Menschen sind.

Maria:            Und es war freundlich, dass wir deine Futterkrippe nehmen durften, um Jesus da reinzulegen. Wir haben ja kein Kinderbett dabei.

Ochse:      Ja, aus der Krippe fresse ich sonst immer. Aber es ist schon in Ordnung. Auch als Ochse darf man nicht immer nur ans Fressen denken. Hirten und Schafe kommen, am besten mitten durch die Zuschauer

Josef:          Maria, da draußen kommen Leute! Ich kann mir zwar nicht vorstellen, was die von uns wollen, aber sie kommen direkt hierher.

Maria:            Das hat was mit unserem Sohn zu tun, du wirst es sehen!

Kuno:       Guten Abend! Wir haben gehört, dass es hier ein neugeborenes Baby geben soll.

Krumpel:    Das in einer Futterkrippe liegt statt in einem Bettchen.

Gottlieb:   Und es soll etwas Besonderes sein mit diesem Kind.

Josef:          Ihr seid richtig. Das ist die Mutter, hier ist das Kind, und wie ihr seht liegt es in einer Futterkrippe.

Kuno:       Tatsächlich! Es ist alles so, wie der Engel es gesagt hat. Es war keine Einbildung.

Gottlieb:   Dann hat der Engel mit dem andern auch recht.

Kuno:       Womit?

Krumpel:    Dass dies Kind der Retter von Gott ist, der die Welt wieder in Ordnung bringt.

Gottlieb:   Wisst ihr, dass euer Kind etwas ganz besonderes ist?

Josef:          Allmählich fange ich an, es zu glauben.

Maria:            Ach, Josef, du hast es schon immer gewusst! Was wir heute erleben, ist erst der Anfang. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wohin das alles noch führen soll.

Kuno:       Gott läßt uns nicht allein.

Maria:            Ja, er kommt zu uns. Er ist ein Kind geworden.

Molly:      Ich finde, die Menschenkinder sehen fast so niedlich aus wie kleine Lämmchen.

Wolly:      Aber dieses Kind ist etwas ganz besonderes.

Polly:      Ich verstehe das nicht.

Wolly:      Das macht nichts. Es reicht, wenn die Menschen das verstehen.

Polly:      Meinst du wirklich, sie verstehen es?

Molly:      Ich glaube, sie haben auch noch ihre Schwierigkeiten damit.

Wolly:      Aber sie haben verstanden, dass Gott hier etwas sehr wichtiges tut.

Gottlieb:   Ich kann es gar nicht abwarten, bis euer Kind gross ist. Die ganze Welt sieht anders aus, seit ich weiß, dass Jesus hier bei uns lebt.