Die Geschlechts-Dolmetscher

Theaterszene für den Besonderen Gottesdienst "Männer sind anders - Frauen auch" am 13.05.2001

 
Personen:

Moderator
Frau Dr. Klar, staatl. gepr. Dolmetscherin für Gender Translation
Herr Redlich, staatl. gepr. Dolmetscher für Gender Translation

Moderator: Zu unserem Thema »Männer sind anders - Frauen auch« haben wir heute zwei Gäste, Fachleute sozusagen. Es sind zwei Absolventen der Dolmetscherschule für Gender Translation. Ich begrüße hier bei uns Frau Dr. Klar und Herrn Redlich. Seien Sie herzlich willkommen. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, heute hier bei uns zu sein.
(Begrüßung)
Sie sind beide staatlich geprüfte Diplom-Dolmetscher für Gender Translation. Frau Dr. Klar, können Sie uns wohl erklären, was das ist?
Dr. Klar: Es geht um Übersetzung aus der männlichen Sprache in die weibliche Sprache ebenso wie um die Übersetzung aus der weiblichen in die männliche Sprache.
Moderator: Können Sie uns etwas erzählen über Ihren Aufgabenbereich? Wo kommen Sie zum Einsatz?
Dr. Klar: Die meisten unserer Einsätze sind leider Notfalleinsätze bei akuten Partnerschaftsproblemen.
Redlich: Akute Verständigungsschwierigkeiten, wissen Sie. Dann muss ein Übersetzer her.
Dr. Klar: Zum Glück werden aber auch Einsätze als Sitzungs- und Konferenzdolmetscher immer häufiger.
Moderator: Herr Redlich, können Sie uns sagen, worin sich Männer- und Frauensprache unterscheiden? Gibt es denn so große Unterschiede im Wortschatz?
Redlich: Nein, abgesehen von einigen Besonderheiten vor allem bei den Schimpfwörtern unterscheiden sich Männer und Frauen nicht in ihrem Wortschatz.
Dr. Klar: Die wirklichen Unterschiede zeigen sich erst im Gebrauch und in der Bedeutung der Wörter.
Moderator: Das klingt mir doch sehr theoretisch. Ich würde es gerne etwas anschaulicher haben. Ich möchte Sie doch bitten, uns an einem Beispiel Ihre Übersetzungsarbeit einmal vorzuführen.
Frau Dr. Klar, ich glaube, Sie hatten so eine Liste mit Beispielen dabei. Würden Sie uns wohl ein Beispiel in weiblicher Sprache geben, und Sie, Herr Redlich, übersetzen es in die männliche Sprache?
Dr. Klar: Ja, gerne.
Moderator: Also?
Dr. Klar: (mit kräftiger Betonung) »Nie unternehmen wir etwas zusammen!«
Moderator: »Nie unternehmen wir etwas zusammen« - braucht man dafür eine Übersetzung?
Redlich: Unbedingt! Ohne Übersetzung würde ein Mann das etwa so verstehen: »Was für ein Langweiler ist aus dir geworden! Du bist faul, unromantisch und vergammelst auf deinem Sofa!«
Moderator: Und wie würden Sie es richtig übersetzen?
Redlich: Ganz einfach! »Ich würde gern wieder mal mit dir ausgehen! Lädst du mich ein?«
Moderator: Und Sie meinen wirklich, dass das die richtige Übersetzung ist?
Dr. Klar: (entschieden) Ja.
Moderator: Haben Sie auch noch ein Beispiel mehr aus dem geschäftlichen Bereich?
Dr. Klar: Aber gerne! (mit empörter Stimme) »In dieser Firma ist es doch egal, wie es den Mitarbeitern geht!«
Moderator: Herr Redlich, wie würde das wohl ein männlicher Chef ohne Ihre Übersetzung verstehen?
Redlich: Etwa so: »Sie sind als Chef ein Versager, und Ihre Unfähigkeit wird nur noch von Ihrer Raffgier übertroffen.«
Moderator: Und wie müsste es Ihrer Meinung nach für einen männlichen Chef richtig übersetzt werden?
Redlich: »Ich arbeite ja eigentlich gern hier, aber könnten Sie nicht auch mal bei mir vorbeikommen und mir zeigen, dass meine Arbeit sinnvoll ist?«
Moderator: Aha! Gibt es denn nun auch typisch männliche Ausdrücke, die übersetzt werden müssen? Herr Redlich, können Sie ein Beispiel nennen?
Redlich: Ja, zum Beispiel »Nein«.
Moderator: Nein? Wieso »Nein«?
Dr. Klar: »Nein« ist die männliche Antwort auf die weibliche Frage: »Fehlt dir was?« Ein Mann antwortet darauf grundsätzlich mit »Nein«.
Moderator: Aber braucht man dafür eine Übersetzung?
Redlich: Unbedingt! Ohne Übersetzung könnte eine Frau das so verstehen: »Ich habe ein Problem, aber ich weiß nicht, warum ich mich ärgere. Wenn du weiterfragst, wirst du mir helfen, es herauszufinden.«
Moderator: Und diese Übersetzung ist ein Missverständnis?
Dr. Klar: Ja, sogar eins, das häufig für viel Ärger sorgt! Die richtige Übersetzung lautet nämlich: »Lass mich einfach ein bisschen allein, dann werde ich schon damit fertig. Aber wenn ich merke, dass ich deine Hilfe brauche, melde ich mich.«
Moderator: (sichtlich erschüttert) Wenn ich Sie so höre - diese ganzen gefährlichen Missverständnisse! Da tun sich ja Abgründe auf! Welche Erklärung haben Sie eigentlich dafür, dass Männer und Frauen es trotz dieser Kommunikationsfallen so lange miteinander ausgehalten haben?
Redlich: Offen gestanden ist mir das auch ein Rätsel.
Moderator: Und Frau Dr. Klar?
Dr. Klar: (ganz sachlich) Im Rahmen psychosozialer Theoriebildung wäre meine Hypothese: die Raumfahrt steckt noch in den Kinderschuhen. Deshalb konnte bisher noch niemand diesen Planeten endgültig verlassen.
Moderator: Wenn Sie mir noch eine persönliche Frage gestatten: Sie sind ja sozusagen Profis für geschlechtsübergreifende Kommunikation. Helfen Ihnen Ihre Kenntnisse denn auch privat? Wie handhaben Sie das zu Hause?
Dr. Klar: (distanziert) Ich bin unverheiratet!
Moderator: Und Sie, Herr Redlich?
Redlich: Ich lebe zur Zeit getrennt.
Moderator: (unfroh, dass er einen wunden Punkt berührt hat) O, das tut mir leid! Fehlt Ihnen da nicht etwas?
Redlich: Nein!
Moderator: Ich bedanke mich, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben und ganz besonders für Ihre interessanten Beiträge! (verabschiedet die Gäste mit Handschlag)