Dialog der Generationen

Szene für den Besonderen Gottesdienst am 07. Mai 2006 zur Eröffnung  des Aktionstages "Jung und Alt aktiv"

Personen:

Vater
Tochter (11)
Mutter
Sohn (14)

Ein Tisch mit zwei Stühlen. Die Tochter entdeckt darauf ein Fotoalbum, nimmt es hoch und schaut es sich an.

1. Szene

Tochter:        Papa! Kannst du mal kommen?

Vater:           (von hinten) Einen Augenblick! Ich stecke hier mitten zwischen Opas alten Anzügen. Was ist denn?

Tochter:        Guck mal, was ich gefunden habe!

Vater            (kommt) Was ist denn das?

Tochter         Ich glaube, das ist Opas altes Fotoalbum.

Vater            Ja. Wo hast du das her?

Tochter         Das hat zwischen den Zeitungen auf dem Tisch gelegen. Glaubst du, er hat sich das noch angeschaut, kurz bevor er gestorben ist?

Vater            Das kann sein. Er hat sich gerne die alten Fotos angeguckt. Ich glaube, wenn man alt ist, dann interessiert man sich wieder mehr für das, was man als Kind erlebt hat.

Tochter         Glaubst du, wenn ich mal so alt bin wie Opa, dass ich mir dann die Fotos angucke, die ihr jetzt macht?

Vater            Wahrscheinlich wunderst du dich dann mal, was für komische Sachen du früher getragen hast.

Tochter         Ja, guck mal, was die Kinder früher anhatten! Hier, diese Stiefel, die die  anhaben! Ist das Opa mit seinen Geschwistern?

Vater            Ja, ich glaube.

Tochter         Das muss ziemlich unbequem gewesen sein.

Vater            Ja, so war das, als Opa ein Kind war. Du kannst ja mal gucken, was ich früher anhatte. Hier, guck mal!

Tochter         Bist du das? Da hast du so eine Lederhose an! Wie so ein Bayernseppl! Hast du die wirklich mal getragen?

Vater            Ja, die ist nie kaputtgegangen, da konnte man machen, was man wollte.

Tochter         Und hier! Ist das Opa? Als Soldat in Uniform?

Vater            Ja, das war im zweiten Weltkrieg, als er auf Heimaturlaub war. Da hat er auf dem Bahnhof Oma kennengelernt.

Tochter         War Opa ein richtiger Soldat? Glaubst du, dass er mal jemanden erschossen hat?

Vater            Ich weiß nicht, davon hat er nie erzählt.

Tochter         Aber es könnte sein, dass er mal jemanden erschossen hat?

Vater            Ja, möglich ist das. Weißt du, wenn ich Opa mal nach so was gefragt habe, dann hat er immer gesagt: Junge, was willst du davon wissen? Sei froh, dass du das nicht erlebt hast!

Tochter         Glaubst du, dass ihm das hinterher leid getan hat, dass er jemanden erschossen hat?

Vater            Du, von solchen Sachen hat er mir nie erzählt.

Tochter         Aber vielleicht anderen?

Vater            Ich weiß es wirklich nicht. 

2. Szene

Wieder Vater und Tochter am Tisch. Sie schauen sich das Album an.

Tochter         O, Papa, schau mal, das bist du ja! Du hast aber lange Haare gehabt! Durftet ihr das denn?

Vater            Opa mochte das nicht, und Oma sagte: Ich geb dir das Geld für den Friseur, lass dich doch mal schön machen! Aber ich bin nicht gegangen.

Tochter         Warst du damals auch ein Hippie?

Vater            Nein, wir haben die Musik gern gehört, aber Hippies gab es hier bei uns nicht so viele.

Tochter         Und warum hast du so lange Haare gehabt?

Vater            Ich denke: als Zeichen für Freiheit, und dass wir nicht so werden wollten wie unsere Eltern. Und dass wir uns nicht einfach anpassen wollten.

Tochter         Und – hast du es geschafft?

Vater            Was?

Tochter         Dich nicht einfach anpassen.

Vater            Meistens schon. Ich bin nach der Schule erstmal mit Freunden durch die Welt gefahren. Und eine Zeit lang haben wir auch mit 5 Leuten zusammen in einer Wohngemeinschaft gewohnt. Opa nannte das nur meine »Kommune«. Und Opa und Oma haben sich aufgeregt, dass ich immer nur Jeans getragen habe.

Tochter         Aber Opa hat doch selbst Jeans getragen.

Vater            Das war erst viel später. So ändern sich eben die Zeiten. Und lange Haare hat er nie getragen.

Tochter         Aber heute hast du auch nicht mehr so viele Haare.

Vater            (etwas unsicher) Ja, die sind irgendwie kürzer geworden ... so im Lauf der Zeit.

3. Szene

Mutter und Sohn kommen rein und gehen zum Tisch in der Mitte.

Sohn            Papa hat gesagt, hier liegt noch ein altes Album mit Bildern von Opa.

Mutter          Ja, sie haben es gefunden, als sie die Sachen von Opa aufgeräumt haben. Hier liegt es!

Sohn            Zeig mal! Guck mal, das bin ich ja.

Mutter          Oma hat all die Bilder gesammelt. Und jetzt hatte sie Opa immer. Hier, da sind noch mehr Bilder von dir: wie du zur Schule kommst, deine Taufe, und hier ...

Sohn            Was ist das denn?

Mutter          Das ist das erste Foto, das wir von dir haben. Da warst du noch gar nicht geboren, aber man konnte dich schon auf dem Ultraschall sehen. Wir haben den Großeltern damals einen Abzug gegeben.

Sohn             Und das alles haben sie hier eingeklebt?

Mutter          Ja, ich glaube fast, sie haben aufgeregter auf dich gewartet als wir.

Sohn             Die Großeltern haben wohl viel über mich nachgedacht?

Mutter           Das kann man sagen! Sie wollten immer alles von dir wissen. Aber ich glaube, du warst auch gerne bei ihnen.

Sohn             Ja! Ich weiß noch, wie sie mit mir immer nach Hannover in den Zoo gefahren sind. Und Opa hat mit mir das Vogelhäuschen gebaut.

Mutter           Eigentlich hatten sie gehofft, dass sie deine Konfirmation noch miterleben können. Aber es ist jetzt doch anders gekommen.

Sohn             Du, als ich das letzte Mal bei Opa im Krankenhaus war, da sah er eigentlich immer noch wie Opa aus. Und er hat noch gefragt, was er eben immer gefragt hat: wie ich in der Schule bin, und wann wir wieder Fußball spielen. Er wollte es alles noch wissen.

Mutter          Für eure Großeltern waren ihre Enkelkinder etwas ganz besonderes. Ich habe manchmal gedacht, dass sie euch zu sehr verwöhnen. Aber im Laufe der Jahre habe ich akzeptiert, dass sie ein anderes Verhältnis zu euch haben als zu eurem Vater, als er noch Kind war.

Sohn             Waren sie streng?

Mutter          Ja, schon. Es gab wohl einige Auseinandersetzungen zwischen Papa und seinem Vater.

Sohn             Echt? Ich dachte, dass sie sich mochten.

Mutter          Ja, sicher. Es ging damals auch eher um ganz typische Sachen. Dein Opa war nicht immer einverstanden mit den Klamotten, die dein Vater trug, oder damit, dass er am Wochenende manchmal beim Feiern die Nacht zum Tag gemacht hat.

Sohn             Ach so. Grinst. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Dass Eltern aber auch nichts aus den Erfahrungen ihrer Eltern lernen!

Mutter           Lacht. Das hätteste wohl gerne, was?