Luther auf der Wartburg

Szene für den Besonderen Gottesdienst am 3. Juli 2005

Personen:

Martin Luther (im Jahre 1522/3 für acht Monate aus dem Verkehr gezogen und auf der Wartburg versteckt, wo er u.a. das Neue Testament ins Deutsche übersetzte)
Der Teufel (über Mikro)

Luther steht an einem Schreibpult, vor ihm steht ein Tisch mit Brot, Schinken usw. und einem Humpen Bier

Luther:         Acht Tage sind es nun her, dass ich nichts schreibe und nicht bete, auch nicht studiere. Ich bin ein wunderlicher Gefangener; ich sitze hier auf dieser Burg mit Willen und wider Willen. Ich würde viel lieber öffentlich kämpfen, als mich hier zu verstecken. Wie lange soll das noch gehen? Und werden meine Freunde an mich denken? Wie sehr warte ich hier in meinem Kerker auf Briefe!

(greift zur Feder und beginnt zu schreiben)

Lieber Freund, ich habe mir Haar und Bart wachsen lassen, so dass ihr mich kaum erkennen würdet; aber ich kenne mich selbst schon lange nicht mehr.

(steht auf, geht zum Tisch)

An Essen und Trinken lassen sie mich keinen Mangel haben.

(nimmt einen tiefen Schluck aus dem Humpen)

So sitze ich hier den ganzen Tag müßig und schwermütig und fülle mir den Leib.

(geht wieder zum Pult und nimmt die Feder, schreibt:)

Ich weiß nicht, ob Gott sich von mir gewandt hat, weil ihr nicht für mich betet. Ich sollte brünstig sein im Geist, aber ich bin brünstig im Fleisch: Geilheit, Faulheit, Müßiggang und Schlafsucht. Ich werde geplagt teil durch Versuchungen des Fleisches, teils durch anderen Verdruss des kranken Leibes. Ich kann dieses Übel nicht länger ertragen. Lieber Freund, betet für mich, denn ich werde in Sünde versenkt in dieser Einsamkeit.

Teufel:         Das wird dir nicht helfen, Martinus!

Luther:         Ah, du schon wieder, Satan! Sei still und lass mich in Ruhe!

Teufel:         Deine Freunde haben dich vergessen und Gott hat dich fallen gelassen!

Luther:         Ja, ich falle, aber die rechte Hand des Herrn richtet mich auf!

Teufel:         Gott wird dir nicht helfen - du bist zu oft in Sünde geraten! Du steckst tief in ihr drin.

Luther:         Ich habe es gewusst. Mehr als ein Satan ist bei mir oder vielmehr gegen mich. Und ich bin hier allein, oder tatsächlich nicht allein, sondern mit diesem bösen Gesellen zusammen. Ich kenn den Gevatter schon. Geh weg und troll dich!

Teufel:         Ich werde dich nicht in Ruhe lassen. Du bist ein feister alter Sünder, und glaub nicht, dass du mir widerstehen kannst!

Luther:         Wohl wahr, dass ich ein feister Sünder bin, aber mein Herr Jesus Christus sagt: gib deine Sünden mir, und nimm du dafür meine Seligkeit! Du bist besiegt Satan, bläh dich nur auf, am Ende musst du doch das Feld räumen!

Teufel:         Ich fühl mich wohl bei dir, Martin. 10 Tage hast du schon nichts mehr getan. Du frisst dich voll wie eine Tonne, aber du bringst nichts zustande. Du wirst hier für ewige Zeiten bleiben, und alle werden dich vergessen.

Luther:         Um mich geht's gar nicht, aber mit dir wird es einen Tanz geben, Bube, und ich werde die Schrift von neuem ins Deutsche übersetzen, dass jeder es lesen kann.

Teufel:         Die Schrift ist vieldeutig, Martin! Ihr Sinn ist dem gemeinen Mann dunkel. Willst du, dass die Schneider und die Schuster und die Weiber wie die Gelehrten disputieren? Am Ende werden sie sich noch das Predigtamt anmaßen!

Luther:         Es ist ein grausames Verbrechen an der Heiligen Schrift und an allen Christen, wenn man behauptet, die Heilige Schrift sei finster. Das tun sie, um uns von der Schrift wegzuführen und sich selbst als Meister über uns zu setzen.

Teufel:         Martin, du bist schlecht in Griechisch und Hebräisch! Überlass diese Arbeit denen, die das besser können!

Luther:         Jetzt ist's genug! Bevor die Lumpenprediger und Puppenschreiber die Schrift auf ihre Art übersetzen, da mache ich's lieber! Und jetzt verschwinde und lass mich in Ruhe!

Teufel:          Es wird dir nicht gelingen Martin! Lass es bleiben!

Luther:         Zum letzten Mal: verschwinde und lass mich in Ruh! Ist's nicht genug, dass der Papst und seine Rotten das Evangelium verwirren, aber du wirst mich nicht hindern, das Wort Gottes den Menschen auf deutsch zu geben, den Schustern und den Schneidern! Geh fort, dahin, wo du hergekommen, im Namen Jesu Christi!

(wirft das Tintenfass in die Gemeinde)

Jetzt muss er gehen.

(wendet sich wieder zum Pult)

Lieber Freund, ich muss schließen. Die Tinte geht mir aus. Aber ich will's von neuem angreifen, die Schrift ins Deutsche zu übersetzen. Bete für mich, dass ich bewahrt werde vor dem bösen Feind und seinen Ränken. Und schreibe mir, schreibe mir, wie es bei euch geht. Es grüßt dich aus der Wüste Dein Martinus Luther.